Aufräumen auf Japanisch: Die Konmari Methode

Eine der häufigsten Reaktionen wenn ich Menschen erzähle, dass ich für IKEA arbeite, ist, dass alle annehmen, dass ich eine perfekt organisierte Wohnung habe. Alle Dinge perfekt verstaut, sei es im Wohn- oder Schlafzimmer oder in der Küche. Vom Keller ganz zu schweigen. Kisten und Kästen geordnet nach Themengebieten, Küchenschubladen geordnet nach den Kochabläufen und einen Kleiderschrank so perfekt organisiert, dass man sich vorkommt wie im Werbespot.

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Wem kann man diese Annahme denn auch verübeln? Schaue ich mir den Katalog oder die Ausstellung im Einrichtungshaus an, dann denke ich auch, dass dies doch Daheim auch so zu sein hat, besonders bei jemandem, der sich beruflich damit auseinandersetzt

Nun muss ich zu meiner Schande zugestehen, dass auch ich wie viele Menschen nicht immer der Ordentlichste bin und gerne mal meine Schlüssel verlege. Dies mag nichts Schlimmes ein, aber insgeheim wäre ich gerne ein gut organisierter Mensch. Und so habe auch ich Boxen gekauft, diese mit Schildern versehen, Ordner angelegt, BILLY/PAX/HEMNES/KALLAX Regale aufgebaut. Doch irgendwie scheint das Chaos, auch nach den Marathon-Aufräumaktionen, immer wiederzukommen.

Ich habe mir auch Bücher gekauft, die – illustriert mit wunderschönen Fotografien – erklären, wie man richtig organisiert. Magazine gelesen, Fernsehsendungen gesehen, Blogs gefolgt – doch immer noch schleicht sich das Chaos ein. Ich frage mich, ob es nun an mir liegt oder ob es doch noch eine Rettung gibt.

Nun bin ich bei meinen Recherchen auf ein Buch gestoßen, das einen neuen Weg aus dem Chaos beschreibt. Marie Kondos Magic Cleaning. Der ein oder andere mag schon davon gehört haben. Ich bin ganz zufällig beim Schauen von YouTube Videos darauf aufmerksam geworden. Nachdem ich einige Erfahrungsberichte und dann noch ein Interview mit der Erfinderin der so genannten Konmari Methode gesehen hatte ging ich los und besorgte mir das Buch.

Das Erste, was mir ins Auge fiel, war das Buch selbst. Ganz unscheinbar in einem weißen Einband, wie ein Roman kommt es daher. Doch der Schein trügt. Der simple Einband und die Aufmachung spiegeln die Grundessenz der Methode wieder: Reduzierung auf das Wesentliche.

Marie Kondo erklärt in ihrem Buch auf anschauliche Weise, wie sie zu der Entwicklung ihrer Methode gekommen ist. Schon als Kind und später als Teenager war sie mit Aufräumen und der richtigen Methode, ihre Dinge zu organisieren, beschäftigt. Durch das Ausprobieren über Jahre hinweg kam sie zu einer wichtigen Erkenntnis: Man wird nie das Chaos beseitigen, wenn man sich mit Dingen umgibt, die man nicht wertschätzt.

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Und dieses Prinzip lässt sich auf alles im Leben anwenden. Umgehe dich nur mit den Dingen, die dir Freude bereiten. Mit diesem Leitsatz werden dann Zimmer um Zimmer und alle Arten von Dingen ausgemistet und anschließend organisiert. Zuerst Kleidung, dann Bücher, Papiere, Kleinkram und ganz zum Schluss persönliche Dinge. Am Ende bleiben dann nur noch die Dinge übrig, die man wirklich braucht und die man gerne gebraucht – alle unnützen und ungebrauchten Dingen wandern aus dem Haus. Der Effekt soll sich soweit fortsetzen, dass man zukünftig auch nur noch Dinge für sich kauft, die man wirklich liebt und die positive Energie geben.

Nun bin ich von Natur aus ein etwas skeptischer Mensch, gerade bezüglich der Frage, ob ich meine Sachen liebe. Doch was ich sehr schnell erkannte war der Zusammenhang zwischen zu viel Besitz und Chaos. Auch ich besaß zu viel und versuchte nur Platz für alles zu finden. Und selbst wenn ich einmal ausmistete, dann nur halbherzig – ich hatte ja schließlich viel Geld für die Dinge ausgegeben und irgendwann würde ich sie bestimmt noch benutzen.

Also entschied ich mich nun, die Konmari Methode anzuwenden und zu sehen, was nun mit mir und meiner Wohnung passierte. Als Erstes kam die Kleidung dran. Drei Stunden und sieben Altkleidersäcke später wanderte ich von meiner Wohnung zum nächsten Container in meinem Viertel. Es war ein gutes Gefühl Dinge loszuwerden, die ich nicht mehr brauchte. 

Wieder daheim angekommen hatte ich nun genug Platz, alle meine Kleidung so neu zu ordnen, dass alles leicht erreichbar im Schrank lag. Auch bin ich der Empfehlung gefolgt, alles aufrecht stehend zu lagern.

Das Interessante an der Konmari Methode ist, dass ich mich zum ersten Mal mit dem Grundübel des „Zu viel Besitzens“ auseinander gesetzt habe. Und tatsächlich, die Lösung ist nicht, immer neue Strategien zu entwickeln, wie man alles verstaut. Vielmehr geht es darum, dass man nur die Dinge verstaut, die man wirklich haben will und mag. Diese einfache Grundregel hat den Vorteil, dass sie für jeden anwendbar ist und auch Platz für Sammler lässt. Man muss nicht zum Minimalisten werden mit nur fünf T-Shirts und drei Hosen im Schrank und auch nicht zum perfekten Organisierer, der ein Ablagesystem für alle möglichen Dinge hat.

Und nun bin ich daran, auch mit dem Rest meiner Wohnung weiterzumachen. Ein Satz aus dem Buch bleibt mir dabei immer im Gedächtnis: „…gründlich aufzuräumen bedeutet noch ein bisschen mehr, nämlich mit der Vergangenheit abzuschließen und damit den Grundstein für einen gelungenen Start in eine neues Leben zu legen.“

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/aufraeumen-auf-japanisch-die-konmari-methode