Ein Besuch im Grünen – Urban Gardening in Frankfurt

Urban Gardening ist ein Trend, der nicht nur Spaß macht, sondern auch das Bewusstsein für nachhaltiges Leben und gesundes Essen stärkt. Weil auch IKEA immer mehr Menschen zum Pflanzen und Ernten auf dem Balkon, im Garten oder sogar innerhalb der eigenen vier Wände begeistern möchte, stellen wir euch heute den Frankfurter Garten, ein Urban Gardening Projekt mitten in der hessischen Metropole vor.

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Mitten in Frankfurt am Main, neben Ostbahnhof und dem Neubau der Europäischen Zentralbank, tut sich eine grüne Oase auf: Hier befindet sich der Frankfurter Garten, das größte Urban Gardening Projekt Hessens. Seit mehr als drei Jahren öffnet der Garten seine Tore für interessierte Besucher, Hobby-Gärtner und Pflanzen-Liebhaber.

Eine, die den Garten mitpflegt und hegt, ist Gerlinde. Sie ist eine von rund 50 Gärtnern und seit diesem Jahr dabei. Gerlinde teilt sich eines der Gemeinschafts-Beete mit zwei weiteren Hobby-Gärtnern. Zuhause hat sie weder Balkon und noch Garten und freut sich, hier Schnittlauch, Petersilie & Co. selbst anpflanzen zu können. „Und immer, wenn ich vorbeikomme und nach dem Beet sehe, kann ich mir ein paar Kräuter mitnehmen“, erzählt sie fröhlich, während sie prüfend den Zustand des Beets begutachtet.


„Ein Mitmach-Projekt für Groß und Klein!“

Nach und nach füllt sich der Garten an diesem sonnigen Nachmittag, die Gärtner begrüßen sich herzlich und schieben Schubkarren durch die Gegend. Sie pflegen die Hochbeete und ziehen Garten-Expertin Christine zu Rat, die mit Tipps und Tricks zur Seite steht. Wenig später stößt Ilona Lohmann-Thomas dazu. Die Vorsitzende des Vereins berichtet, welche Ziele das Urban Gardening Projekt verfolgt: „Der Frankfurter Garten ist ein Mitmach-Projekt. Nachhaltigkeit und ein bewusster Umgang mit Saatgut ist uns sehr wichtig. Auch legen wir Wert darauf, natürliche Kreisläufe von Erde, Wasser und erneuerbaren Energien zu beachten“, erzählt Ilona während eines Rundgangs durch den Garten. „Wir sind jetzt bereits in der vierten Gartensaison. Bei unserem Start war kein Gärtner dabei, doch wir haben immer fest daran geglaubt und wollten den Zusammenhalt und das Zusammensein des Stadtteils mit dem Projekt fördern“, erklärt die Sozialpädagogin. Das Miteinander hat Ilona direkt begeistert, sie beschäftigt sich viel mit Nachhaltigkeit und der Zukunft unseres Planeten.

Dort, wo sich vorher ein trister Parkplatz befand, blühen jetzt Tomatensträucher & Co. Der Frankfurter Garten ist ein temporäres Projekt, der Platz ist von der Stadt gemietet. Hier wird exemplarisch die Vier-Felder-Wirtschaft dargestellt und erklärt. Generell liegt der Fokus auf Nutzpflanzen. Schulklassen und Kindergärten können hier am lebenden Objekt lernen, wo das Radieschen herkommt, was ein nachhaltiges Miteinander bewirken kann und wie wichtig die Natur für den Menschen ist. Ein alter Schulcontainer steht auf dem Gelände, hier können Kinder auch bei schlechtem Wetter (und falscher Kleidung) lernen und ausprobieren.

Urban Beekeeping – die Biene in der Großstadt

Doch nicht nur Pflanzen, auch Bienen sind ein wichtiger Teil des Gartens. Thorsten betreut als Imker die rund 400.000 Bienen, die in 8 Völkern in einer Ecke des Gartens leben – und das mitten in der Großstadt. „Urban Beekeeping“ ist hier das Stichwort: Tatsächlich ist die Blütenvielfalt für Bienen in der Stadt größer als auf dem Land. Es ist wärmer, der Einsatz von Pestiziden ist geringer und in der Stadt blüht im Grunde immer irgendwas. Thorsten erklärt, dass die Bienen im Frankfurter Garten „wesensgemäß“ gehalten werden. „Das bedeutet, dass die Bienen ihren Honig behalten und auf ihm überwintern. Dadurch müssen wir nicht viel beifüttern und am gesündesten ist für Bienen sowieso ihr eigener Honig.“ Außerdem müssen sich die Bienen ihre Waben in den Bienenkisten selbst bauen, sie bekommen keine Rähmchen oder Wachsmittelwände. „Hier entscheidet jedes Volk selbst, wie viele Drohnen, d.h. männliche Honigbienen bei ihm leben – dadurch entsteht kein Männermangel“, sagt Thorsten und die Umstehenden lachen. Überhaupt fällt auf, dass sich die Bienen von den Menschen um sie herum nicht aus der Ruhe bringen lassen. Vor allem die Kinder sind fasziniert von den eifrigen Arbeiterinnen. 

Thorsten kann den Trend bestätigen: Immer mehr Menschen begeistern sich wieder für Bienen und die Imkerei. Doch es sind immer noch zu wenige. „Früher hatte ein Imker 20 bis 30 Völker, heute nur zwei bis drei. Vor allem auf dem Land muss es wieder mehr Bienen geben. Aber wir sind auf einem guten Weg“, berichtet er während die Bienen entspannt um die Köpfe der Besucher schwirren. 

Gärtnern, Handwerken oder einfach Zeit draußen verbringen 

Nach den Bienen geht es weiter zu den Hochbeeten, die in Eigenregie konzipiert und gemeinsam gebaut werden. Hier greifen die Gärtner einen weiteren Trend auf – Upcycling. Alte Paletten dienen als Basis. Holz, das keine andere Verwendung mehr findet, kommt hier noch zum Einsatz und wird gerne verarbeitet. Wenn das Holz auch dafür nicht mehr zu gebrauchen ist, wird es im Winter für Lagerfeuer genutzt. „Es ist unser Anspruch, in Kreisläufen zu arbeiten und nichts wegzuwerfen – der nachhaltige Aspekt unseres Projekts ist uns sehr wichtig“, betont Ilona. Und im Frankfurter Garten wird nicht nur gegärtnert, hier finden auch Heilkräuter-Workshops, Flohmärkte und andere Veranstaltungen statt. 

Der Rundgang geht weiter, vorbei an einem Spielplatz für die Kleinsten, die Großen können sich bei Getränken und kleinen Gerichten stärken. Einem Teich mit Goldfischen dient gleichzeitig als Bienentränke. Das kleine Gewächshaus schützt die Pflanzen, die noch etwas Deckung benötigen. Dann erläutert Ilona, was das eigentliche Herzstück des Frankfurter Gartens ist: die Holzwerkstatt. „Denn ohne die gäbe es die ganzen tollen Pflanzen gar nicht. Sägen, Schleifmaschine & Co. helfen beim Werkeln und Bauen, es ist schließlich immer was zu tun!“ 

Ihr wollt selbst einmal im Frankfurter Garten vorbeischauen? Kein Problem, dienstags bis sonntags von 12-21 Uhr ist am Danziger Platz/Ostbahnhof Platz und Zeit zum Gärtnern. Alle zwei Wochen findet Mittwochabends ein Gartenrundgang statt, der Interessierten zeigt „wie das hier im (hessischen) Gadde“ so läuft. Außerdem treffen sich jeden Mittwoch Hobby-Gärtner zum „Garten in Aktion“ mit Profi-Gärtnerin Christine, die gerne Pflanzen-Fragen beantwortet. 

Frankfurt ist euch zu weit entfernt? Kein Problem, hier findet ihr eine Liste von 10 Urban Gardening-Projekte in ganz Deutschland und bestimmt auch in eurer Nähe!

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/ein-besuch-im-gruenen-urban-gardening-in-frankfurt