Von der Baumwollpflanze zur neuen SOMMAR 2017 Kollektion: Eine Reise durch Indien

Foto: Katya Matriosha

Im Oktober hatten Journalisten aus aller Welt die Gelegenheit, während einer Pressereise durch Indien die Produktion von nachhaltigerer Baumwolle vor Ort kennenzulernen. Während einer spannenden Woche haben wir viel über Landwirtschaft unter schwierigen Bedingungen, Baumwollproduktion, Land und Leute erfahren und unvergessliche Eindrücke gesammelt. In lockerer Folge werde ich in den nächsten Wochen einige meiner Erfahrungen hier teilen.

Teil I: 

Seit September letzten Jahres stammt die gesamte Baumwolle in unseren Produkten aus nachhaltigeren Quellen. Das bedeutet, dass für ihren Anbau weniger Wasser, Düngemittel und Pestizide zum Einsatz kommen. Um dies möglich zu machen, hat IKEA vor über 10 Jahren zusammen mit dem WWF die Better Cotton Initiative (BCI) gegründet. Durch die Initiative konnten die Farmer in Indien ihre Kosten senken, ihren Gewinn erhöhen und gleichzeitig die Umwelt schonen. Im Jahr 2014 erwirtschafteten Farmer, die im Rahmen der BCI anbauten, bis zu 14 Prozent mehr Ertrag im Vergleich zu Farmern, die nach konventionellen Methoden anbauten. Die Farmer konnten ihre Kosten durch einen reduzierten Einsatz von teuren Pestiziden senken und damit gleichzeitig ihren Gewinn erhöhen. Sie lernten in Schulungen, welche Insekten wirklich Schädlinge sind und wie einige dieser schädlichen Insekten sich auf natürliche Weise bekämpfen lassen. Im konventionellen Anbau werden große Mengen an Pestiziden schon vorbeugend eingesetzt. Inzwischen stammen 72 Prozent der Baumwolle in IKEA Produkten aus der Better Cotton Initiative. Da Indien hinter China der größte Produzent von Baumwolle ist, lud IKEA Journalisten aus aller Welt zu einer Pressereise nach Indien ein, um sich vor Ort ein Bild von der Baumwollproduktion nach den Regeln der BCI zu machen. Auch zwei deutsche Journalisten waren dabei, die ich begleiten durfte. Unsere Reise führte uns Ende Oktober zunächst nach Delhi, von dort aus weiter nach Aurangabad, über Hyderabad nach Coimbatore und schließlich über Karur zurück nach Delhi.

IKEA_Cottonfield_01.jpg Gruppenfoto vor dem WWF Feldbüro in Jalna. Foto: Katya Matriosha IKEA_Cottonfield_02 Gespräche zwischen Journalisten und den Farmern von Gadhegavan. Foto: Katya Matriosha

Das WWF Hauptquartier in Delhi war unsere erste Station auf der Reise. Hier trafen wir auf die Projektverantwortlichen in Indien. Der WWF und IKEA starteten die Better Cotton Initiative im Jahr 2005. Inzwischen ist die BCI eine Multi-Stakeholder-Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, die komplexe Baumwoll-Produktionskette vom Farmer bis zum Einzelhändler in einem Interessenverband zusammenzubringen und die Anbaubedingungen weltweit zu verbessern. Der WWF ist dabei einer der wichtigsten Partner und betreut die Umsetzung vor Ort. Noch am gleichen Abend machte sich unsere über 20-köpfige Reisegruppe zusammen mit dem WWF auf den Weg nach Aurangabad im westindischen Bundesstaat Maharashtra. Alle waren sehr gespannt auf die nächsten zwei Tage, die wir bei den Baumwollfarmern verbringen würden.  Am frühen Morgen ging es dann in einer mehrstündigen Autofahrt über holprige Sandwege vorbei an Ochsenkarren und Ziegenhirten zum ersten Dorf, nach Gadhegavan. Nach einer traditionellen, indischen Begrüßungszeremonie lernten wir viel Wissenswertes von den Farmern über ihre Arbeit auf den Baumwollfeldern. Über 54 Prozent der dort ansässigen Farmer bauen inzwischen Baumwolle nach den Methoden der BCI an. Durch Schulungen vom WWF konnten diese Farmer positive Ergebnisse erzielen.  Wie bereits erwähnt unter anderem durch den reduzierten Einsatz von Pestiziden oder in Gadhegavan auch durch den Anbau von Mischkulturen. Beim konventionellen Anbau hatten vor allem Dürreperioden oder Schädlingsbefall immer wieder zu einer unzureichenden Ernte, hohen Produktionskosten und damit wenig Ertrag für die Farmer geführt.

IKEA_Cottonfield_03 Ein Mitglied des WWF zeigt den Journalisten das grüne Dokumentationsheft. Katya Matriosha

Die Schulungen werden meistens über YouTube gehalten – der Informationsaustausch erfolgt über WhatsApp Gruppen. Zwar sind die Lebensbedingungen sehr einfach in den Dörfern, ein Smartphone oder sogar Tablet hat jedoch jeder Farmer. Außerdem hat jeder Farmer ein WWF Dokumentationsheft, in das die verbrauchten Mengen von Dünger, Insektenschutzmittel und Wasser sowie die tatsächliche Ernte eingetragen werden. Damit lassen sich die positiven Ergebnisse durch die BCI noch deutlicher nachvollziehen. Anschließend fuhren wir noch auf eines der BCI Baumwollfelder, um uns die Pflanzen anzuschauen. Da die Ernte erst losging, trugen noch nicht alle Pflanzen fertige Baumwollblüten. Tatsächlich war das Feld aber sehr dicht bewachsen im Vergleich zu einem konventionellen Feld in der Nähe. Abschluss unseres Tages war dann noch ein Besuch der Dorfschule. Es ist schön zu sehen, dass die Kinder inzwischen regelmäßig die Schule besuchen und nicht mehr täglich ihren Eltern helfen müssen. Denn diese haben nun ein besseres Einkommen.

IKEA_Cottonfield_04 Wasserleitung in den Baumwollfeldern. Foto: Katya Matriosha

Am nächsten Tag ging es noch einmal in Richtung Baumwollfelder. Zwei Dörfer standen auf dem Programm. Wir trafen unter anderem auf den Farmer Uddhav Khedekar, der bereits mit einem nationalen Preis für seine Arbeit ausgezeichnet wurde. Er setzt sich in erster Linie für einen nachhaltigen Umgang mit Wasserressourcen ein. In den letzten Jahren gab es oftmals lange Dürreperioden in Indien, die den Farmer schwer zu schaffen machten. Baumwollpflanzen benötigen sehr viel Wasser, um optimal wachsen zu können. Der konventionelle Anbau von Baumwolle ist mit einem hohen Wasserverbrauch verbunden. Das meiste davon versickert oder verdunstet allerdings. Zudem sind Wasservorräte teilweise bis zu 40 km von den Dörfern entfernt. Deswegen ist ein gezielter und kontrollierter Einsatz bei der Bewässerung der Felder besonders wichtig. Im Rahmen der Better Cotton Initiative lernen die Farmer nachhaltiger mit der Ressource Wasser umzugehen. So nutzt Uddhav zum Beispiel kleine Wasserrohre auf dem Feld, um die Pflanzen „tropfenweise“ und damit viel gezielter, zu bewässert. Durch das gezielte Wassermanagement von Uddhav stehen seinem Dorf nun auch in Dürreperioden Wasserreserven zur Verfügung. In den nächsten Jahren will er tausende Baumwollfarmer besuchen und schulen, denn durch die BCI konnte er wesentlich mehr Ertrag erwirtschaften und möchte sich nun dafür einsetzen, dass mehr Farmer nach dieser Methode anbauen. Auch in dem anderen Dorf, das wir besuchten, konnten die Farmer mit Hilfe der BCI ihren Gewinn erhöhen. Zudem leisten sie einen positiven Beitrag zur Umwelt, beispielsweise durch einen verringerten Einsatz von Dünger. 

Der Besuch der Baumwollfelder und der Menschen, die dort arbeiten, haben nicht nur bei mir tiefe Eindrücke hinterlassen. Es war spannend zu sehen, wo die Rohstoffe für unsere Produkte eigentlich herkommen. Deswegen war dieser Teil der Reise für mich der Schönste– nicht zuletzt durch die herzliche Gastfreundschaft. Im nächsten Beitrag werde ich dann über die weiteren Stationen unserer Reise und  die Produktionskette der Baumwolle berichten.  

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/eine-reise-durch-indien