IKEA Stiftung: Ist Stroh der Stein der Weisen?

Stroh als Dämmmaterial findet noch immer viel zu wenig Beachtung. Kein anderer Baustoff bietet so kostengünstig perfektes Raumklima und schützt gleichzeitig das Klima unserer Erde. Das ist die Quintessenz des einstündigen Films „Moderner Strohballenbau“ der Filmemacherin Heidi Snel, den die IKEA Stiftung finanziell unterstützt hat. 

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Wegen der hohen Nachfrage nach ökologischen Bau- und Dämmstoffen erlebt Stroh als Baumaterial gerade eine Renaissance. Zu Ballen gepresst entfalten die trockenen Halme eine erstaunliche Isolierwirkung. Das Praktische dabei: Stroh fällt bei jeder Getreideernte reichlich als Abfallprodukt an, ist also sowieso schon da und benötigt keine eigenen Anbauflächen. Als erneuerbarer Rohstoff ist Stroh im Gegensatz zu konventionellen Dämmstoffen zudem ein sehr nachhaltiges Produkt. Eine chemische Behandlung gegen Schädlinge ist nicht notwendig, denn die trockenen Halme sind wegen ihres niedrigen Nährstoffgehalts für Nagetiere und Insekten als Futterquelle unattraktiv. Auf Feuerschutzmittel kann ebenfalls verzichtet werden, denn im Gegensatz zu losem Stroh brennen gepresste Strohballen eher schlecht. Aus rein optischen Gesichtspunkten lässt sich ein Haus mit Strohdämmung nicht von einem Haus aus konventionellen Baustoffen unterscheiden.

Vom Öko-Image zum zertifizierten Bauprodukt

Zehn Jahre nachdem die Regisseurin ihren ersten Film über das Bauen mit Stroh drehte, ist sie, gemeinsam mit Kameramann Malcolm St. Julian-Bown, erneut losgefahren. Nicht nur um herauszufinden, wie sich die Strohballenhäuser von damals im Alltag bewährt haben, sondern gerade auch, um zu dokumentieren, wie sich die Strohballenbautechnik in der letzten Dekade vom Öko-Image zum zertifizierten Bauprodukt entwickelt hat.

Egal, ob Last tragender Strohballenbau, vorgefertigte Wandelemente oder fünfgeschossiger Neubau – die Ökobilanz der gezeigten Bauten ist beeindruckend. Im Vergleich zu einem konventionell mit Styropor gedämmten Haus könnte man mit derselben Herstellungsenergie bis zu 35 Häuser mit Stroh dämmen. Dabei bietet es gleich mehrfachen Klimaschutz: Stroh benötigt in der Herstellung weniger Energie als jeder andere Dämmstoff, erreicht mit seinen hervorragenden Dämm-Eigenschaften sogar Passivhaus-Standard und speichert CO2 in der Wand, anstatt es an die Atmosphäre abzugeben. So können mit der Errichtung eines einzigen mit Stroh gedämmten Hauses bis zu 60 Tonnen klimaschädliche CO2-Emissionen in der Atmosphäre eingespart werden, was umgerechnet 400.000 Kilometern Autofahren entspricht.

Eine ernstzunehmende Alternative

Auch die Baukosten lassen sich mit der Dämmung mit Stroh senken. Bei einem Preis von etwa drei Euro pro Strohballen kann man so für den Bau eines Einfamilienhauses, im Vergleich zu etwa Hanf oder Mineralwolle, bis zu 10.000 Euro an Materialkosten sparen. Das Einbauen ist ebenso unkompliziert: Bei richtiger Anleitung lassen sich die Strohballen mit einfachen Handgriffen auch ohne spezielle Fachkenntnisse korrekt einsetzen. Weil Getreide hierzulande in nahezu jeder Region angebaut wird, sind die Transportwege von Strohballen zudem meist kurz und günstig.

Am Ende von Heidi Snels Reise durch die Strohballenbau-Landschaft ist klar: Stroh als Dämmstoff ist zu einer ernstzunehmenden Alternative geworden und wird zukünftig eine immer größere Rolle in der Baubranche spielen. Deshalb möchte die IKEA Stiftung mit ihrer Unterstützung dabei helfen, diesen Baustoff über den Kreis der Fachleute hinaus bekannt zu machen. 

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/ikea-stiftung-ist-stroh-der-stein-der-weisen