Lebensmittel­verschwendung: Genießen statt Wegschmeißen macht „Restlos glücklich“

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Lebensmittelverschwendung ist ein Problem, das zahlreiche Unternehmen, Aktivisten und Organisationen nicht mehr länger auf die leichte Schulter nehmen wollen. Der WWF forderte 2015 mit einer Petition die Bundesregierung auf, endlich eine Strategie gegen Lebensmittelverschwendung zu entwickeln. Das engagierte Team von „Restlos Glücklich“ rettet aussortiertes Gemüse und will erstmals in Deutschland zeigen, dass ein Restaurant mit „Reste à la Carte“-Menüs erfolgreich sein kann. Die Welthungerhilfe lud vergangenen Sommer zum Essensretter-Brunch ein. Und IKEA hat sich im Rahmen der Kampagne „Reinbeißen statt Wegschmeißen“ zum Ziel gesetzt, die Speiseabfälle in den Einrichtungshäusern bis Ende 2017 um 50% zu reduzieren. Lebensmittelverschwendung ist also ein wichtiges und aktuelles Thema, das wortwörtlich in aller Munde ist. Aber wie viel landet eigentlich auf dem Müll? Warum ist das ein Problem? Und was können Unternehmen und Verbraucher dagegen tun? 

Salat Zubereiten Bildnachweis: Death to Stock Photo Gewuerze Im Moerser Bildnachweis: Death to Stock Photo Anette Keuchel Und Simone Hubben Restlos Glcklich Anette Keuchel und Simone Hubben von „Restlos Glücklich“ (Bildnachweis: Karen Liller) So Lecker Ist Gerettetes Essen Restlos Glcklich So lecker können gerettete Lebensmittel sein: Gebratene Bohnenpatties mit buntem Pfannengemüse in Tomatensoße, dazu Bulgur, Kartoffelecken und kleiner Salat (Bildnachweis: Restlos Glücklich Berlin)

Unsinniger Schönheitswahn im Gemüsebeet

Wer selbst einen Gemüsegarten hat kennt und mag sie: die zweibeinige Möhre, die krumme Gurke und den riesigen Zucchino. Aber warum sieht man unförmiges Obst und Gemüse eigentlich nie im Supermarkt? Schuld daran sind Vermarktungsnormen und Schönheitsstandards des Handels. Sie zwingen Bauern dazu, etwa ein Fünftel ihrer Ernte einfach wegzuschmeißen, an Tiere zu verfüttern oder gar nicht erst zu ernten, sondern wieder unterzupflügen.

Aber Vermarktungsnormen sind nur ein Grund, warum jährlich 18 Millionen Tonnen Lebensmittel in Deutschland auf dem Müll landen. Ein weiterer großer Teil der Lebensmittel wird nach dem Transport, der Lagerung und beim Großverbraucher vernichtet. Und jetzt wird es unbequem: Für fast 40 % der verschwendeten Lebensmittel sind wir verantwortlich, die Endverbraucher. In deutschen Küchen werden jährlich fast 10 Mio. t Lebensmittel weggeworfen – die Hälfte davon völlig ohne Grund. Denn laut WWF-Studie „Das große Wegschmeißen“ sind 5 Mio. t davon noch ohne Bedenken und mit Genuss essbar.
 

Ist Lebensmittelverschwendung denn wirklich ein so großes Problem?

Allerdings. Unter anderem weil Anbau, Verarbeitung und Transport von Lebensmitteln klimaschädliche Treibhausgase verursachen und Böden, Luft und Grundwasser belasten. Eine Menge Wasser, Energie und Arbeit wird benötigt, damit etwas wächst und gedeiht. Landet das produzierte Lebensmittel dann nicht im Magen, sondern im Müll, wurden all diese Ressourcen umsonst eingesetzt. Doch nicht zuletzt ist Lebensmittelverschwendung deshalb ein Problem, weil auf der Welt über 795 Millionen Menschen hungern. Gleichzeitig ist in Deutschland vielen Verbrauchern das Bewusstsein für den Wert von Lebensmitteln abhanden gekommen. Das liegt einerseits am niedrigen Preis aber auch an dem Gefühl, Nahrungsmittel seien im Überfluss vorhanden. Wie können wir da den Wert von Lebensmitteln überhaupt wieder schätzen lernen?

Gefragt sind gute Ideen, Kreativität und Aufklärung

Jeder von uns kann etwas gegen die sinnlose Verschwendung von Lebensmitteln tun. Oft führen schon kleine Ideen zu einer großen Veränderung. So können Kunden mit kleinem Hunger viele Speisen im IKEA Restaurant jetzt als halbe Portion zum halben Preis bestellen. So bleibt nichts mehr übrig, was weggeworfen werden muss. Die Welthungerhilfe hat gleich 10 tolle Tipps gegen Lebensmittelverschwendung, wie zum Beispiel Restepartys veranstalten oder Lebensmittelverschenk-Plattformen nutzen. Die Initiative „Zu gut für die Tonne!“ entwirft Rezepte für Reste und das Team von „Restlos Glücklich“ will mit Kochkursen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zeigen, wie lecker und sinnvoll Resteverwertung sein kann.

Lust auf ein „Reste à la Carte“-Menü?

Die Kochkurse und Workshops von „Restlos Glücklich“ sollen schon bald im eigenen Restaurant in Berlin-Neukölln stattfinden, das gerade den Testbetrieb aufgenommen hat. Mitgründerin Anette Keuchel stieß 2014 auf einen Zeitungsartikel über ein Non-Profit-Restaurant in Kopenhagen, in dem vorwiegend mit geretteten Lebensmitteln gekocht wird. Sofort begeistert reiste sie daraufhin nach Dänemark, traf sich mit den Gründern und wird nun gemeinsam mit einigen Freunden das Konzept auch in Berlin umsetzen. 

Das Team von „Restlos Glücklich“ will das Berliner Publikum um eine positive Erfahrung reicher machen: Gerettetes Essen, das normalerweise aussortiert worden wäre, schmeckt nämlich richtig lecker. Die Workshops sollen vor allem sensibilisieren und Augen öffnen „Uns ist oft nicht bewusst, WAS für Lebensmittel jeden Tag weggeworfen werden. Wenn man sich aber erst mal mit dem Thema beschäftigt wird einem schnell klar, dass Tee nicht weniger aromatisch schmeckt, nur weil die Verpackung falsch etikettiert wurde oder Joghurt nicht automatisch schlecht ist, nur weil da ein bestimmtes Datum drauf steht. Wer gut informiert ist, kann viele Sachen im Alltag ändern,“ ist Simone Hubben von „Restlos Glücklich“ überzeugt. „Wir wollen die Menschen auch darüber informieren, wie wichtig es ist, regionale Ware zu kaufen. Denn je länger die Lieferkette, desto größer der Ausschuss, der weggeworfen wird.“

Die Idee des „Restlos Glücklich“-Restaurants hat schon jetzt viele Fans: Startkapital wurde über eine Crowdfunding-Kampagne gesammelt, das Social Impact Lab vergab ein Stipendium an die Gründer, zahlreiche ehrenamtliche Helfer packen mit an und Partner wie denn’s Biomarkt stellen die nötigen Lebensmittel zur Verfügung. Nach dem Testbetrieb soll das Restaurant in Berlin-Neukölln Ende Juni eröffnet werden. Viel Erfolg!

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/lebensmittelverschwendung-geniessen-statt-wegschmeissen-macht-restlos-gluecklich