Leidenschaft als Kreativtreibstoff

Wie weit kommt man mit einem Rad? Unendlich weit, würde der Designer und Fahrradenthusiast Oskar Juhlin sicher sagen. Mit entsprechender Formgebung und wirkungsvollen Extras kann ein Fahrrad den landläufigen Transportbedarf erfüllen. Und als zuverlässiges Fahrzeug den Alltag deutlich vereinfachen. Davon sind wir beim Entwurf des SLADDA Fahrrads ausgegangen.

Ikea Sladda V01 Ikea Sladda V02

Rovaniemi/Finnland, Februar 2014

Dunkelheit hat sich über die stille arktische Landschaft gebreitet. Die Temperatur ist auf -15 °C gesunken. Nach 7,5 Stunden Rad fahren im tiefen Schnee hält ein hungriger und durstiger Oskar Juhlin an. Sein Mountainbike ('Fatbike') ist mit besonders dicken Reifen versehen, die so ausgerüstet sind, dass sie im Schnee und auf Harsch gleichermaßen gut rollen. Aber auf dem letzten Teil der Strecke war der Schnee so tief und weich, dass er absteigen und sein Fahrrad ziehen musste. Da er nicht sicher ist, ob die Batterien der Fahrradscheinwerfer durchhalten, stellt er die Beleuchtung auf die niedrigste Stufe ein. Die Sicht beträgt max. 5 Meter. Oskar öffnet die Lenkertasche und will sich gerade ein Schinkenbrot herausnehmen, als er den intensiven Geruch von nassem Pelz wahrnimmt. Ist es ein Elch? Ein Bär? Das Schinkenbrot bleibt wo es ist und Oskar radelt weiter. In diesem Augenblick ist er vermutlich der schnellste Radler im 'Rovaniemi 150', einem der härtesten Radrennen der Welt. Und ja - Oskar kommt ins Ziel. Nach 19 Stunden Rad fahren.

Auf 2 Rädern um Kopenhagen

Eine andere Radtour unternahm Oskar im Jahr zuvor im sonnig-vorsommerlichen Kopenhagen. In dieser städtischen Umgebung kommt die Bedrohung eher von genervten Autofahrern als von hungrigen Bären. Drei Tage lang begleitete Oskar in Rahmen eines Workshops einen einheimischen Radler, der alle seine Transporte auf zwei Rädern erledigt. Ein echter Künstler, der alles von Kindern über Kunstwerke bis hin zu Lebensmitteleinkäufen quer durch die Stadt auf seinem Fahrrad transportiert und dabei hohe Anforderungen an Sicherheit und Funktion stellt. Ein anderer Teilnehmer des Workshops war Per Stigenius, Produktentwickler bei IKEA. "Wir trafen während dieser Tage Menschen, die uns inspirierten und es wurde uns klar, dass ein Fahrrad mit dem richtigen Zubehör eine echte Alternative zum Auto sein kann." Während Per und Oskar versuchten, mit dem ortsansässigen Radler Schritt zu halten, hatten sie gleichzeitig die Gelegenheit, sich stundenlang über das Radfahren auszutauschen. "Mir wurde schnell klar, dass Oskar ein umfangreiches Wissen auf diesem Gebiet hat. Es gab keine Frage oder Überlegung, auf die er keine Antwort hatte. Zu all dem stellte sich noch heraus, dass er Industriedesigner ist!", sagt Per und lacht.

Vom Schrottfahrrad zum Stadttransporter

Schon vor über 20 Jahren entwarf Oskar sein erstes Fahrrad – ein Transportrad für Briefträger. Es war seine Examensarbeit auf der Designhochschule. „Ich radelte jeden Tag zur Schule und sah, wie die Briefträger sich im Gegenwind und auf hartgefrorenem Schnee voran kämpften. Die Fahrräder stürzten um und die Briefe flogen in alle Himmelsrichtungen. Da entwarf ich ein stabiles Dreirad, das sich fuhr wie ein normales Zweirad.“ Im Laufe der Zeit baute er eine Reihe verschiedener Modelle. Ein Fahrrad entstand aus Schrott – es bekam den Namen 'Recycle'. Ein anderes Modell war ein bequemes Liegerad, mit dem er bis nach Amsterdam fuhr. "Nicht alle Räder waren wirklich gut, aber ich habe beim Bau eines jeden viel gelernt." Als Per Stigenius kurz nach dem Workshop in Kopenhagen Hilfe bei der Entwicklung eines Fahrrads für IKEA brauchte, lag es auf der Hand, dass er sich an Oskar und dessen Designerkollegen wendete. "Es waren drei Designer mit genau dem Fachwissen und der Erfahrung, die man braucht, um ungehindert in neuen Bahnen denken zu können. Denn bei diesem Auftrag ging es nicht darum, den Markt mit einem weiteren Fahrrad zu beglücken sondern darum, ein Transportsystem auf zwei Rädern zu ersinnen, das für den Stadtverkehr geeignet ist."

Werkstattarbeit

Die Zeichnungen im CAD-Programm nahmen Form an und in der Kellerwerkstatt des Designbüros wurde der eine Prototyp nach dem anderen zurechtgesägt und -geschweißt. Die Ansprüche und Erwartungen waren hoch. Wie fabriziert man ein Fahrrad, dass so wenig Wartung wie nur möglich erfordert und dabei doch einfach rollt, Tag für Tag? Ein Rad, das sich für Frauen und Männer eignet? Ein wichtiger Teil im fortschreitenden Prozess war es, dass jeder Prototyp von Testpersonen 'probegeradelt' wurde: Wie fährt es sich? Wie belädt man es am besten? Während das SLADDA Fahrrad seine endgültige Form annahm, arbeitete man parallel mit Zubehör wie Fahrradtaschen, Anhängern und Körben. Funktionelle Lösungen für den Bedarf, der sich unter anderem während der Tage im Verkehr von Kopenhagen herauskristallisiert hatte.

Das Rad, das nie fertig wird

Wenn Oskar und Per jetzt das fertige SLADDA Rad Probe fahren, sind sie mit dem reinen Fahrgefühl sehr zufrieden. Aber sie finden, dass für den Benutzer letztendlich das Zubehör den Ausschlag gibt. Denn damit kann jeder Benutzer die Funktionen des Fahrrads ganz seinem eigenen Bedarf anpassen. "Man kann SLADDA mit einem Tablet vergleichen - und das Zubehör bildet die dazu nötigen Apps", erklärt Oskar. Per stimmt zu und berichtet, dass das Zubehör im Takt mit dem entstehenden Bedarf entwickelt wird. "Ich glaube nicht, dass SLADDA jemals ganz fertig sein wird. Wir haben eine gute Grundlage geschaffen und ich hoffe auf eine Zusammenarbeit mit unseren Kunden, wenn sie im Lauf der Zeit ihre eigenen pfiffigen Zubehörideen einfließen lassen. In fünf Jahren gibt es vielleicht Funktionen, an die heute keiner von uns auch nur denkt." Herausforderungen auf zwei Rädern locken Oskar nach wie vor. Wer weiß, vielleicht wird ein Radrennen in der Stadt das nächste große Abenteuer? Mit einem SLADDA!

Der NDR und Reporter Sven Trösch haben das SLADDA Rad schon einem Praxistest unterzogen. Anschauen könnt ihr euch das Video hier oder ein Stückchen weiter unten.

SLADDA ist ab dem 15. August 2016 online bestellbar und steht in vielen IKEA Einrichtungshäusern zum Anschauen bereit.

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/leidenschaft-als-kreativtreibstoff