Lucia, die Bringerin des Lichts

Als Weihnachtsfan habe ich mich ja bereits an anderer Stelle in diesem Blog geoutet. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass ich mich auch mit schwedischen Weihnachtstraditionen ein bisschen beschäftigt habe. Wie viele andere auch, habe ich schon als Kind den ersten Eindruck von Weihnachten in Schweden bekommen, denn ich bin mit den Geschichten von Astrid Lindgren aufgewachsen und habe es geliebt, sie zu lesen und die Filme zu schauen. 1985 (ich war 8 Jahre alt) bekam ich von meiner Tante das Buch „Pelle zieht aus und andere Weihnachtsgeschichten“ geschenkt. Ich habe es schon als Kind geliebt zu lesen, wie Pippi Langstrumpf, Lotta aus der Krachmacherstraße und die Kinder aus Bullerbü Weihnachten verbringen und ich greife auch heute noch gerne an einem grauen Tag, wenn ich gemütlich im Sessel sitze, zu dem Buch und lese die bekannten Geschichten.

Px102730

Es gibt viele Traditionen rund um Weihnachten in Schweden, manche finden wir auch in Deutschland (zum Beispiel, dass in beiden Ländern viel gebacken und eindeutig zu viel gegessen wird), andere sind für uns eher ungewöhnlich (zum Beispiel der 13. Januar – Knut – an dem unsere schwedischen Freunde ihre Weihnachtsbäume aus den Fenstern werfen). Während bei uns in Deutschland der Nikolaustag am 6. Dezember eine feste Einrichtung ist, ist in Schweden der 13. Dezember, das Luciafest, der wichtigste vorweihnachtliche Termin. Es ist der Gedenktag der heiligen Lucia von Syrakus, die von 283 bis 304 n. Chr. in Italien lebte und als Märtyrerin starb. In Schweden ist das Luciafest eine Feier des Lichts in der dunklen Jahreszeit (und die ist in Schweden wirklich sehr dunkel) und fällt auf den Tag der Wintersonnenwende. Lucia trägt ein weißes Gewand mit einem roten Band um die Taille und eine „Lichterkrone“ mit Kerzen (heute sind es meistens elektrische Kerzen, denn das herunterlaufende Wachs hat schon bei vielen Lucias die blonden Haare unrettbar verklebt). Sie ist damit die Bringerin des Lichts und kommt mit einem Gefolge, bestehend aus Mädchen (tärnor) im gleichen Gewand, die eine Kerze in der Hand tragen und Jungs (stjärngossar) in ebenfalls weißen Gewändern, die einen Stern tragen. Dazu kommen manchmal noch ein paar Weihnachtswichtel (tomtar).

Pe028096

Auch wenn das Luciafest in der Tradition sehr alter Sonnenwendfeiern steht, ist der Brauch in seiner heutigen Form noch sehr jung: Ende des 19. Jahrhunderts wurde das Fest von Westschweden aus in den Rest des Landes „exportiert“ und als 1927 die Stockholmer Zeitung „Stockholms Dagblad“/“Stockholms Tidningen“ eine Lucia-Königin wählten war die moderne Form geboren. Wie die heilige Lucia von Syrakus genau den Weg von Italien nach Schweden gefunden hat, ist übrigens bis heute nicht genau geklärt.

Traditionsgemäß zieht die Prozession durch Kindergärten, Schulen, Altenheime und Firmen und singt dort Lieder, das bekannteste darunter ist „Santa Lucia“, das man sowohl in Schweden wie auch in Italien in der jeweiligen Landessprache singt. Zum Luciafest gehören außerdem noch Saffrangebäck (lussekatter/lussebullar) und schwedischer Glühwein (glögg) mit Mandeln und Rosinen.

Auch bei IKEA feiern wir in den meisten Einrichtungshäusern das Luciafest mit Mitarbeitern und Kunden, mal kommt Lucia alleine und mal bringt sie ihr Gefolge und manchmal sogar einen Chor mit. In den Büros ist es völlig normal, dass alle bei der Ankunft der Lucia ihre Arbeit unterbrechen, um an der Luciafeier teilzunehmen. Selbst wenn viele Menschen zusammenkommen, kann man eine Stecknadel fallen hören, wenn Lucia ihren Auftritt hat, denn es ist ein ganz besonderer Moment der Stille und Andacht, der dann in einer fika mit lussekatter und glögg (meistens alkohlfrei) endet.

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/lucia-die-bringerin-des-lichts