Miteinander statt nebeneinander her – soziale Kooperationen von IKEA in Indien

Ich treffe Sarah Fager, Designerin bei IKEA und Dipti, Program Manager bei dem Sozialunternehmen Rangsutra in Indien, auf den Democratic Design Days in Älmhult. Unser Gespräch dreht sich um Chancen für Frauen, indisches Handwerk und Kooperationen. Die beiden Frauen erzählen begeistert von ihrer Arbeit mit und bei IKEA.

Ikea Dipti Und Sarah Dipti von Rangsutra und Sarah Fager von IKEA (Bildnachweis: Adel&Link) Ikea Korb Aus Bananenstaudenfasern Bildnachweis: Adel&Link Ikea Indisches Handwerk 2 Bildnachweis: Adel&Link

Marisa: Sarah, was ist dein Job hier bei IKEA und worin besteht deine Arbeit?

Sarah: Ich arbeite als In-House Designerin bei IKEA in Älmhult, wo das Design Center steht. Studiert habe ich Möbel-Design in Stockholm und bin schon fast 10 Jahre bei IKEA. Meine Hauptaufgaben sind Skizzieren und Zeichnen. Ich entwickle Prototypen und arbeite mit Anbietern und Lieferanten zusammen, um unsere Produkte zu entwickeln – so kam ich auch mit Rangsutra in Kontakt. Dafür reise ich um die Welt, verbringe aber auch viel Zeit hier in Älmhult.

Marisa: Für mich ist es der erste Besuch in Schweden und bei IKEA. Dipti, wie ist es bei dir und was ist deine Aufgabe bei Rangsutra?

Dipti: Ich bin auch das erste Mal in Schweden und nehme erstmals an den Democratic Design Days teil. Was mich bisher am meisten beeindruckt, ist das Gefühl des Miteinanders. Alle arbeiten Hand in Hand – das ist fantastisch. Dabei bin ich erst ein paar Tage hier! Die Kommunikation, die Planung: Indien kann noch eine Menge von IKEA lernen (lacht). Zwar gibt es bisher leider noch kein IKEA-Möbelhaus in Indien, aber ich freue mich schon, wenn die ersten Häuser eröffnen. Geplant ist es ja bereits. Bei Rangsutra arbeite ich als Program Manager. Eines meiner Ziele ist es, dass Frauen durch ihr Handwerk selbstständig arbeiten und ihre Familie unterstützen können. Dadurch haben wiederum ihre Kinder die Chance, eine gute Schulbildung zu erhalten.

Marisa: Sarah, du warst erst kürzlich in Indien, um dir die Arbeit der Sozialunternehmen vor Ort anzusehen. Wie war das für dich?

Sarah: Meine Arbeit bei IKEA ist sehr vielseitig. Seit rund einem Jahr begleite ich dieses soziale Projekt – das ist eine tolle Erfahrung. IKEA selbst arbeitet schon lange mit Sozialunternehmen in Indien zusammen. Gemeinsam haben wir vier Kollektionen entwickelt, die ich als Designerin begleite und die Mitarbeiterinnen in Indien handwerklich umsetzen. Man könnte sagen: Ich repräsentiere den IKEA-Kunden und zeige, wie ich mir das Design vorstelle. Und die Frauen in Indien interpretieren dies dann, denn sie müssen in der Lage sein, das Design mit ihrem erlernten Handwerk realisieren zu können. Gleichzeitig muss das Interesse unserer Kunden an den Produkten geweckt werden. Wir bringen jedes Jahr neue Produkte dieser Initiative auf den Markt, was ich persönlich spannend und bewundernswert finde.

Marisa: Und wie lange besteht diese Kooperation bereits?

Dipti: Dieses Projekt besteht seit drei Jahren, aber bereits seit 2010 unterstützt IKEA Projekte des Economic Department of Women in Indien. Die Projekte unterstützen und helfen Frauen – sozial und wirtschaftlich. Sie starteten damit in Uttar Pradesh, um Frauen aus ländlichen Gebieten eine Verdienstmöglichkeit zu geben. Diese Frauen haben wirklich Courage und wollen ihr Leben selbstständig gestalten.

Sarah: Ich arbeite gerade an zwei Kollektionen mit Rangsutra und Industree PT, einem anderen Sozialunternehmen in Indien, mit dem wir kooperieren. Wir schicken uns Modelle hin und her, diskutieren Farben und Designs. Das ist eine sehr inspirierende Arbeit. Ich freue mich, dass die Produkte des Projekts bald schon erscheinen werden.

Marisa: Das sind wirklich schöne Projekte – wie viele Frauen von Rangsutra arbeiten für IKEA?

Dipti: Allein für diese Initiative arbeiten 900 Frauen. Wir sind hauptsächlich in den nördlichen Bundestaaten Uttar Pradesh (300 Frauen) und Rajasthan (400 Frauen) aktiv. Insgesamt beschäftigt Rangsutra 3000 Frauen und auch Männer. Allerdings sind 80 Prozent Frauen, denn auf sie ist unser Unternehmen spezialisiert. Ich habe selbst erlebt, dass es für Frauen oft schwierig ist, einen eigenen Beruf zu ergreifen und selbstständig zu sein. 

Sarah: Und das ist nur eine unserer Kooperationen in Indien. Doch nicht nur dort, auch in anderen Teilen der Welt fördern wir soziale Initiativen. Wie z.B. in Rumänien, Dänemark oder den USA. Manchmal helfen wir nur bei bestimmten Arbeiten, wie der Logistik oder Kommunikation. Wir wollen erkennen, welche Fähigkeiten die Menschen haben und sie dann dabei unterstützen, diese zu entwickeln.

Marisa: Wie kommt es zu solchen Kooperationen und was ziehst du selbst daraus?

Sarah: Zunächst möchten wir soziale Projekte unterstützen. Darüber hinaus inspirieren uns die Arbeit der Menschen vor Ort und ihre handwerklichen Fähigkeiten. Es war für mich eine tolle Erfahrung nach Indien zu reisen und das Land zu sehen. Die Farben, Gerüche, die Hitze und das Essen in Indien haben mich fasziniert. Es ist spannend, Teil von etwas zu sein, dass Menschen hilft ein besseres Leben zu führen.

Marisa: Was ist das Besondere für Rangsutra und dich an der Zusammenarbeit mit IKEA?

Dipti: Von Anfang an begeistert haben mich die Design-Prozesse und die Methoden, die sie mit uns geteilt haben. IKEA und seine Mitarbeiter sitzen nicht nur in ihren Büros und überlegen, wie wir zusammenarbeiten könnten. Sie kommen in unser Land und erarbeiten die Produkte mit uns zusammen. Vom ersten Tag an wurden zum Beispiel Design-Workshops in Indien veranstaltet, in denen die Frauen ihre Fähigkeiten verbessern und Neues lernen können. Was natürlich auch toll ist: Ich habe noch nie eine so große Organisation gesehen wie IKEA. Zwar habe ich in Schottland studiert, aber so etwas wie hier in Älmhult habe ich noch nie erlebt – überall ist IKEA (lacht).

Marisa: Wie findet ihr neue MitarbeiterInnen? Kennen die Menschen in Indien IKEA?

Dipti: Dort, wo IKEA bereits Projekte betreut, kennen viele Menschen IKEA, in anderen Gebieten eher weniger. Indien ist einer der größten Märkte und ich glaube, dass Inder flexibel und feinfühlig sind. Ich denke, dass es für IKEA leicht wird in Indien Fuß zu fassen. Wir warten auf IKEA in Indien!

Im Rahmen eines kleinen Presse-Events in Berlin, haben am 16. Juni 2016 Dipti, Sarah Fager und Ann-Sofie Gunnarson, Communication Manager IKEA of Sweden, die neue Kollektion KRYDDAD präsentiert. Sie ist ab dem 1. Juli exklusiv in den vier Berliner Einrichtungshäusern erhältlich. Dies ist bereits die fünfte limitierte Kollektion, die in Kooperation von IKEA und Sozialunternehmen entstanden ist. Diese Kollektion ist geprägt von Textilien und  Aufbewahrungsutensilien aus natürlichen Materialien.