Circular IKEA – Nachhaltig produzieren und wirtschaften

Bei dem folgenden Interview mit Ulf Wenzig, Sustainability Manager IKEA Deutschland, geht es um zukunftsweisende Projekte und Ideen im Bereich Nachhaltigkeit, wie zum Beispiel das Projekt „Circular IKEA“, dass sich mit dem „Circle of Economy“ beschäftigt.

Ulf Wenzig Presse

Worum handelt es sich bei dem Projekt „Circular IKEA“?

Ulf: Bei Circular IKEA geht es uns vor allem um die Lebenszeitverlängerung von Produkten und um die Kreislaufführung von Rohstoffen, letzteres beschäftigt uns zur Zeit am meisten. Wir wollen uns von Rohstoffen unabhängiger machen und suchen kontinuierlich nach Wegen, wie wir es schaffen, unsere eigenen Produkte aus sogenannten Sekundärrohstoffen herzustellen. Für diese Strategie ist „Circular IKEA“ der Dreh- und Angelpunkt.

Habt ihr denn schon Ideen oder alternative Wege gefunden?

Ulf: Eine Möglichkeit ist, neue Materialien zu nutzen. So forschen wir intensiv in unterschiedlichen Bereichen und versuchen z.B. biobasierte Werkstoffe herzustellen. Im Bereich der Sekundärrohstoffe überlegen wir, wie wir diese als Rohstoff zurückgewinnen können. Gerade in den Einrichtungshäusern fällt viel Folie, Kunststoff und Kartonage an, die nicht genutzt weiter werden. Auch Produkte, die zurückgegeben werden und nicht mehr in der Fundgrube verkauft werden können, werden häufig noch in die Verwertung gegeben. Das ist leider die Realität. Und es stört mich sehr, dass wir aktuell noch in weiten Teilen für die Entsorgung dieser Rohstoffe, denn das sind sie ja, Geld an einen Entsorgungsdienstleister zahlen. Das wollen und müssen wir ändern.

Gibt es Möglichkeiten, diese Materialien wiederzuverwerten?

Ulf: Natürlich ist es absurd, dass wir diese Rohstoffe auf der einen Seite entsorgen und an anderer Stelle wieder für die Produktion einkaufen. Daher überlegen und testen wir, wie wir die Überbleibsel in unsere eigene Wertschöpfungskette wieder einschleusen können.

Wie könnte das aussehen?

Ulf: Für ein Pilotprojekt im IKEA Einrichtungshaus in Koblenz haben wir im letzten Jahr Pflanzentrays zu einem kunststoffverarbeitendem Unternehmen geschickt, um daraus Kunststoff-Pellets herstellen zu lassen. Bisher landeten diese Plastikschalen einfach in der Müllpresse. Das war gleich in zweifacher Hinsicht ärgerlich, erstens weil die Entsorgung wieder Geld kostet und zweitens, ein wertvoller Rohstoff einfach weggeworfen wurde. Das Unternehmen hat die auf diese Weise gewonnen Pellets an einen Hersteller geschickt, der wiederum daraus eine Schreibtischunterlage für uns hergestellt hat. SKRUTT ist das Ergebnis dieser Kooperation und der Beweis: Unser Grundgedanke funktioniert!

Kann man denn nicht versuchen, generell auf Kunststoff zu verzichten?

Ulf: So schlecht wie sein Ruf ist Kunststoff gar nicht. Genauso wie Glas und Metall kann man Plastik theoretisch immer und immer wieder verwenden. Papier hingegen ist nur 5-7 Mal recycelbar. Trotzdem ist es natürlich richtig, dass 95 % des weltweiten Plastiks aus Öl hergestellt wird, und dieser Rohstoff eindeutig zu schade für Plastiktüten ist. Dazu kommt die hohe Verschmutzung der Meere. Das Schlimmste sind nicht mal die großen Plastikstrudel, die man theoretisch einfach abfischen könnte, sondern die Mikropartikel, die die Fische aufnehmen und die so in unsere Nahrungskette gelangen.

Das klingt schrecklich! Gibt es denn Alternativen zu Plastik?

Ulf: Es gibt bereits Plastik aus Recyclingmaterial, aber noch viel zu wenig. Daher hat sich IKEA zum Ziel gesetzt bis 2020 keine fossilbasierten Kunststoffe mehr aus Erdöl zu verwenden. Stattdessen setzten wir auf Recyclingmaterial und Bio-Rohstoffe, die wir selber herstellen können und die biologisch abbaubar sind.

Ikea Circular

Wie genau werden alle diese „Circular IKEA“ Projekte ins Leben gerufen?

Ulf: Ein großes Projektteam in Schweden steuert die Themen und schiebt sie an. So gibt es zum Beispiel Fachgremien für „Neue Geschäftsmodelle“, „Neue Materialien“ oder „Kreislaufwirtschaft“. Und diese Teams arbeiten dann mit Fachleuten und Praktikern in verschiedenen IKEA Ländern zusammen. Wir alle haben ein großes Ziel, und darauf müssen wir gemeinsam hinarbeiten und sehen: Was funktioniert und sieht erfolgsversprechend aus?

Gibt es erste Beispiele für erfolgsversprechende Projekte?

Ulf: In Frankreich und Belgien gibt es mittlerweile schon zahlreiche Angebote für die Lebenszeitverlängerung von Produkten. Hier zeigen wir in Kursen unseren Kunden, wie sie Möbel richtig reparieren oder verschönern können, wenn sie ihnen nicht mehr gefallen. In diesen Ländern gibt es zudem das Angebot, gebrauchte IKEA Möbel zum Einrichtungshaus zurückzubringen, wo sie anschließend in der Fundgrube zu einen sehr günstigen Preis wieder verkauft werden. Den Erlös erhält der Kunde. Und das sind nur ein paar Projekte, von denen es noch viele mehr in einzelnen Ländern gibt. 

In welche Richtung gehen eure Gedanken für zukünftige Projekten?

Ulf: In die gleiche Richtung: Wir werden natürlich wie bisher neue Produkte verkaufen, aber künftig eben auch jene Menschen ansprechen, die einen Gegenstand gerne länger verwenden, ihn verleihen oder weitergeben möchten. IKEA will auch für diese Menschen da sein. Wenn man so will, erschließen wir damit einen neuen Kundenstamm. Jetzt gilt es, neuen Ideen einzufangen, denn davon hat jeder von uns genug am Tag! Wir versuchen auf vielen Wegen, kreatives Potenzial freizusetzen. Ganz frisch zum Beispiel mit einer Aktion hier in Deutschland, die sich über mehrere Tage erstreckte. An diesem sogenannten „Creativity Boost“ nahmen kürzlich rund 300 Mitarbeiter teil. Natürlich passiert das nicht immer in so großen Events, denn eigentlich, und das ist ja das Schöne bei IKEA, hat jeder jederzeit die Möglichkeit, kreativ zu sein.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/nachhaltig-wirtschaften