Schweden Revisited 1996-2016

Blick in den Himmel bei Fjärdhundra am 13. August 2016 auf der Strasse Mostavägen in der Provinz Uppsala län, Schweden / Christoph Rau

Ende Mai erhielten wir bei IKEA Deutschland eine E-Mail mit dem spannenden Betreff „Schweden Revisited 1996 – 2016“. Ihr Absender, der Darmstädter Fotograf Christoph Rau, warb damit um Unterstützer für sein Crowdfunding-Projekt: Er wollte eine Reise, die er vor 20 Jahren nach Schweden unternommen hatte, wiederholen. Und das mit einer Ausstattung, die ziemlich „retro“ sein sollte: ein Volvo Kombi älteren Baujahrs, eine analoge Hasselblad-Kamera, Landkarten und Musik-Kassetten. Als Reisebegleitung sein Sohn, der bei der ersten Reise noch gar nicht geboren war. Aus dem neuen und dem alten Bildmaterial soll ein Fotobuch entstehen: "Schweden Revisited 1996 + 2016"

Weil wir bei IKEA natürlich eine besondere Affinität zu Schweden haben hat uns die Idee sofort gut gefallen. Und als Christoph Rau dann auch noch ganz spontan auf unseren Vorschlag einging, einen Abstecher nach Älmhult, dem Geburtsort von IKEA, zu machen, fiel uns die Entscheidung ihn zu unterstützen leicht. Wenn das Ergebnis seiner Arbeit, das geplante Fotobuch, fertig ist, werden wir hier einige Exemplare unter allen Schweden-Fans verlosen.

Hier findet ihr erste Reiseeindrücke von Christoph Rau – wir freuen uns schon auf mehr!

Selbstportrait auf der Veranda, Horndal (Schweden), 11. August 1996 Selbstportrait auf der Veranda, Horndal (Schweden), 11. August 1996 / Christoph Rau

Schweden Revisited 1996 / 2016 – Eine analoge Reise durch Schweden

von Christoph Rau

Die Idee

1996 fuhr ich mit meiner Frau in einem alten Mercedes zu einer Taufe nach Schweden. In einer Zeit, in der es noch keine digitalen Kameras, keine Navigationsgeräte, keine Handys gab, statt dessen Landkarten und Musik-Kassetten. 2014 vermachte mir die Familie meiner verstorbenen Fotografen-Kollegin Renate Gruber deren analoge Kamera-Ausrüstung, eine in Schweden hergestellte Hasselblad-Kamera. Eine Freundin hatte die Idee, mit dieser Kamera und in einem Volvo erneut nach Schweden zu reisen. So entstand mein Crowdfunding-Projekt „Schweden Revisited 1996 / 2016“: Mit einem alten Volvo, einer Hasselblad-Ausrüstung, Landkarten und Musik-Kassetten „Old School“ nach Schweden zu fahren und wieder analog zu fotografieren. Aus den alten und den neuen Fotos soll ein Fotobuch entstehen.

Ikea Museum Almhult Schweden 9  August 2016 IKEA Museum Almhult, Schweden, 9. August 2016 / Christoph Rau Grosser Ikea Inbus Schlüssel Almhult Schweden 9  August 2016 Grosser IKEA Inbus Schlüssel, Almhult, Schweden, 9. August 2016 / Christoph Rau

Die Reise

Die Reise von 1996 und die Fotos von damals waren die Blaupause, mit der ich die neue Reise plante. Das Ziel war also wieder Horndal in der schwedischen Provinz Dalarnas län. Von Darmstadt sind das auf direktem Weg 1.570 km in ca. 17 Stunden Fahrt. Zwei der großzügigsten Unterstützer meines Projektes waren Unternehmen mit schwedischen Wurzeln: IKEA und Volvo. Somit waren Älmhult und Göteborg anzusteuern. Die Ideengeberin zur Reise hatte mir einst Kurt Tucholskys „Schloss Gripsholm“ geschenkt, ein weiteres Reiseziel stand fest. Im Laufe des Crowdfundings bekam ich weitere Anregungen für interessante Ziele. Statt der ursprünglichen Reisegefährtin begleitete mich mein 19-jähriger Sohn Eisel.

Am 4. August waren wir reisefertig und verabschiedeten uns vor dem Autohaus Hedtke in Weiterstadt von der gesamten Belegschaft. Michael und Holger Hedtke hatten uns für die Reise den schönen Volvo 245 GL Kombi ausgeliehen. Nach einer Stippvisite in Kiel fuhren wir weiter Richtung Schweden, mit einem Fotostopp an der Fehmarnsundbrücke, in Puttgarden ging es auf die Fähre nach Dänemark und weiter über die Öresundbrücke nach Schweden. In der Nähe von Växjö hatten wir eine Einladung in ein schönes Ferienhaus am See. Und in Älmhult bekam ich von Håkan eine exklusive Führung durch das neu eröffnete IKEA-Museum und entdecke am Rande der Stadt ein großes Denkmal des berühmten IKEA-Inbusschlüssels. Aber auf meine Frage, ob es möglich wäre, Ingvar Kamprad zu portraitieren, konnte mir zunächst niemand weiterhelfen. Ich wusste aus der Zeitung, dass Kamprad wieder in Schweden lebt und hatte im Museum sein Schweizer Arbeitszimmer gesehen.

Schloss Gripsholm In Mariefred Provinz Sodermanlands Lan Schweden Am 11  August 2016 Schloss Gripsholm in Mariefred Provinz Sodermanlands Lan Schweden, 11. August 2016 / Christoph Rau Der Volvo 245 Vor Dem Ikea Store In Almhult Schweden Am 9  August 2016 Der Volvo 245 vor dem IKEA Einrichtungshaus in Almhult Schweden. Am 9. August 2016 / Christoph Rau

Unser nächstes Ziel war Mariefred. Kurt Tucholskys „Schloss Gripsholm“ steht hier und die älteste Museums-Eisenbahn Schwedens fährt ihre Runden. Auf Eisels Wunsch machten wir einen Abstecher nach Stockholm zu einer Rathausführung, einer italienischen Pizza und einem Blick aufs königliche Schloss, bevor wir weiter nach Horndal, unserem Ziel von 1996, fuhren.

Auf dem weiteren Weg nach Värmland kamen wir zufällig nach Ludvika in die Bar „Tant Selmas“, wo bei unserer Ankunft zwei hervorragende Blues-Gitarristen ihr Konzert begannen: Mojo Moon. Ein unvergesslicher Abend.

Unser nächstes Ziel war Munkfors in Värmland. Dort lebt eine ehemalige Darmstädterin, die mit ihrem Mann vor 20 Jahren nach Schweden ausgewandert war. An zwei wunderschönen, herzlichen Tagen haben wir viel über Schweden und über Deutschland geredet.

In Göteborg fotografierten wir den Volvo 245 neben dem brandneuen Volvo V90, der am 22. Oktober in Deutschland eingeführt wird. Roger Karlsson, der Werksfahrer, war von unserem Wagen so fasziniert wie wir von dem neuen Volvo. Nachmittags folgte ich einer Einladung nach Trollhättan zu einem Oldtimertreffen und bekam eine interessante Führung durch die alten Schleusenanlagen von Frau Schröder.

In Malmö waren wir bei Clay und Jenny Mark Ketter eingeladen, die ich 1996 mit Fanny, ihrem ersten Kind, fotografiert hatte. Fanny ist nun die älteste der drei Töchter, studiert Kunst und ist Schauspielerin. Im Juni war sie mit ihrem neuen Film zu Gast beim 27. Internationalen Filmfest Emden. Als ich erzählte, dass IKEA Deutschland meine Reise unterstützt, stellte sich heraus, dass Fanny Ketter eine der Hauptrollen in der norwegischen IKEA Komödie „Kill Billy“ spielt und eben diesen Film in Emden vorgestellt hat.

Nach einer weiteren Nacht in Malmö machten wir uns auf den Heimweg über die Öresundbrücke, die Fähre und die Fehmarnsundbrücke. Nach rund drei Wochen Schweden waren wir erstaunt über die Autobahn-Raserei in Deutschland – Eisel glaubt nicht, dass es wirklich alle so eilig haben können. Einmal noch übernachteten wir in der „Pension Volvo“ und am nächsten Tag waren wir nach 4.007 km Fahrt wieder in Darmstadt. Der Volvo hat seinem Namen (volvo, lat.= ich rolle) alle Ehre gemacht und außer Benzin nur eine Sicherung und einen neuen Scheibenwischer benötigt.

An Der Fehmarnsundbrucke 6  August 2016 An der Fehmarnsundbrücke, 6. August 2016 / Christoph Rau

Fazit

Am Anfang war es schwer für mich, von der Vielfalt an Kanälen, Portalen und Kommunikationssträngen, die ich täglich nutze, herunterzuschalten auf den Blick durch die Autoscheibe und die Mattscheibe der Kamera, auf die Landkarte und das Gespräch mit den Mitfahrern. Auf einem einsamen Parkplatz in Schweden ein Sandwich, einen Tee und ein Buch rausholen und im Campingstuhl lesen, das war gut.

Die restlichen Schwarz-Weiß-Filme sind mittlerweile alle entwickelt und kontaktet. Alles gut. Jetzt beginnt die Arbeit der Archivierung, Sichtung, Auswahl, des Scannens und dann geht es weiter mit der Arbeit am Buch und den anderen Dankeschöns.

Es war eine grandiose Reise und es ist wunderbar, wieder zu Hause zu sein.

Und es hat seinen Reiz, alte Reisen noch einmal zu machen. Als nächstes also Prag Revisited, Peru Revisited oder London und Wien Revisited.

Vielleicht fahre ich bald noch einmal für ein paar Tage nach Schweden. Es gibt einen neuen Kontakt zu Ingvar Kamprad, den ich gerne mit der alten Hasselblad portraitieren und ihm mein Buch schenken würde. Bei Kyrkö Mosse gibt es einen Oldtimer-Friedhof und in Malmö würde ich gerne das geplante Foto mit der Band „Royal Republic“ machen. Auf dem Rückweg dann noch das Bildarchiv von Renate Gruber bei Foto-Marburg besichtigen. Eisel würde wieder mitkommen.

“Ich mag mich nicht dem Materialismus verschachern, aber ich fühl mich wohl in einem Auto. Einfach fahren, bewegen, dahinrollen, weggleiten von einem Ort. Nicht so sehr irgendwohin, aber irgendwoweg, sich wegbewegen, schnell fahren, während man bestimmte Songs hört. Mit anderen Wagen auf der Straße sein und sich vorstellen, wer drinsitzt und wohin sie wollen.” James Simon Kunen in „Erdbeer Manifest, Notizen zur Columbia Revolte“ (Darmstadt, März Verlag, 1969)

Der Fotograf

Christoph Rau, Jahrgang 1957, arbeitet als Fotograf und Locationscout in Darmstadt und war berufenes Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Photographie. In Zusammenarbeit mit Gerd Ohlhauser arbeitet er an der Buchreihe EDITION DARMSTADT und ist dort für Fotografie, Konzeption und Marketing zuständig. Arbeiten finden Sie auf der Website des Fotografen. Einige der Fotobücher können Sie hier ansehen. Und die Website zum Fotobuch „Schweden Revisited 1996 + 2016“ finden Sie hier.

Die Kamera

Bei einer analogen Kamera wird das Bild auf einer lichtempfindlichen Emulsion belichtet, die auf einem schmalen Trägerstreifen hinten an der Kamera vorbeigeführt wird. Auf einen Film passen 12 Bilder im Format 6 x 6 cm, der dann in einer Dunkelkammer entwickelt wird. Die Kamera mit Objektiv, Sucher und Filmmagazin wiegt etwa 1 1/2 kg. Das komplette Equipment, mit weiteren Objektiven, Gehäusen, Magazinen findet in einem schweren Koffer Platz. Mit einer Hasselblad habe ich als Jugendlicher fotografieren gelernt. Lange habe ich nicht mehr damit gearbeitet und an den behäbigen, gewichtigen Umgang musste ich mich erst wieder gewöhnen. Das Fotografieren ist langsamer, ich muss vor der Aufnahme das Licht messen und danach den Film weiterdrehen. Nach 12 Fotos muss ein neuer Film eingelegt werden. Bei den ersten Testfilmen vergaß ich das Scharfstellen oder einmal einen Film einzulegen. Nach dem Fotografieren vergehen Tage, bis das Ergebnis geprüft werden kann.

Die Hasselblad wurde 1941 von dem schwedischen Ingenieur Victor Hasselblad konstruiert, der als begeisterter Hobby-Fotograf mit den damaligen Kameras unzufrieden war. Er entwickelte auf Basis eines Würfels ein Baukasten-System. An diesem „Würfel“ können vorne Objektive, oben Sucher und hinten Filmmagazine gewechselt werden. Hasselblad wurde die wichtigste Kamera für professionelle Fotografen und es war eine Hasselblad, die die ersten Menschen auf den Mond begleitete.

Haus In Almhult Schweden 9  August 2016 Haus in Almhult, Schweden, 9. August 2016 / Christoph Rau

Crowdfunding

Zum ersten Mal habe ich ein Projekt mit einer Crowdfunding-Kampagne finanziert. Mit internetbasierter „Schwarmfinanzierung“ lassen sich Projekte und Geschäftsideen ohne Banken oder Fördereinrichtungen realisieren. Neben einem Fotobuch und einer Postkartenserie habe ich meinen Unterstützern weitere „Dankeschöns“ angeboten: Foto-Shootings, einen persönlichen Reisebericht oder Namensnennung im Buch. Der Unterstützer bestellt und bezahlt ein ausgewähltes „Dankeschön“, bekommt es nach Abschluss des Projektes geliefert und finanziert damit die Realisierung des Projektes. Beim Crowdfunding gilt das Prinzip "Alles oder nichts“: Das Geld wird nur ausgezahlt, wenn das Finanzierungsziel erreicht ist - andernfalls geht das Geld an die Unterstützer zurück.

Mit IKEA und Volvo habe ich früh zwei großzügige Sponsoren gewonnen und über 50 weitere Unterstützer haben sich für meine Idee und die Dankeschöns begeistern können.

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/schweden-revisited