Was Home Staging mit Design von IKEA zu tun hat…

Seit einigen Jahren gibt es auch in Deutschland eine neue Dienstleistung: das Home Staging. Ich habe mit Tina Humburg, Home Stagerin der ersten Stunde, über ihre Arbeit gesprochen, bei der Möbel der Star sind.

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Frau Humburg, was genau macht ein Home Stager?

Tina Humburg: Home Stager sind Spezialisten, die Wohnungen und Häuser für den Verkauf aufbereiten, sie also ansprechend einrichten und dekorieren. Weil sie mit ihrer Expertise ein Zuhause für die (Verkaufs-)bühne herrichten, nennt sich das Ganze neudeutsch Home Staging (stage=Bühne). Auftraggeber sind in der Regel Privatverkäufer und auch Makler.

In Deutschland sind Immobilien rar – stehen potenzielle Käufer da nicht ohnehin Schlange, wenn eine attraktive Wohnung oder ein tolles Haus zum Verkauf angeboten wird?

Tina Humburg: Die Zahl der Interessenten ist zwar anfangs oft recht hoch, aber ob ein Objekt dann auch wirklich einen Käufer findet oder den gewünschten Preis erzielt, hängt stark von der Art ab, wie es präsentiert wird. Bekannt ist das Prinzip übrigens auch vom Gebrauchtwagenhandel: Wenn der Kunde die Wahl hat zwischen zwei  identischen Pkws entscheidet er sich für das sauberere, ordentlichere und besser riechende Exemplar. Weil  die ansprechende Präsentation bekanntermaßen zu einem wertigeren Verkauf beiträgt, investieren die meisten Verkäufer eines gebrauchten den Wagen in eine Aufbereitung.

Umso erstaunlicher, dass es in einem anderen Bereich, wo es auch um den Verkauf von Wohn(t)räumen geht, hierzulande noch eher unbekannt ist, Kaufinteressenten für Ihre Entscheidungsfindung emotional zu unterstützen: Beim Verkauf von Immobilien. Was muss man sich als Kunde/Kaufinteressent da alles antun: unterbelichtete und verwackelte Bilder in den Immobilienportalen, zusammen getackerte s/w –Kopien als Verkaufsunterlagen,  leere verwohnte oder noch bewohnte vollgestellte Zimmer, hochgeklappte Toilettendeckel, ungemachte Betten, Essensgerüche und vieles mehr.

Ist der Erfolg von Home Staging beleg- oder messbar?

Tina Humburg: Im Vergleich zu nicht aufbereiteten Immobilien verkaufen sich „gestagte“ Objekte bis zu doppelt so schnell. Wichtig ist, dass der Home Stager die Mustereinrichtungen auf die erwartete Käufergruppe abstimmt und diese darin unterstützt, gedanklich selbst einzuziehen. Nur 2 von 10 Menschen haben das Vorstellungsvermögen, das Potential einer Immobilie für sich zu erkennen. Deshalb dauert es ohne meine visuelle Unterstützung viel länger, bis Kaufinteressenten eine Entscheidung treffen können. Man könnte fast sagen: Viele Kaufinteressenten wissen erst was sie wollen, wenn ich es ihnen zeige.

Wo finden Sie die Möbel für ihre Aufträge?

Tina Humburg: Für ein junges Käuferpublikum am liebsten  bei IKEA. Denn neben dem richtigen Stil, der die Kaufinteressenten mit ihren Wohnvorstellungen abholt, kommt es bei der Immobilienvermarktung natürlich auch auf den Faktor Zeit an: Lange Lieferzeiten sind ein Ausschlusskriterium.

Haben Sie ein Beispiel für uns, also eine Wohnung vor und nach dem Home Staging?

Tina Humburg: Ja, eine Wohnung in einem der ländlichen Wiesbadener Vororte, deren Potenzial zunächst kein Interessent erkennen konnte. Mehrere Monate gingen ins Land, ohne dass sich ein Käufer fand. Nach dem Home Staging wurde das Schmuckstück eine Woche lang im Internet vorgestellt und im Rahmen eines sog. „Open House“-Termins von sage-und-schreibe 35 Interessenten besichtigt. 12 Reservierungen wurden sofort abgegeben, nach weiteren 2 Tagen stand der Käufer fest. Für die Zielgruppe „Single“ bzw. „junges Paar“ habe ich mit vielen Stücken von IKEA gearbeitet – und den Geschmack der Käufer getroffen!

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Zur Person:

Tina Humburg aus Wiesbaden ist Home Staging-Profi der ersten Stunde. Seit 2009 unterstützt sie mit ihrer Agentur für Immobilienstyling und -promotion Verkäufer von Immobilien in der Region.

In 2009 initiierte sie den Berufsverband DGHR e.V., der 2010 mit 7 Mistreitern in Wiesbaden gegründet wurde. Vor allem die vorher nicht existente Qualitätssicherung für Home Staging und die fehlende Transparenz für den Verbraucher waren der Anlass für die Vereinsgründung. Dem Kompetenznetzwerk gehören mittlerweile bundesweit 250 Mitglieder an, davon jeweils 3 in Wiesbaden und im Main-Taunus-Kreis sowie 2 in Mainz. 

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/was-home-staging-mit-design-von-ikea-zu-tun-hat