„Weihnachten in Schweden ist ein fröhliches Fest – dazu gehört auch ein Tanz um den Weihnachtsbaum“

Besonders beliebt an Weihnachten: das Pfefferkuchenhaus.

Nur noch wenige Tage bis Weihnachten! Inmitten der Vorweihnachtszeit habe ich Martin Goldberg, seit zwei Jahren Store Manager im IKEA Einrichtungshaus Hanau, zu einem Interview getroffen und mit ihm über Weihnachten in Schweden gesprochen. Der gebürtige Schwede arbeitet seit 26 Jahren bei IKEA und kommt ursprünglich aus Göteborg. Nachdem er bereits als Teenager mit seinen Eltern eine Zeit lang in Berlin lebte, zog es ihn 1989 zurück nach Deutschland. Mir hat er erzählt, was in schwedischen Familien an Weihnachten auf den Tisch kommt, was er in der Vorweihnachtszeit besonders vermisst und was er uns für die Weihnachtszeit unbedingt empfehlen würde.

Ikea Martin Goldberg 1 Martin Goldberg, Store Manager im Einrichtungshaus Hanau.

Gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und Schweden in Bezug auf Weihnachten?

Martin: Ja, ich glaube schon (lacht). Bereits Ende November fangen wir in Schweden an, die Häuser und Wohnungen zu schmücken – vor allem mit vielen Kerzen und Adventssternen. Weihnachtsgardinen und -tischdecken werden rausgelegt und verschönern die Räume. Auch der Adventskalender oder sogar mehrere Kalender müssen einfach sein. Doch einer der größten Unterschiede und ein wichtiger Anhaltspunkt, dass Weihnachten näher rückt, ist der 13. Dezember, wenn Lucia kommt. Das Luciafest wird vor allem in Schulen und öffentlichen Einrichtungen gefeiert – das ist sozusagen der Startschuss für Weihnachten.

Bei IKEA dreht sich aktuell natürlich auch vieles um weihnachtliche Dekoration und Einrichtung. Wie sieht es bei dir zu Hause aus? Gibt es typisch schwedische Weihnachtsdekoration, die auf keinen Fall fehlen darf?

Martin: Zunächst: Es gibt keinen Adventskranz wie in Deutschland. In Schweden haben wir Adventsleuchter oder dekorieren viele Kerzen auf einem Tablett. Überhaupt wird sehr viel dekoriert – das ist einfach schwedische Tradition! In der Weihnachtszeit sind die Tage ja sehr kurz und dunkel, deshalb feiern wir in Schweden das Licht. Mit Adventssternen und vielen Kerzen auf den Adventsleuchtern. Generell würde ich sagen, dass schon eher traditionell dekoriert wird: Mit kleinen Weihnachtsmännern, Süßigkeiten und Sternen.

Wie kann ich mir Weihnachtsfeiertage in Schweden vorstellen?

Martin: Am 23. Dezember holen wir abends den Weihnachtsbaum ins Haus und schmücken ihn. Das Essen wird vorbereitet – die Stimmung ist sehr festlich. Heiligabend ist der wichtigste Weihnachtstag, aber auch an den beiden Weihnachtsfeiertagen trifft man sich mit Verwandten und Freunden. Die Kinder spielen mit den Geschenken und die Reste des Weihnachtsessens vom 24. Dezember werden erneut serviert. Man isst drei bis vier Tage davon, weil man einfach zu viel eingekauft und zubereitet hat (lacht). Der Baum steht dann auch bis Mitte Januar, bevor er abgeschmückt und aus dem Haus „geworfen“ wird. 20 Tage nach Heiligabend – das ist das, was wir Knut nennen. Auch ein Tag, den wir gemeinsam feiern! Damit endet dann die Weihnachtszeit.

Und was essen die Schweden traditionell an Weihnachten?

Martin: Ich würde sagen, dass das Weihnachtsessen in Schweden fast heilig ist! Ganz traditionell isst man verschiedene Sorten Hering, Lachs und generell viel Fisch. Dazu gibt es Wurst und natürlich unseren Julskinka, den Weihnachtsschinken. Der gehört wirklich auf jeden Teller. Und je nach Geschmack gibt es noch Lutfisk, das ist Stockfisch, der mit einer Senfsoße serviert wird. Den mag nicht jeder, bei uns zu Hause gibt es ihn zum Beispiel nicht. Aber das Allerwichtigste ist der Milchreis. Den gibt es immer als Nachtisch an Heiligabend. Eine Schüssel wird für den Weihnachtsmann vor die Tür gestellt und in den Topf für alle Gäste kommt eine Mandel. Wer diese Mandel beim Essen findet, heiratet angeblich im kommenden Jahr. 

IKEA_MartinGoldberg Schwedisches Gebäck: an Weihnachten macht die Zimtschnecke auch mal eine Pause.

Als schwedisches Gebäck fällt mir natürlich zuallererst die Zimtschnecke ein – gibt es die auch zu Weihnachten oder werden in Schweden auch Plätzchen oder Lebkuchen zu Weihnachten gebacken?

Martin: Die Zimtschnecke hat sich an Weihnachten eine Pause verdient. Dafür gibt es Lussekatter, ein Hefegebäck mit Safran sowie Pepparkakor, Pfefferkuchen, aus dem man auch ein Pfefferkuchenhaus baut. Fast ein Statussymbol – jeder will das schönste und tollste Haus bauen (lacht). Außerdem gibt es ein spezielles Getränk – Julmust, eine Art Limonade, die an Weihnachten einfach auf den Tisch gehört.

Als Schwede in Deutschland – ich kann mir vorstellen, dass man gerade an Feiertagen wie Weihnachten viel an die Heimat denkt. Gibt es etwas, das du in der Weihnachtszeit besonders vermisst?

Martin: Mir fehlt vor allem der Glögg, der schwedische Glühwein. Der ist doch anders gewürzt als sein deutsches Gegenstück. Man trinkt ihn an einem der Adventssonntage, gemeinsam mit Familie und Freunden. Dazu gibt es dann besagte Lussekatter und Pepparkakor und natürlich viele Süßigkeiten.

Der Weihnachtsbaum im Wohnzimmer, darunter die Geschenke und man singt (oder hört) gemeinsam Weihnachtslieder – ebenfalls typisch für deutsche Weihnachten. Gibt es etwas Vergleichbares in Schweden?

Martin: Der Weihnachtsbaum ist in Schweden auch sehr wichtig, die Geschenke liegen allerdings nicht einfach unter dem Baum – der Weihnachtsmann kommt tatsächlich und bringt die Geschenke! Da muss der Papa eben an Heiligabend mal kurz raus die Zeitung holen oder der Nachbar hilft aus. Man sieht am 24. Dezember so ab 17 Uhr viele Weihnachtsmänner Säcke durch die Gegend schleppen – ein wirklich schönes und lustiges Bild. Das ist eine nette Tradition, fast ein Ritual. Auf den Geschenken findet man einen Reim, der Tipps gibt oder Andeutungen macht, was die Geschenke enthalten könnten. Und wenn die Bescherung vorbei ist, wird Musik angemacht und gemeinsam um den Weihnachtsbaum getanzt. Die gesamte Weihnachtszeit wird viel gesungen und getanzt. Weihnachten ist ein glückliches Fest, an dem alle zusammenkommen. Zwar haben viele Weihnachtslieder ihren Ursprung in Deutschland oder dem angelsächsischen Raum, aber es gibt auch schwedische Lieder. Und sie sind alle fröhlich!

Und wo feierst du dieses Jahr Weihnachten?

Martin: In Schweden mit der Familie. Am 22. Dezember wird das Auto vollgepackt und dann geht’s los!

Welche schwedische Weihnachtstradition würdest du unseren Lesern empfehlen, wenn sie gerne mal etwas Anderes an Weihnachten ausprobieren wollen?

Martin: Um den Weihnachtsbaum zu tanzen. Schwedische Weihnachtsmusik auflegen und mit der ganzen Familie singen und tanzen. Das kann ich nur empfehlen!

In diesem Sinne: „God jul och gott nytt år!“

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2016/weihnachten-in-schweden