„IKEA Food will den Wechsel zu artgerechter Tierhaltung und einer nachhaltigeren Ernährung fördern“

Geschäftstätigkeiten von IKEA Food sollen eine positive Wirkung auf die Menschen, die Tiere und die Erde haben

Schon seit einigen Jahren arbeitet IKEA Food daran, gesündere und nachhaltiger produzierte Lebensmittel ins Programm zu bringen und hat dies in vielen Bereichen sehr erfolgreich umgesetzt. Heute bietet IKEA verstärkt Lebensmittel an, die auf besonders verantwortliche Weise produziert wurden: So sind der gesamte Fisch und alle Meeresfrüchte ASC-/MSC-zertifiziert, der Kaffee trägt das UTZ- und das Bio-Siegel. Außerdem bieten die Restaurants verstärkt auch vegetarische Alternativen und saisonale Gerichte an. Als einen Rückschritt auf dem eingeschlagenen Weg sehen viele Verbraucher die Tatsache, dass IKEA in einigen Märkten kürzlich von Compassion in World Farming (CIWF) aufgefordert wurde, vom Good Chicken Award zurückzutreten, da derzeit nicht alle Kriterien erfüllt werden. Was IKEA unternimmt, um die artgerechte Tierhaltung zu fördern, darüber haben wir mit Jacqueline Macalister, globale Health & Sustainability  Managerin bei IKEA Food Services in Malmö, Schweden, gesprochen.

Ikea Jmacalister Ikea Food Jacqueline Macalister, globale Health & Sustainability Managerin bei IKEA Food Services in Malmö, Schweden

IDS: Jacqueline, in Deutschland sind einige Verbraucher verunsichert, weil IKEA vom Good Chicken Award zurückgetreten ist. Was ist der Grund dafür?

JM: Mit diesem Schritt erkennen wir an, dass einige IKEA Märkte, darunter auch Deutschland, gegenwärtig nicht alle CIWF Kriterien erfüllen – IKEA in Deutschland erlaubt zum Beispiel eine Gewichtszunahme von max. 55 Gramm pro Tag bei Masthähnchen, Compassion in World Farming dagegen nur von max. 50 Gramm. Aufgrund dieser Abweichung setzt IKEA Deutschland die Zertifizierung aus. Parallel arbeiten die Kollegen in Deutschland aber mit ihren Lieferanten weiter daran, auch diese Vorgabe zu erfüllen.

 

IDS: Warum ist es IKEA Food wichtig, auf artgerechte Tierhaltung und nachhaltigere Nahrungsmittelproduktion zu achten?

JM: Wir bei IKEA Food möchten, dass unsere Geschäftstätigkeiten eine positive Wirkung auf die Menschen, die Tiere und unsere Erde haben. Außerdem nehmen wir wahr, dass das Interesse der Verbraucher an Lebensmitteln und gesunder Ernährung stetig wächst. Immer mehr Menschen hinterfragen, wie sehr man Lebensmitteln vertrauen kann, ob sie verantwortungsbewusst produziert wurden und ob sie zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen. IKEA Food reagiert darauf und bietet vermehrt nachhaltig produzierte Lebensmittel an. Zudem möchten wir in Zukunft auch verstärkt auf pflanzliche Lebensmittel setzen und gleichzeitig Lebensmittelabfälle vermeiden, um so indirekt die Anzahl der Tiere in unserer Lieferkette zu verringern.


IDS: Gerade beim Thema Tierhaltung und Fleischproduktion sind die Verbraucher sehr sensibel. Was wird IKEA tun, um Vertrauen zurückzugewinnen?

JM: In den vergangenen Jahren haben wir uns damit befasst, unsere Ziele rund um nachhaltige Landwirtschaft zu erarbeiten und ganzheitliche Programme, die so genannten „Better“-Programme, zu entwickeln. Diese sprechen wichtige Bereiche an, bei denen wir die größtmögliche Wirkung erzielen können.   

IKEA Food beendet gerade die Ausarbeitung dieser Programme als globale Ausgangsbasis für artgerechte Tierhaltung und weitere Themen. Sie sind artspezifisch und decken die wichtigsten Tierarten in unserer Lebensmittellieferkette ab. Dazu zählen Masthähnchen, Legehennen, Milchvieh, Schlachtvieh, Schweine und Lachs.

Ikea Food Interview Thumb IKEA bietet verstärkt Lebensmittel an, die auf besonders verantwortliche Weise produziert wurden

IDS: Was versteht ihr unter artgerechter Tierhaltung? Welche Kriterien müssen erfüllt sein?

JM: Wir sind der Meinung, dass alle Tiere in unserer Lieferkette ein artgerechtes Leben führen sollten. Das heißt, dass beim Umfeld, in dem die Tiere aufwachsen, beim Umgang und bei den Standards auf den Höfen insbesondere auf gute körperliche und seelische Gesundheit geachtet wird und die Tiere ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können.  

Uns ist klar, dass die Gesundheit des Menschen eng mit dem Wohlergehen der Tiere verbunden ist. Wir haben hier eine moralische Verpflichtung. Deshalb versuchen wir auch die Ausbreitung von Antibiotikaresistenz einzuschränken, indem wir uns darauf konzentrieren, den routinemäßigen Einsatz von Antibiotika zu vermeiden.

 

IDS: Was ist die Grundlage dessen, was ihr in den „Better“-Programme festlegt?

JM: Diese Programme beschreiben „bessere“ Prinzipien basierend auf aktuellen Studien, Expertenmeinung und Rückmeldungen der Lieferanten. Diese Programme werden unsere aktuellen Beschaffungskriterien anheben und einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess vorantreiben. Derzeit arbeiten wir eng mit verschiedenen Partnern aus der Lieferkette zusammen, um diese Programme zu planen, zu lenken und einzuführen. Die Programme werden die globale Ausgangsbasis für alle IKEA Länder sein, jedes Land kann darüber hinaus natürlich weitere Schritte unternehmen. Ein erster Arbeitsschwerpunkt liegt auf Masthähnchen.

 

IDS: Worauf wird das „Better“-Programm für Masthähnchen besonderen Wert legen?

JM: Darin geht es um bessere Platzverhältnisse (mehr Platz pro Huhn), bessere Beleuchtung (normales Licht/dunkle Bereiche im Laufe eines Tages), mehr Auslaufmöglichkeiten, um das Ausleben natürlicher Verhaltensweisen zu fördern, Gesundheitspläne und tägliche Gesundheitskontrollen sowie angemessene Umgebungsbedingungen mit einem Schwerpunkt auf Einstreuqualität, Luftqualität und Wärmekomfort.

Zusätzlich zu den Programmen auf betrieblicher Ebene kümmern wir uns im Rahmen unseres IWAY-Standards auch um Arbeitsbedingungen und streben zudem an, das Wohlergehen der Tiere während des Transports und bei der Schlachtung zu verbessern.

 

IDS: Wann werden die Programme verbindlich eingeführt?

JM: Im Jahr 2018 werden wir offiziell die „Better“-Programme und unseren Transport- und Schlachtstandard inklusive Strategieplan und wichtiger Meilensteine einführen.

  

IDS: Danke für das Gespräch!

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2017/artgerechte-tierhaltung