Wenn der Traum vom Sabbatical wahr wird...

Mal eben den Alltag für drei Monate zurückzulassen, um die eigenen Träume zu verwirklichen. Das klingt fast zu schön, um wahr zu sein. Meine Kollegin Andrea hat es gewagt und ist für drei Monate im Rahmen eines Sabbaticals nach Südafrika gegangen. Das wäre auch ein Traum von mir. Aber wer kennt das nicht, man ist so fest in seinem alltäglichen Rhythmus und Umfeld verhaftet, dass manchmal schon ein Tag Auszeit als unmöglich empfunden wird. Am Wichtigsten ist sicher ein Arbeitgeber und die Kollegen, die diesen Plan unterstützen. Das liegt bei mir vor, vielleicht sollte ich doch einmal genauer darüber nachdenken. Und eigentlich klingt Andreas Realisierung machbar. Aber lest selbst, was sie bei einem Interview mit der Zeitschrift Couch von ihrem Sabbatical berichtet.

Übrigens, der nächste Traum von Andrea wäre ein Auslandsaufenthalt für IKEA.

Ikea Sabbatical 03

Wann hast Du Dein Sabbatical gemacht?

Andrea: Das war Anfang des Jahres 2016.

Wie lange warst Du in Südafrika?

Andrea: Ich war für drei Monate in Südafrika. 

Warum wolltest Du ein Sabbatical machen?

Andrea: Seit meiner Kindheit habe ich ein großes Interesse an Haien. Der Wunsch, diese Tiere hautnah zu erleben, hat mich nie losgelassen. Deshalb beschloss ich am Ende meines Studiums als Marine Volunteer nach Südafrika und in die “Hauptstadt” der Weißen Haie, Gansbaai, zu gehen. Eigentlich wollte ich mal Meeresbiologie studieren, habe mich aber aus diversen Gründen dagegen entschieden. Da ich seit meinem ersten Besuch dort inzwischen unzählige Male in meinen Urlauben zurückgekehrt bin und mitgearbeitet habe, bestand der große Wunsch, einmal länger in Südafrika zu bleiben. Zudem haben sich über die Jahre enge Freundschaften entwickelt. So entstand die Idee zum Sabbatical. Nachdem dann auch noch das Angebot aus Südafrika kam, eine Zeitlang als Crewmitglied zu arbeiten, wollte ich diese Chance gerne nutzen, um meinen Traum zu verwirklichen.

Während meines dreimonatigen Sabbaticals in Gansbaai habe ich dann tatsächlich mit Weißen Haien gearbeitet. Marine Dynamics, die Organisation für die ich tätig war, unternimmt dort unter anderem Käfigtauchgängen mit Weißen Haien. Das hört sich zunächst spektakulär, aber wenig nach Tierschutz an. Allerdings lassen sich auf diese Weise, wenn es richtig gemacht wird, diese bedrohten Meeresräuber vielen Menschen näher bringen und durch Aufklärung auch besser schützen. Zudem forschen dort Meeresbiologen und engagieren sich noch für weitere Tier- und Naturschutzprojekte.

Bist Du bei Deinem Arbeitgeber sofort auf offene Ohren gestoßen?

Andrea: Ja - ich habe das Glück, dass meine Kollegen die Hai- und Südafrika- Begeisterung doch ganz gut verstehen und unterstützen. Voraussetzung war selbstverständlich, dass es eine Vertretung während meiner Abwesenheit gibt. Dafür gab es glücklicherweise schnell eine Lösung.

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Wie lange musste Deine Auszeit vorab firmenintern vorbereitet werden?

Andrea: Ich habe rund vier Monate vor Abreise mit den Vorbereitungen begonnen. Das war ausreichend.

Hattest Du direkt konkrete Pläne für Dein Sabbatical oder hat sich alles nach und nach ergeben?

Andrea: Da ich eben ausschließlich wegen des Hai-Projekts ein Sabbatical nehmen wollte, war der Plan von Anfang an konkret. In Südafrika konnte ich alles zügig und unkompliziert klären. Da mir dort eine kostenfreie Wohnung zur Verfügung stand, musste ich mich nur noch um die Flüge kümmern.  

Bist Du in der Zeit auch herumgereist oder warst Du ausschließlich in Südafrika?

Andrea: Nein, ich war ausschließlich in Südafrika. Und obwohl Südafrika ein wunderschönes und facettenreiches Land ist, muss ich gestehen, dass ich bis auf einen Tag für einen Tauchausflug (natürlich auch, um Haie zu sehen!) und ein paar Tagen zu Anfang in Kapstadt nur in der Region um Gansbaai war. Ich wollte dort so viel Zeit wie möglich verbringen.  

Wie genau sah Dein Alltag vor Ort aus?

Andrea: Die meisten Tage war ich auf dem Meer. Am häufigsten auf dem Haitouren-Boot. Manchmal war ich auch bei der Wal Tour dabei. In der Hauptsaison bedeutet das bei gutem Wetter eine Sieben-Tage-Woche mit bis zu drei Trips pro Tag. Oft ging es früh morgens los: zunächst mit der Registrierung und Begrüßung der Kunden und den Vorbereitungen für den Ausflug. Auf dem Boot war ich dann als Crewmitglied dabei. Im Anschluss an die Touren habe ich noch einen Vortrag über unsere Forschungsprojekte gehalten, um Geld für deren Finanzierung zu sammeln. Wenn ich nicht auf dem Wasser war, saß ich im Büro und habe verschiedene Unterlagen bearbeitet oder übersetzt. Ab und an habe ich noch in der dort dazugehörigen Schutzeinrichtung für Afrikanische Pinguine und Seevögel ausgeholfen. Während meiner Auszeit war ich jeden Tag in der Natur und habe immer etwas Neues erlebt. 

Ikea Sabbatical 06

Im Nachhinein betrachtet: Hat das Sabbatical Deine persönliche Entwicklung positiv beeinflusst?

Andrea: Ich denke schon. Es macht einen sicherlich zufriedener, wenn man seine Träume verwirklichen kann. Ich würde sagen, dass ich durch die vielen unterschiedlichen Nationalitäten, auf die ich während meiner Zeit in Südafrika getroffen bin, noch aufgeschlossener und in vielen Situationen anpassungsfähiger geworden bin. Generell finde ich, dass Auslandserfahrungen den Horizont erweitern.

Inwiefern hat die kleine Auszeit Dein Arbeitsverhalten verändert?

Andrea: Auf jeden Fall bin ich gelassener geworden. Nicht zuletzt, da in Südafrika doch vieles anders, vor allem langsamer und oft chaotischer verläuft. Außerdem schöpft man natürlich Energie und bekommt neue Ideen. Durch die vielen internationalen Kontakte konnte ich meine Sprachkenntnisse verbessern, was mir in der täglichen Arbeit sehr hilft.  

Hast Du das Gefühl, dass Sabbaticals inzwischen stärker zur Unternehmenskultur dazugehören? Wie wird das generell bei IKEA gehandhabt?

Andrea: IKEA ist generell offen für neue Wege. Mitarbeiter sollen ein attraktives Arbeitsumfeld vorfinden, um sich wohlzufühlen. Außerdem möchte IKEA Mitarbeiter langfristig im Unternehmen halten und geht deshalb auf ihre individuelle Lebensplanung ein. Individualisierung bedeutet, dass es besonders heutzutage viele unterschiedliche Lebensentwürfe gibt – dazu gehören sicher auch Sabbaticals. Ich denke, dass sich dieses Modell in der modernen Arbeitswelt durchsetzen wird.

Wie reagieren Kollegen darauf, wenn Du von deinem Sabbatical erzählst? Gibt es jetzt einen richtigen „Run“ auf dieses Angebot?

Andrea: Egal, wo ich davon berichte: Die Menschen sind eigentlich immer sehr interessiert und sicher habe ich durch meine Erzählungen auch schon den ein oder anderen inspiriert, selbst über eine solche Möglichkeit nachzudenken. Tatsächlich ist ein Sabbatical aber immer eine sehr persönliche Angelegenheit – es muss zur individuellen Lebenssituation passen. Ich kann es grundsätzlich aber nur empfehlen!

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2017/der-traum-vom-sabbatical