Designerporträt: Knut und Marianne Hagberg

Das Designerduo und Geschwisterpaar Knut und Marianne Hagberg gehört zum Kernteam von IKEA und ist wesentlich mitverantwortlich für das IKEA Designprofil.

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„In unseren 37 Jahren bei IKEA haben wir rund 1.600 Produkte entworfen“, schätzt Marianne Hagberg, „Produkte, die es nicht in die Produktion geschafft haben, nicht mitgezählt.“ Im Schnitt hat das Duo also jede Woche ein Produkt für IKEA kreiert.

Wer sind Knut und Marianne Hagberg?

Knut und Marianne haben so viele Eigenschaften, dass man kaum alles in einem Artikel unterbringen kann. Beide sind leidenschaftliche Geschichtenerzähler, die immer wieder bereitwillig Anekdoten aus ihren vier Jahrzehnten bei IKEA zum Besten geben. Das unglaublich große Wissen, das Knut und Marianne Hagberg dabei über IKEA Kunden, die Produktion und Design allgemein angehäuft haben, ist beeindruckend. Als sie bei IKEA anfingen, hatte das Unternehmen 5.000 Mitarbeiter und 23 Einrichtungshäuser. Aktuell gibt es 400 IKEA Einrichtungshäuser, Online-Handel und über 40 Bestell- und Abholstationen auf 49 Märkten.

Knut und Marianne sind sich einig, dass die Arbeit bei IKEA noch immer spannend ist, und sie sind sichtlich stolz darauf, als Designer in diesem expandierenden Unternehmen eine feste Größe zu sein. „Wenn man so lange bei einem Job bleibt wie wir, muss es wohl daran liegen, dass wir den besten Job der Welt haben“, sagt Knut.

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Voll aufeinander eingespielt

In ihren 37 Jahren bei IKEA haben Knut und Marianne Hagberg Geschäftsführer, Design Manager und viele Trends kommen und gehen sehen. Was ist das Geheimnis einer so langen, erfolgreichen Partnerschaft? Ehrlichkeit? „Definitiv! Wir sagen einander immer gerade heraus, was wir denken.“ Marianne denkt außerdem, dass gemeinsame Werte und Ziele eine wichtige Rolle in ihrer Designpartnerschaft spielen. „Es ist definitiv ein Vorteil, zu zweit zusammenzuarbeiten. Außerdem sind wir wie Terrier“, erzählt Knut schmunzelnd, „wir beißen uns fest und verfolgen den Weg eines jeden Produkts von den ersten Entwurfszeichnungen bis in die Verkaufsregale. Das haben wir schon immer so gemacht.“

Gutes Design ist immer einfach und kann nicht vorgetäuscht werden. „Es gibt dafür kein Patentrezept“, sagt Marianne. „Du musst immer den Preis, das Material, die Produktion, die Funktionalität und die Umwelt im Blick behalten. Wenn das alles dann noch auf eine schöne Form trifft, wird daraus ein tolles Produkt.“

Die Hände und Augen sind im Entwurfsprozess besonders wichtig. „Das beste Gefühl, das ich kenne, ist, einen neuen Bogen Transparentpapier auf unserem 1 m x 2 m großen Zeichentisch auszubreiten und noch alle Möglichkeiten vor uns zu haben“, sagt Knut.

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„Studien zeigen, dass man besser lernt, wenn man mit der Hand schreibt, statt mit dem Computer. Ich glaube, dass man ein besseres Verständnis für die Details gewinnt, wenn man sie im Originalmaßstab zeichnet. Das ist etwas fürs Auge. Marimekkos Muster oder Josef Franks Textilien haben eine Seele. Sie schenken unseren Augen für lange Zeit immer wieder etwas Neues zum Entdecken“, sagt Marianne.

Knuts und Mariannes Design beinhaltet verschiedene Grundformen, Kreis, Kegel und Quadrat. Alle Zeichnungen werden von Hand im Maßstab 1:10 und 1:1 angefertigt. Ihre Arbeit ist vollständig analog, ganz ohne Computer. Wenn sie von zu Hause aus arbeiten, immer donnerstags, faxen sie ihre Entwürfe zwischen ihren Wohnorten Lund und Hässleholm im Süden Schwedens hin und her. Alle ihre Zeichnungen, sogar die zu ihrem allerersten Produkt, dem Metallstuhl TORSBY, werden in einem brandgeschützten Keller in Älmhult aufbewahrt.

Wenn beide sich darauf einigen, einen Entwurf vorzulegen, bringen sie ihn in die Musterwerkstatt und fertigen einen Prototyp in Originalgröße an. Wenn das Produkt es ins Sortiment schafft, beginnen die Gespräche mit Lieferanten und die Planung der Produktion.

„Wenn man wie Knut und ich mit Produkten arbeitet, ist das Wichtigste, ein 3-D-Modell herzustellen, das wir ausprobieren können.“ Je einfacher das Produkt, desto besser.

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Design fürs Leben

„Bei IKEA beginnen wir mit dem Designprozess fast immer am ‚verkehrten Ende‘. Wir entwickeln einen neuen Tisch nicht nur um des Tischs willen, sondern unsere Ausgangspunkte sind Preis, Funktion, Technologie und Anwendungskontext.“

Jeder kennt unsere blaue FRAKTA. Knut und Marianne Hagberg waren Teil des Teams, das das Konzept rund um den blauen IKEA Klassiker entwickelte.

Die beiden erzählen gern, wie Ingvar Kamprad mit einem neuen Material aus Amerika zurückkam und daraus eine Einkaufstasche machen wollte. Ursprünglich wurde dieses Material zur Lagerung von Reis verwendet. Ingvar und der IKEA Verkaufsleiter Lars-Göran Petterson fertigten einen ersten Prototyp an, der einem Gewicht von bis zu 50 kg standhalten sollte. Um die Stabilität der Tasche zu testen, brauchten sie etwas, das 50 kg wog. „Was gibt es in einem Büro, das 50 Kilo wiegt? Jennifer! Sie wog 50 Kilo. Also schlüpfte sie in die Tasche hinein“, erzählt Knut weiter. „Wenn die Tasche sie aushielt, würde sie auch andere Gewichte bis zu 50 kg aushalten.“ So ist damals ein echter Klassiker entstanden.

Als IKEA seine ersten Einrichtungshäuser in Japan eröffnete, wurden Knut und Marianne gebeten, sich etwas einfallen zu lassen, damit Kunden, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln ins Einrichtungshaus kamen (nur die wenigsten besaßen Autos), ihre Produkte nach Hause transportieren konnten. So entstand FRAKTA, eine Version der blauen Einkaufstasche mit Reißverschluss, die als Rucksack getragen werden kann. Außerdem entwarfen Knut und Marianne die praktische gelbe Karre, die man in den IKEA Einrichtungshäusern findet.

„Ich denke, die Entwicklung der IKEA Einkaufstasche ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir bei IKEA zusammenarbeiten. Es ist keine One-Man-Show“, sagt Marianne.

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Noch ein paar persönliche Fragen:


Seid ihr Zwillinge?

Nein, auch wenn das Gerücht kursiert, wir sind keine Zwillinge. Knut ist 5 Jahre älter als Marianne.

 

Wo seid ihr aufgewachsen?

Wir sind in einer kleinen Stadt im Süden von Schweden aufgewachsen. Die Stadt heißt Hässleholm und ist rund 50 km von Älmhult entfernt.

 

Könnt ihr kurz euren Weg zu IKEA beschreiben?

Unser Weg zu IKEA ist der gleiche. Wir haben beide zusammen von 1973-1978 an der Academy of Interior Design und Fredrikberg’s Technical College in Kopenhagen studiert. Nach unserem Abschluss haben wir für eine kurze Zeit ein eigenes Unternehmen gehabt und freiberuflich für verschiedene Unternehmen gearbeitet.

Unsere erste Position bei IKEA war in der Kommunikationsabteilung im Einrichtungshaus in Älmhult. Nach sechs Monaten haben wir in der Design-Abteilung angefangen, in welcher wir noch heute sind. Die Arbeit in der Design-Abteilung hat uns die Möglichkeit gegeben, mit verschiedenen Managern zusammen zu arbeiten, eine Möglichkeit, für die wir sehr dankbar sind. Das schönste an unserer Arbeit ist für uns, dass wir für Menschen auf der ganzen Welt arbeiten können und dadurch ihren Alltag etwas einfacher machen.

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Sind alle Produkte von euch gemeinsam entwickelt worden? Oder gibt es Produkte, die nur von einem von euch entworfen wurden?

Am Anfang unserer Zeit bei IKEA haben wir auch jeder eigene Dinge gemacht, aber mittlerweile entwerfen wir alles gemeinsam.

 

Gibt es Produkte, bei denen einer von euch Kompromisse eingeht und nicht vollkommen zufrieden damit ist?

Nein, sonst hätten wir es nie gemacht. Wir müssen beiden vollkommen zufrieden mit einem Entwurf sein, damit wir ihn weiterverfolgen.


Danke für eure Zeit!

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2017/designerportraet-hagbergs