Großes entsteht immer im Kleinen

Gilan und Sheiren kommen aus Syrien und freuen sich über ihre Chance auf eine Ausbildung bei IKEA.

Welche Möglichkeiten es gibt, Flüchtlingen in Deutschland eine echte Perspektive zu geben, wird vielfach diskutiert. Ein besonderes Beispiel aus dem IKEA Einrichtungshaus Saarlouis zeigt, wie es funktionieren kann.

Gilan : Gilan Haram ist stolz auf das, was sie erreicht hat.

Gilan Haram und Sheiren Sheik Nabo sind zwei junge Frauen, sehr aufgeschlossen und hilfsbereit - und sie lachen viel. Seit einigen Monaten sind sie ein fester Teil des IKEA Teams in Saarlouis. Dabei kannten beide vorher weder BILLY, KLIPPAN noch IKEA selbst. Denn in Syrien gibt es IKEA nicht.

Vor etwa zweieinhalb Jahren flüchteten sie aus ihrer Heimat nach Deutschland und lernten sich hier in einem Deutschkurs kennen. Sheiren stammt aus Aleppo und Gilan kommt aus dem Norden Syriens. „Wenn du auf deinem Weg zur Uni täglich die Armee an jeder Ecke stehen siehst, dann weißt du, dass es keinen Sinn hat, dort zu bleiben“, erzählt Gilan, die in ihrer Heimat bereits zwei Jahre Bauingenieurwesen studiert hat. Zu Fuß machten sich beide über mehrere Wochen auf den Weg, um aus ihrer Heimat zu fliehen. Dass sie heute bei IKEA gelandet sind, sehen beide als große Chance. „Wir sind so freundlich von allen IKEA Kollegen aufgenommen worden. Sie erklären uns alles mit sehr viel Geduld und interessieren sich für uns und unser Leben. Ich fühle mich hier wie ein Mensch“, so Sheiren.

Sheiren Sheiren Sheik Nabo arbeitet gerne bei IKEA.

Ein erfolgreiches Integrationskonzept

Als verantwortungsvolles Unternehmen möchte IKEA den Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, so unkompliziert und direkt wie möglich helfen. Nachdem IKEA in den Jahren 2015 und 2016 im Rahmen des Projektes „Dein Einsatz“ das ehrenamtliche Engagement vieler IKEA Mitarbeiter mit Möbelspenden unterstützte, folgte nun der Schritt, Flüchtlingen die Chance zur Integration in den deutschen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Das Einrichtungshaus Saarlouis fand hier in Kooperation mit dem Diakonischen Werk und dem Jobcenter Saarlouis ein besonders erfolgreiches Konzept zur Umsetzung. „Für uns schien es sinnvoll, mit einer zweimonatigen Praktikumsphase einzusteigen, um sich gegenseitig kennen zu lernen. Danach folgt die sogenannte Einstiegsqualifizierung, ein spezielles Programm der Agentur für Arbeit zur Berufsorientierung Jugendlicher. Diese läuft über einen Zeitraum von etwa einem Jahr und wird durch den Landkreis Saarlouis gefördert. Danach können die jungen Menschen direkt in das erste oder zweite Ausbildungsjahr starten“, erklärt Anne Lopez, Teamleiterin Personal im IKEA Einrichtungshaus Saarlouis.

Vokabelheft Sheiren Um neue Wörter nicht zu vergessen, ist ein Notizbuch für die Vokabeln immer mit dabei.

Die Sprache ist keine Hürde

Mit der Übernahme in den kommenden Ausbildungsjahrgang sieht es bei Gilan und Sheiren sehr gut aus. Das verraten nicht nur ihre strahlenden Gesichter, wenn sie über ihre Arbeit bei IKEA sprechen. Auch in der Berufsschule, die sie bereits während der Einstiegsqualifizierung besuchen, kommen sie trotz der Sprachbarriere problemlos mit.

Verständnisprobleme gibt es auch bei IKEA kaum. Das Deutsch der Beiden ist bereits so gut, dass sie sich mühelos mit Mitarbeitern und Kunden unterhalten können. Schwieriger wird es nur, sobald Kollegen in ihren Saarländer Dialekt verfallen. Ein bisschen davon haben Gilan und Sheiren aber selbst schon übernommen: „Ich gehe mal weiter schaffen“, sagt Sheiren und verschwindet lachend zwischen den Sofalandschaften in der Wohnzimmerabteilung, in der sie gerade eingesetzt ist. Und Gilan begrüßt am Mittagstisch alle ganz selbstverständlich mit einem freundlichen „Mahlzeit“. Das Lernen der deutschen Sprache war ihnen von Anfang an sehr wichtig. „In unserem Deutschkurs haben wir viel Theorie gelernt. Aber erst durch die Arbeit bei IKEA kommen wir dazu, die Sprache aktiv zu sprechen“, so Sheiren. Und damit sie keine neuen Wörter und typischen IKEA Begriffe vergessen, haben sie immer ein kleines Notizbuch für neue Vokabeln dabei. 

Sheiren Im Kundengespraech Kunden auf Deutsch zu beraten ist für Sheiren kein Problem.

Wichtig ist, dass es passt

„Wir können uns wirklich glücklich schätzen, so engagierte neue Kollegen in unserem ersten Durchlauf dazu gewonnen zu haben. Wir bieten diese Stellen hier im Einrichtungshaus zusätzlich zu unseren üblichen Ausbildungsplätzen an. So können wir helfen, ohne andere Bewerber zu benachteiligen“, so Kirsten Zens, Einrichtungshauschefin in Saarlouis.

Der Schlüssel zum Erfolg lag nicht zuletzt im engen Austausch mit dem Betriebsrat und der Diversity-Gruppe des Hauses. Anne erklärt, dass es einfach wichtig sei, Ängste und Bedenken offen anzusprechen und gemeinsam Lösungen zu finden. Dabei spiele auch der Rekrutierungsprozess eine wichtige Rolle. Es ginge nicht darum eine Quote zu erfüllen, sondern darum, dass es menschlich passe.

„Wir wurden mal gefragt, ob sich der ganze Aufwand denn nun gelohnt habe. Natürlich ist so ein Projekt zeitaufwendig - aber wenn wir auch nur einem Menschen, der aus einem Land kommt in dem kein normales Leben möglich ist, die Chance auf eine gute Ausbildung und Zukunft geben könnten, sollten wir uns nicht nur bei IKEA und in anderen Unternehmen immer dafür entscheiden. Bei uns im Saarland sagt man: Großes entsteht immer im Kleinen.“ so Nicole Werhan, Betriebsratsvorsitzende. 

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2017/grosses-entsteht-immer-im-kleinen