Gestaltungsideen für Gärten, in denen sich heimische Tiere und Pflanzen wohlfühlen

Credit: NABU / Eric Neuling

Für Gartenfreunde ist es ein echtes Ritual: Alljährlich im Frühjahr und im Herbst denken sie darüber nach, wie sie ihren Garten umgestalten könnten. Dann geht’s ab in den Gartenmarkt und es werden viele neue Pflanzen gekauft und zuhause eingesetzt – ich spreche hier aus persönlicher Erfahrung.

Ikea Zauneidechsenmannchen Nabu Eric Neuling Credit: NABU / Eric Neuling

Bisher habe ich mir allerdings keine großen Gedanken darüber gemacht, ob die Pflanzen, die ich auswähle, auch unter ökologischen Gesichtspunkten sinnvoll sind (ich schaue eben eher, ob Farbe, Wuchshöhe und Sonnenverträglichkeit zum Standort passen). In der letzten Zeit hört man aber immer mehr darüber, dass Insekten aussterben, weil sowohl in der Landwirtschaft als auch in den heimischen Vorgärten Monokultur herrscht: Ohne Artenvielfalt in der Flora haben langfristig auch die Tiere schlechte Chancen, gute Lebensbedingungen zu finden. Doch wie gestaltet man einen Garten oder Balkon so, dass sich heimische Tiere und Pflanzen darin wohlfühlen?

IKEA Deutschland und der NABU machen es jetzt vor: Gemeinsam haben sie sich das Ziel gesetzt, das Bewusstsein für den Wert von Artenvielfalt zu fördern und Menschen anzuregen, ihren Garten oder Balkon naturnah zu gestalten. Denn naturnahe Gärten sind für viele Tier- und Pflanzenarten wertvolle Rückzugsräume. Wie man sie gestalten kann, zeigen jetzt artenreiche Gärten am IKEA Einrichtungshaus in Kaarst und in der Blumberger Mühle bei Berlin. Ich war in Kaarst und habe mir genauer angesehen, welche Tipps dort gegeben werden.

Ikea Zauneidechsen Nabu Eric Neuling Credit: NABU / Eric Neuling

Weil nicht jeder gleich seinen ganzen Garten umwandeln kann oder will, zeigen die Themengärten in Kaarst exemplarische Lösungen, die sich als Module oder kleine Inseln in jedem Garten realisieren lassen. Zu den Themen „Igel, Fledermäuse und Eidechsen“ und „Vielfalt im Schatten“ werden Gestaltungsideen gezeigt, die die Artenvielfalt fördern. Besonders wichtig ist die Auswahl heimischer Pflanzen, die Tieren Nektar, Pollen und Beeren als Nahrung anbieten. Nachtblühende Pflanzen locken Nachtfalter an, die Leibspeise von Fledermäusen. Auch Unterschlüpfe wie Totholz- oder Steinhaufen und Nisthilfen, in denen Vögel, Igel & Co. sich verstecken können oder überwintern, lassen sich einfach und auch mit wenig Platz umsetzen. Auch für schattige Gartenecken bietet der Naturgarten Lösungen, die Farbe und Licht in den Schatten bringen und gleichzeitig Tieren nutzen. Anleitung und Infos für die Umsetzung im eigenen Garten findet man übrigens auch auf NABU.de.

Heute stelle ich euch den Themengarten „Igel, Fledermäuse und Eidechse“ vor. In meinem nächsten Beitrag geht es dann um den Schattengarten.

Ikea Modulgarten Thumb Credit: NABU / Andreas Bobanac

Ein Garten für Igel, Fledermäuse und Eidechse

Hast du schon mal einen Igel bei Tage gesehen? Nein? Das könnte daran liegen, dass die stacheligen Insektenfresser nachtaktiv sind … Wenn du Igel im Garten beobachten möchtest, kannst du ihnen eine eigene Ecke einrichten – mit einem Totholzhaufen, einem Laubhaufen und heimischen Pflanzen. So kommt er dich bestimmt bald besuchen!

Du denkst, das wäre ein schöner Haufen totes Holz? Weit gefehlt, es strotzt nur so vor Leben in diesem bisschen Holz. Darum müsste Totholz auch eigentlich anders heißen. Laufkäfer, Ohrenkneifer, Spinnen und andere holzliebende Arten leben hier. Ganz nebenbei verbessern sie den Boden und die darin lebenden Insekten ernähren viele Tiere wie den Igel und verschiedene Vögel. Außerdem sind sie ein willkommener Unterschlupf, zum Beispiel für Eidechsen.

Ikea Mausohr Fliegend Nabu Eberhard Menz Credit: NABU / Eberhard Menz

Die vielen Steine stören dich beim Rasenmähen? Wie wäre es denn dann mit einem Steinhaufen? Diese formschönen Arrangements wirken nicht nur strukturierend im Garten, sondern spielen auch eine wichtige Rolle im Artenschutz. Eidechsen, Insekten, kleine Vögel und viele Pflanzen profitieren von diesem, bereits in historischer Zeit genutzten, Naturgartenelement. Steinhaufen sind multifunktional: Versteck, Speisekammer, Hitzeschutz und Heizung.

Nachts ist im Garten doch nichts los? Das stimmt so nicht, denn viele Tiere erwachen erst in der Dunkelheit und streifen dann umher. Nachtfalter, viele Käferarten, Fledermäuse, einige Vogelarten und viele andere sind nachtaktiv. Natürlich muss es dann auch was Leckeres zum Naschen geben. Nachtblühende Pflanzen, wie die gewöhnliche Nachtviole, ziehen die Nachtfalter magisch an. Und die Nachtfalter sind die Leibspeise der Fledermäuse und so weiter. Nachts ist mehr los als man denkt!

Es ist also gar nicht so schwer, seinen Garten „artenvielfältig“ zu gestalten und so Biodiversität zu unterstützen. Vor der nächsten Fahrt in den Gartenmarkt also einfach mal im Internet nach geeigneten heimischen Pflanzen recherchieren und dann bei der Auswahl nicht nur auf Farbe und Größe achten, sondern auch darauf, dass sie Nektar, Pollen oder Beeren produzieren. Der Lohn sind Summen, Zwitschern und Flügelschlagen im nächsten Sommer!

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2017/naturnahe-gaerten