Die Trends der Creativeworld 2017

Was sind die großen Do-it-yourself-Trends 2017, die unser Zuhause verschönern, die uns auf Pinterest und Instagram inspirieren werden und die wir am liebsten sofort selbst ausprobieren wollen? Das wollte ich bei meinem Besuch auf der Creativeworld 2017 herausfinden. Die international führende Messe für Hobbybastler und Künstler in Frankfurt am Main gibt es seit sieben Jahren, und sie wird jedes Jahr größer: In diesem Jahr wuchs die Zahl der Aussteller um mehr als 15 Prozent auf 344 Aussteller aus 37 Ländern.

IKEA_4 Pappfiguren Hell Pappe statt Plastik zeichnet das Spielzeug zum Basteln von Angelmalma aus.

Basteln und do it yourself (DIY) ist angesagter denn je. Weil Eigenkunstwerke nicht nur Spaß machen, sondern auch hübsch aussehen, ist Gebasteltes für viele mehr als nur Deko für die eigenen vier Wände: Scherenschnippeln, Origamifalten und Handlettering sorgen für meditative Entspannung. Gerlinde Karg vom Verband Hobby-Kreativ e.V. ergänzt: „Die Gründe für den Erfolg der Kreativbranche sind auch die innovativen Sortimente, die mit viel Gespür für Trends und Stil konzipiert worden sind, sowie die Do-it-yourself-Mentalität, die sich weiter behauptet. Individualität steht als Reaktion auf die globalisierte Gleichmacherei.“ Und die teilt man dann am liebsten gleich in den sozialen Netzwerken, was wiederum die Beliebtheit und Coolness von DIY steigert.

An innovativen Sortimenten hatte die Creativeworld 2017 jede Menge zu bieten: Da gab es Beton zum Kneten und veganes Leder zum Nähen, Holzfurnierstoff und Kreide-Handlettering-Marker, Sprühfarbe in angesagten Metallfarben und Aquarellstifte fürs Sketching sowie flüssigen Bleistift und sogar Kleber zum Stempeln. Gab es früher Styropor (Kunststoff) zum Basteln, so kommt jetzt überall Pappe zum Einsatz – das Bemühen um Nachhaltigkeit war auch auf der Messe zu spüren. Angelmalma beispielsweise bietet Spielzeug aus 100 Prozent ökologischer Pappe an – die Figuren werden besprüht, mit Stoffen beklebt, angemalt oder mit Knete verziert, beispielsweise mit dem beliebten Foam Clay.

IKEA_5 Papiere Taniguchi Die handgemachten Papiere von Taniguchi Shoyudo machen aus Origami-Basteleien edle Kunstwerke.

Überhaupt steht die Kunst mit Papier ganz hoch im Kurs. Papier eignet sich toll für Scherenschnippeleien und Knicktechniken. Zum Beispiel waren auf der Messe Origami-Figuren aus handgemachtem Papier von Taniguchi Shoyudo zu sehen und es hingen allerlei Papierbälle und Fächer von den Decken. Auf den Basteltischen für Besucher lagen Papiere zum Gestalten von Briefumschlägen mithilfe von Schablone und Cutter aus. Durch die Schablonen ist etwas Selbstgebasteltes zum Verschenken in kürzester Zeit fertiggestellt – eine tolle Idee. Auch für Urban Sketching ist Papier die Grundlage allen kreativen Schaffens. Bei Sketching handelt es sich um die Zeichnung einer Momentaufnahme, was im Gegensatz zum schnelllebigen Smartphone-Selfie-Trend vor allem Handarbeit und Kontemplation bedeutet. In der U-Bahn, im Park, im Büro oder mitten in der Stadt – überall kann man Szenen in einem Sketching-Book einfangen. Ergänzt werden die Zeichnungen durch Handlettering, also die kunstvolle Gestaltung von Wörtern und Sätzen, beispielsweise mithilfe von Brush Pens (wasserbasierte Farben). Kunstvolle Schriften eignen sich aber auch toll für Poster, Grußkarten und Leinwände. Brushlettering-Künstler wie Frau Hölle waren auf der Messe regelrecht belagert – die junge Bloggerin gab Tipps, wie sich die kostenlosen Übungsvorlagen ihres Blogs am besten umsetzen lassen. Wer weniger talentiert im Malen ist, nutzt einfach Stempel und Sticker, um seinen Kalender oder sein Tagebuch zu verschönern.

IKEA_9 Whimsy Hell Als einer der drei großen Trendstile 2017 bringt das kontrastreiche „Whimsy“ Spaß und Humor.

Als weiteres Highlight gab es auf der Messe die wichtigsten DIY-Styles 2017 zu entdecken, in einer Trendausstellung zu angesagten Farben, Materialien und Techniken rund ums Wohnen und Leben. Der bunteste und fröhlichste Stil in diesem Jahr nennt sich „Whimsy“, was übersetzt „Laune“ heißt. Verspielt, humorvoll und skurril wirkte dieser Teil der Ausstellung, bei der zum Beispiel Vintage-Geschirr mit Masking-Tape-Streifen beklebt war. Es dominierten intensives Gelb, Grün, Dunkelblau und Rot sowie kontrastreiche Karomuster. Mixen, Patchen, Überlagern und Stempeln sind das Inventar von Whimsy. Eine völlig andere Stilrichtung wurde unter den Begriff „Thoughtful“ gefasst. In zurückhaltendem Purismus treffen hier minimale Muster in Schwarz-Weiß auf die Pastelltöne Rosé und Hellblau. Blusen werden mit Fineliner verziert, zarte Striche machen Porzellan zum Hingucker. Glas wird schraffiert und Leinendecken und Taschen sind mit Linien und Kreisen bestickt. Unter der Bezeichnung „Imperfect“ wurde ein dritter Trendstil präsentiert, der aus der Natur und der Folklore abgeleitet ist: Schräge Linien geflochtener Papierstreifen, Patchwork und Jeans-Patches sowie plakative Musterungen zeigen, wie Unvollkommenes und Zufälliges auf Geordnetes und Reguläres trifft. Auffallend waren etwa die verschieden großen Perlen, die das Kabel einer Hängeleuchte schmückten.

IKEA_13 Buegelperlen Hell Die Bügelperlen sind wieder da! Hier beim Messestand von Rico Design.

Was mich beim Schlendern über die Messe überraschte, waren die vielen wiedergekehrten Trends: Nicht nur Knete wie Fimo und Ausmalbildchen erleben derzeit ein Revival, auch Bügelperlen (aus den 1970er-Jahren) waren überall zu sehen. Nur die Motive haben sich geändert: Auffallend oft waren es Einhörnern, lachenden Wolken und Kakteen, die als Topfuntersetzer, Geschenkanhänger oder einfach als Dekoartikel eingesetzt wurden. Bei dem aus meiner Sicht kreativsten Stand der Messe von Rico Design konnte ich das Aufstecken auf eine Stiftplatte und das Bügeln der Perlen selbst ausprobieren – und fühlte mich direkt in meine Kindheit zurückversetzt. Was es in den Achtzigern aber in dieser Form nicht gab, waren die vielen Hilfsmittel, die auf der Messe präsentiert wurden, wie Stanzen und Stempel mit hübschen Schriftzügen und Motiven. Mit den richtigen Hilfsmitteln gelingen persönliche handgemachte Geschenke, die auch nach etwas aussehen. 

Mein Fazit: Selbstmachen war noch nie so einfach – und definitiv noch nie so schön wie in diesem Jahr!