Unkraut, ein verkannter Schatz

Jeder, der einen Garten hat, kennt das: Im Frühling sprießen nicht nur die bunten Krokusse, sondern direkt auch der Löwenzahn, die Brennnesseln, der Giersch und diverse andere ungebetene Gäste und zerstören das schöne Bild des perfekt gepflegten Gartens. Doch was für den Hobbygärtner eine lästige Arbeit bedeutet, das ist für Kenner der Kräuter ein kleiner Schatz.

Unkraut gilt unter Kräutersammlern als unangebrachte Bezeichnung für Wildkräuter, die fantastische Anwendungsgebiete bereithalten. Ob als Dünger für den eigenen Gemüsegarten, als Leckerei auf dem eigenen Teller, Waschmittel für feine Textile oder Hautcreme, das Wissen über die Anwendungsgebiete der Wildkräuter ist über die Jahre ein wenig verloren gegangen, deshalb haben wir anlässlich des heutigen „Tags des Unkrauts“ einige Möglichkeiten zur Nutzung gesammelt.

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Brennnesseln und Beinwell als Düngemittel

Synthetische Düngemittel behüten meist das Geheimnis ihrer Inhaltsstoffe gut. Als Hobbygärtner ist es schwierig herauszufinden, wie genau diese Dünger arbeiten und ob die Nutzung wirklich ungefährlich für den eigenen Körper ist. Zusätzlich können diese Dünger verschiedene Mangel bei den Pflanzen provozieren: So kann ein Dünger, der zu viel Kalium enthält, zu einer mangelhaften Kalziumaufnahme führen. All diese Probleme können mit pflanzlichem Dünger vermieden werden.

Wie stelle ich eine natürliche Jauche zum Düngen her?

Verwende den oberirdischen Teil von Brennnesseln oder Beinwell, fülle diese in ein großes, metallfreies Gefäß (ungefähr 10L groß), sodass es zu etwa dreiviertel gefüllt ist. Gieße danach Regenwasser dazu, bis das gesamte Kraut bedeckt ist, wenn du kein Regenwasser zur Hand hast, funktioniert auch Leitungswasser.

Stelle den Eimer an einen sonnigen Ort und rühre das Gebräu alle 2-3 Tage um. Wenn die Mischung zu stinken beginnt, kannst du den Eimer abdecken.

Nach 2-3 Wochen ist die Jauche fertig. Mische sie zum Düngen in einem Verhältnis von 1:10 mit Wasser. Benetze mit diesem pflanzlichen Dünger nur die Wurzeln und gieße es nicht auf die Blätter der Pflanzen! Kräuter, Wurzelgemüse und Hülsenfrüchte vertragen keine Jauche, für alle sonstigen Pflanzen ist dieser Dünger perfekt um ein gesundes Wachstum zu fördern. 

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Seifenkraut als Waschmittel und Fleckenentferner

Das herkömmliche Waschmittel aus dem Supermarkt gehört für uns schon zum Alltag. Dennoch wissen wir nicht genau um die Inhaltsstoffe und die chemischen Substanzen verunreinigen mit jedem Waschgang unser Wasser und gelangen über die Kleidung auf unsere Haut.  

Doch auch hier kann uns ein Unkraut eine natürliche Alternative bieten. Bei vielen Wildkräutern kommt der Name natürlich nicht von ungefähr. Seifenkraut eignet sich Dank des hohen Anteils an Saponinen, welche dafür sorgen, dass sich bei Lösung in Wasser seifenähnlicher Schaum bildet, als Lösungsmittel für Flecken. 

Weil Seifenkraut keine Säure beinhaltet, ist es besonders bei feinen Textilien und Wolle als Fleckenwasser nutzbar. Mische hierfür einfach Seifenkrautwurzel und –blätter in einem Verhältnis von 1:5 mit Wasser, lass die Mischung aufkochen und danach ca. 30 Minuten köcheln. Filtere die festen Bestandteile raus und gib nach dem Abkühlen etwas Zitronensaft und Weingeist hinzu, mische die Flüssigkeiten gut durch. Fertig ist das Fleckenwasser! 

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Spitzwegerich gegen Juckreiz

Es ist Frühling, die ersten warmen Tage des Jahres gehen zu Ende und abends ist es noch relativ mild. Ein Picknick auf einer einsamen Lichtung oder ein Ausflug zum nächsten See, um einfach mal die Ruhe in der Natur zu genießen, kann Dank der kleinen Moskitos, die mit den Narzissen so langsam wiederkommen, zum Albtraum werden.

Die fiesen kleinen Stiche jucken und schwellen nicht selten zu größeren, roten Beulen an. Doch auch dagegen hat die Natur Abhilfe geschaffen. Das Wundermittel der Wahl heißt Spitzwegerich. Er wächst an Wegrändern und auf Wiesen und ist schon ewige Zeiten als Heilmittel bekannt.

Besonders hilfreich gegen Juckreiz ist eine Creme aus Spitzwegerich und Olivenöl. Diese ist sehr einfach herzustellen. Sammle Spitzwegerichblätter und vermenge diese mit Olivenöl. Fülle beides in ein sauberes Marmeladenglas und lasse es 2 Wochen ziehen. Es kann hilfreich sein, das Ganze ab und an zu schütteln, um eine bessere Konzentration zu bekommen. Danach kann das Öl gefiltert und zurück in das kleine Glas gefüllt werden. Gib flüssiges Bienenwachs hinzu und verrühre das Ganze. Danach erkalten lassen, fertig ist die Salbe! Wenn du das Ganze gekühlt lagerst, ist sie über mehrere Monate haltbar und kann dir bis zum Ende der Mückensaison ein guter Begleiter sein.

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Blümchenkaffee als Alternative zu Bohnenkaffee

Löwenzahn ist wohl das bei Kindern beliebteste Unkraut. Ein herrliches Spiel stellen die Pusteblumen am Ende des Sommers dar, sehr zum Schrecken sämtlicher Gärtner. Denn fliegen die Samen einmal über den eigenen Zaun ist es schwierig, wieder Herr zu werden über den Rasen. Überall siedelt sich das lästige Unkraut an und zerstört das Bild des grünen Rasens.

Doch Löwenzahn wird häufig unterschätzt! Die gelb blühende Pflanze besitzt fantastische Heilkräfte. Ob bei Nierensteinen, Leberproblemen, Rheuma oder gegen Müdigkeit, Löwenzahn kann vielseitig eingesetzt werden.

Eine Möglichkeit ist, die Löwenzahnwurzeln als Kaffeeersatz zu benutzen. Herkömmlicher Kaffee kann zu Bluthochdruck und Herzrasen führen, wohingegen Löwenzahn als milder Wachmacher gilt, der auch noch besser bekömmlich ist.

Um die Wurzeln zu Kaffee zu verarbeiten, musst du sie nur reinigen, in Scheiben schneiden und sie einen Tag trocknen lassen. Danach kannst du die trockenen Stücke in einer Pfanne, ohne Öl, rösten. Im Anschluss kannst du die Wurzeln mit einer Kaffeemühle oder einem Mixer mahlen. Schon ist der Kaffee fertig. Du kannst den Kaffee ganz normal aufgießen, lasse ihn nur zusätzlich einige Zeit ziehen.

Tipp: Mit ein bisschen Milch schmeckt der Kaffee am Besten! 

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Giersch als Lebensmittel

Viele Wildkräuter, die man bei sich im Garten findet, eignen sich nicht nur als tolles Heilmittel, sondern auch als Alternative zu unseren herkömmlichen Küchenkräutern. Gut geeignet als Petersilienersatz ist zum Beispiel Giersch. Er wuchert in fast jedem Garten und gilt dadurch eigentlich eher als ungeliebter Eindringling, doch wer ihn aus seinen Beeten entfernen möchte, der sollte ihn danach nicht wegschmeißen! Aus den saftigen Blättern lassen sich fantastische Dinge kochen. Giersch ist zum Beispiel roh als Salat genießbar, oder aber auch in gekochter oder gebackener Form.

Eine Idee wäre es zum Beispiel, kleine Snack Röllchen mit Giersch zuzubereiten. Gemeinsam mit Feta und einem Schuss Milch und eingerollt in Yufka-Teig-Blättern können diese als kleiner Mittagssnack mit ein bisschen Salat richtig was hermachen! Für das genaue Rezept schau doch einfach mal hier.  

Ob als Düngemittel, Waschmittel, heilende Salbe, Kaffee-Ersatz oder einfach zum leckeren Verzehr, die Kräuter die von uns als Unkraut geschimpft werden, haben in Wirklichkeit mehr Talente als man gemeinhin denkt. Beim nächsten Unkrautzupfen sollten die Kräuter deshalb nicht auf den Kompost wandern, sondern lieber in die Küche.