„Die Kunden müssen sich auf unsere Lebensmittel verlassen können"

Hungrig Einkaufen macht keinen Spaß. Das hat schon Ingvar Kamprad vor vielen Jahren festgestellt und im ersten IKEA Einrichtungshaus in Älmhult 1956 ein Restaurant eröffnet. Seitdem hat sich einiges in der IKEA Food Szene getan, über das wir mit Michael la Cour, Managing Director von IKEA Food Services, gesprochen haben. 

Michael la Cour Michael la Cour, Managing Director von IKEA Food Services.

Aus reiner Neugier – warum hat IKEA eigentlich überhaupt angefangen Essen anzubieten?

Michael: Wenn Familien damals zum Einkaufen kamen und einen ganzen Tag in diesem kleinen Dorf Älmhult im Wald verbrachten – da wussten wir natürlich, dass sie Hunger und Durst bekommen würden. Wir wollten einfach, dass sie sich willkommen, wohl und umsorgt fühlten. Damals war das ungewöhnlich.

Gibt es weitere Gemeinsamkeiten zwischen IKEA Einrichtungsprodukten wie Möbeln und Accessoires und dem Essen – außer, dass sie im gleichen Geschäft angeboten werden?

Michael: Oh, unbedingt. Unser Ausgangspunkt ist, dass Qualität und Design für jeden erschwinglich sein sollen. Bei jedem Entwurf beginnen wir mit fünf Punkten, die wir mit ‚Democratic Design‘ zusammenfasssen, und die bei jedem Produkt gegeben sein müssen: Form, Funktion, Qualität, niedriger Preis und Nachhaltigkeit. Die gleichen Grundsätze gelten auch in Bezug auf Lebensmittel.

Wann haben die berühmten Fleischbällchen ihren Einzug gehalten?

Michael: Das war in den Achtzigern. Wer hätte damals gedacht, dass sie sich zum meist geschätzten Gericht unserer Kunden entwickeln?! Wir verkaufen mehr Fleischbällchen als jedes andere Produkt im IKEA Sortiment.

Was war die größte Veränderung im Nahrungsmittelbereich?

Michael: Dazu müssen wir bis 2013 zurückgehen, dem Jahr, in dem wir – und die gesamte Nahrungsmittelbranche – ein deutliches Signal hörten: Es wurde klar, dass unsere Lieferkette nicht so transparent war, wie wir es wollten. Auf Lebensmittel müssen unsere Kunden sich verlassen können – ob sie daheim essen oder in unseren Restaurants. Wir beschlossen, unser Geschäft zu verändern und haben viele Maßnahmen getroffen, die die „Tracability“, also die Nachverfolgbarkeit in der Lieferkette, deutlich verbessern.

Wir sehen, dass heute allgemein ein großes Interesse an Lebensmitteln und Ernährung besteht. Dazu gehört auch der soziale Aspekt der Lebensmittelproduktion. Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, wie sehr man Lebensmitteln vertrauen kann und ob Lebensmittel verantwortungsbewusst produziert wurden. IKEA Food wird weiterhin leckere, erschwingliche Lebensmittel anbieten, seit einigen Jahren haben wir nun aber auch verstärkt Gerichte und Lebensmittel im Sortiment, die gesünder und kalorienärmer sind und auf verantwortungsvolle Weise mit Rücksicht auf Mensch und Umwelt und unter hohen Tierschutzstandards produziert wurden.

IKEA Pulled LAX Sandwich Das IKEA Pulled LAX Sandwich.

Was ist in Bezug auf die IKEA Food Szene im vergangenen Jahr passiert?

Michael: Vieles, was man in den Verkaufsräumen oder im Restaurant nicht auf den ersten Blick sieht. Wir haben im vergangenen Jahr weiter daran gearbeitet, den Bereich Lebensmittel näher an die Schwerpunktthemen Gesundheit und Nachhaltigkeit heranzurücken. Ein Gesundheitsbeirat unterstützt uns bei schwierigen Entscheidungen bezüglich Neuerungen im Nahrungsmittelbereich. In enger Zusammenarbeit mit unseren Hauptlieferanten wollen wir die Messlatte noch höher anlegen, was Tierschutz und unsere internen Anforderungen rund um Inhaltsstoffe für die Produktentwicklung angeht.

Gibt es neue IKEA Food Produkte, die du nennen möchtest?

Michael: Ja! Das Pulled LAX Sandwich, das wir mit Grillsoße, eingelegtem Rotkohl und süßsauer eingelegten Gurken servieren, ist wirklich verlockend. Es schmeckt nicht nur ausgezeichnet, wir nutzen dafür auch alle hochwertigen Teile des Lachs (und nicht nur die Filets). So wird dieser wertvolle Fisch verantwortungsvoll und umfassend verwertet. Seit September 2015 ist aller Fisch bei IKEA nach dem Standard des MSC (Marine Stewardship Council) und des ASC (Aquaculture Stewardship Council) zertifiziert. Das bedeutet, dass die Produkte aus verantwortungsbewusst betriebenen, nachhaltigen Quellen stammen. Wir sind jetzt weltweit der größte Anbieter von verantwortungsvoll produzierten Meeresfrüchten.

Gibt‘s etwas Neues für Kalorienbewusste?

Michael: Da wäre unser BUBBELVATTEN MED FRUKTSMAK, eine köstliche kohlensäurehaltige Limonade aus natürlichen Zutaten. Wir reduzieren generell den Zucker in unseren Getränken um 50%. Dass wir irgendwann beim Zuckergehalt vielleicht auf null Prozent landen, ist eine Herausforderung, die wir gerne annehmen.

Aber die Fleischbällchen gibt es noch, oder?

Michael: Ja, wir bieten immer noch Fleischgerichte für alle. Die Fleisch mögen, an – schließlich wollen wir ja niemanden bevormunden oder erziehen. Aber es gibt noch mehr Wahlmöglichkeiten. Unsere neuen Gemüsebällchen sind proppvoll mit Gesundem wie Kichererbsen, Erbsen, Grünkohl, Mais, Paprika und Erbsenprotein. Sie werden mit veganen Zutaten hergestellt, haben ca. 100 Kalorien weniger als unsere traditionellen Fleischbällchen und nur halb so viel Fett.

Du hast bestimmt ein Lieblingsgericht bei IKEA. Was ist es?

Michael: Das sind genau diese Gemüsebällchen. Die bestelle ich mir immer wieder – und auf dieses Gericht bin ich wirklich ein bisschen stolz. Es ist keine Breikugel aus püriertem Gemüse, sondern man sieht deutlich die Gemüsestückchen darin. Und die Tatsache, dass sie gesünder sind, dass Kinder sie mögen und dass sie großartig schmecken – das ist einfach super!