„Wir wollen Lösungen entwickeln, die das Leben wirklich einfacher machen!“

Ich habe Mikael Ydholm, Global Head of Research bei IKEA in Schweden, zum Interview getroffen. Wir haben über seine spannende Arbeit bei IKEA, intelligentes Wohnen und die Zukunft des Zuhauses gesprochen. 

Was ist deine Aufgabe bei IKEA?

Mikael: Wir forschen bei IKEA in zwei Richtungen: Einerseits sind wir sehr neugierig und möchten wissen, wie die Menschen auf der ganzen Welt leben. Andererseits versuchen wir aber auch, gemeinsam mit Wissenschaftlern, Zukunftsforschern und Erfindern in die Zukunft zu blicken und zu überlegen, wie die Menschen in Zukunft leben werden. 

Welche Wohntrends beobachtest du in Deutschland?

Mikael: Das ist gar nicht so einfach oder pauschal zu beantworten, denn in einer coolen Berliner WG sieht die Einrichtung einfach anders aus als beispielsweise bei einem konservativen Paar in Düsseldorf. Was wir aber im westeuropäischen Markt generell seit einigen Jahren beobachten, sind fließendere Raumstrukturen.  


Was bedeutet das?

Mikael: Vor 20 Jahren war eine Wohnung noch klar aufgeteilt und auch die Möbel waren definiert: Küche, Wohnzimmer, Schlafzimmer und Bad, vielleicht gab es noch ein Esszimmer. Heute dagegen essen die Leute vor dem Fernseher im Wohnzimmer und arbeiten auch mal im Bad.

Welche Konsequenzen hat das für das Möbeldesign und für IKEA?

Mikael: Es bedeutet für uns vor allem, dass wir multifunktionale Möbel entwickeln müssen. Ein Sofa zum Beispiel wird heutzutage oft zum Essen, Entspannen und Arbeiten genutzt, aber natürlich auch, um sich mit Freunden in einer netten Runde zu unterhalten. Es sollte sich den unterschiedlichen Situationen anpassen, sich aufteilen und neu zusammenstellen lassen. Aber wir denken über das Möbeldesign hinaus und beschäftigen uns viel mit Wohnlösungen insgesamt. Es gibt zum Beispiel eine spannende Idee, dass man bewegliche Wände hat, die je nach Tageszeit und dem, was man gerade tut, einzelne Räume größer machen oder auch ganz verschwinden lassen können.

Eine große Veränderung ist ja auch die zunehmende Nutzung von zahlreichen elektronischen Geräten wie Smartphones, Wearables und Tablet-PCs. Werden unsere Wohnungen künftig aussehen wie ein Elektronikgeschäft?

Mikael: Tatsächlich hat man heute sehr viele elektronische Geräte und Gadgets und vor allem Frauen mögen die vielen Kabel nicht. Wir haben deshalb beispielsweise Lampen entwickelt, mit denen man auch das kabellos laden kann. Denkbar sind auch smarte Fenster, so dass man seine E-Mails auf der Fensterscheibe lesen oder sie als Fernseher nutzen kann.

Mikael Ydholm 2 Colour Mikael Ydholm, Global Head of Research bei IKEA in Schweden.

Wie siehst du das Thema Smart Home?

Mikael: Natürlich werden unsere Häuser, Wohnungen, Möbel und Haushaltsgeräte immer smarter. Aber ich sehe auch, dass hier oft Technologie um der Technologie willen eingebaut wird. Ich muss nicht unbedingt über mein Smartphone informiert werden, dass die Waschmaschine fertig ist. Ich würde aber zum Beispiel sehr gerne darüber informiert werden, wenn ich aus Versehen eine rote Socke mit der Weißwäsche in die Waschmaschine gesteckt habe!

Uns geht es also mehr darum, Lösungen zu entwickeln, die das Leben und den Alltag wirklich einfacher und besser machen. Da geht es einerseits um smarte Möbel, aber auch zum Beispiel um zusätzliche Services, die wir unseren Kunden anbieten wollen. 


Beispielsweise welches?

Mikael: Vor allem im Bereich Küche bieten wir mittlerweile neben den Möbeln und Elektrogeräten alles von der Vermessung über Beratung, Planung und Einbau. Aber auch im Schlafzimmer: Heute verkaufen wir ein gutes Bett an unsere Kunden. Künftig wollen wir ihnen einen guten Schlaf verkaufen. Schlaf ist für die Menschen und ihre Gesundheit sehr, sehr wichtig. Deswegen forschen wir auch viel darüber, was einen guten Schlaf verhindert: Stress, Lärm und Licht. Und daran, wie wir dem entgegenwirken können.

Wie passt IKEA sich dem Single-Trend an?

Mikael: Viele Wohnungen sind geplant für eine vierköpfige Familie: Mutter, Vater, Tochter, Sohn – das gibt es aber immer seltener. Dennoch sind viele Singles noch recht traditionell eingerichtet – wir sehen zum Beispiel häufig einen Esstisch mit vier Stühlen in Wohnungen von Singles, obwohl diese ja nur auf einem sitzen und auch nicht ständig Besuch haben. Hier kommt wieder die multifunktionale Nutzung von Möbeln ins Spiel. Aber auch die architektonische Planung von Wohnraum ist wichtig. Die Wohnungen künftig einfach zu verkleinern, wäre die falsche Lösung, denn unsere Lebensformen werden deutlich flexibler. Vielleicht sind die Kinder des neuen Partners aus dessen früherer Beziehung ein paar Tage da, vielleicht zieht die pflegebedürftige Schwiegermutter ein. Darauf muss man auch mit der Raumaufteilung reagieren können. Wir arbeiten dafür auch mit Immobilienentwicklern zusammen, um ganz neue Konzepte für Wohnraum zu entwickeln.

Wie sieht für dich die Zukunft des Möbeldesigns aus?

Mikael: Die Zusammenarbeit mit Partnern, die ich gerade schon angesprochen habe, halte ich für sehr wichtig. Wir werden nicht nur in der Forschung, sondern auch im Produktdesign immer offener für die Zusammenarbeit mit Partnern, Kunden, Lieferanten oder Designern. Das ist eine tolle Entwicklung. Außerdem gibt es einen Trend in Richtung Personalisierung, das heißt individuellere Produkte je nachdem, wie die speziellen Bedürfnisse des Einzelnen sind.

Und werden wir unsere IKEA Möbel auch in 20 Jahren noch selbst mit dem Inbusschlüssel aufbauen?

Mikael: Das ist eine gute Frage, mit der wir uns tatsächlich auch sehr intensiv beschäftigen. Ihre Zeit ist den Menschen sehr wichtig und Zeit ist Geld. Daher arbeiten wir an Programmen, die die Aufbauzeit halbieren soll. Zukünftige Kollektionen werden einen größeren Anteil an vormontierten Teilen haben. Längerfristig soll es dann auch Möbel geben, die sich selbst aufbauen. 


Vielen Dank für das nette Gespräch, Mikael! 

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2017/wir-wollen-loesungen-entwickeln-die-das-leben-wirklich-einfacher-machen