„Wir wollen trinkend die Welt verändern – ein wenig jedenfalls“

Die drei Gründer und der Geschäftsführer (von links nach rechts): Felix Langguth (36) kümmert sich um die Finanzen, Jakob Berndt (35) ist für die Kommunikation zuständig und Paul Bethke (35) macht den Vertrieb. Foto: Lemonaid Beverages GmbH.

Die leckeren Tees und Limonaden in hübschen Flaschen gehören schon länger zum Getränkesortiment bei IKEA: Lemonaid & ChariTea. Wir haben Jakob Berndt, einen der drei Geschäftsführer und Gründer des Social-Business-Projekts, getroffen. Die Erlöse der zu 100% biologisch und fair gehandelten Produkte nutzen die Hamburger, um entwicklungspolitische Projekte in Übersee zu finanzieren. Mit jeder verkauften Flasche und jeder Packung Tee werden Sozialeinrichtungen in den Anbauregionen unterstützt – getreu dem Motto „Trinken hilft“. Ein Gespräch über Motivation, Nachhaltigkeit und Lieblingsgetränke.

02 04 Chari Tea Sammelbild Foto: Lemonaid Beverages GmbH.

Herr Berndt, wie kamen Sie und Ihre Partner auf die Idee, Limonade und dann auch Tee selbst herzustellen

Jakob Berndt: Die Idee hatte mein Mit-Gründer Paul, der entwicklungspolitisches Engagement mit einem Unternehmensmodell vereinen wollte: Ein Modell, das Hilfe zur Selbsthilfe gibt in den Regionen, in denen sie am dringendsten gebraucht wird. Er selbst arbeitete zuvor in Sri Lanka in der Entwicklungszusammenarbeit und erlebte in seiner täglichen Arbeit den Umgang mit öffentlichen Geldern als nicht wirklich nachhaltig. Gemeinsam haben wir im Jahr 2009 in meiner WG-Küche auf St. Pauli das Projekt gegründet – um sozialen Wandel aktiv mitzugestalten. Dafür haben wir unsere alten Jobs an den Nagel gehängt und begonnen, biologische und nachhaltige Limonaden und Eistees zu entwickeln, die gut schmecken aber eben auch „Gutes“ tun, indem sie zusätzlich zum fairen Handel den eigens gegründeten gemeinnützigen Lemonaid & ChariTea e.V. finanzieren. „Lemonaid“ ist ein Wortspiel aus den englischen Begriffen „lemon“ und „aid“ (engl. für Hilfe). Unter dieser Marke werden drei verschiedene Frischsaft-Limonaden angeboten – Maracuja, Blutorange und Limette. „ChariTea“ spielt ebenfalls mit der Doppelfunktion als Getränk („tea“) und gelebter Wohltätigkeit (engl. „charity“). Im Sortiment sind vier Eistees (Black, Green, Red und Mate) und 18 Sorten Bio-Tee zum Aufbrühen.

Was ist das Besondere an Ihren Produkten?

Jakob Berndt: Jede Sorte Lemonaid & ChariTea basiert auf einem simplen Prinzip: Purer Geschmack, wie hausgemacht. Die Limonaden bestehen aus frischem Direktsaft, ein wenig Zucker und Wasser – sonst nichts. Die Hauptrolle bei den ChariTea Eistees spielen frisch aufgebrühte Tees, leicht verfeinert mit Säften und Honig oder Agave. Außerdem wissen wir von all unseren Zutaten, wo sie herkommen. Und damit meinen wir nicht aus welcher Fabrik, sondern von welchen Menschen. Wir kennen unsere Bauern persönlich und besuchen sie regelmäßig. Wir haben schon Rooibos geerntet, Tee gepflückt oder Rohrzucker geschlagen und wissen daher: es ist anstrengend und aufwendig – und sollte fair bezahlt werden. Alle Sorten Lemonaid & ChariTea sind Bio- und Fairtade-zertifiziert.

Und was motiviert Sie in Ihrer täglichen Arbeit?

Jakob Berndt: Mich motivieren jeden Tag aufs Neue die Ergebnisse, die wir bisher schon in den Anbauregionen erzielen konnten. Auf unseren Reisen nach Südafrika oder jüngst nach Paraguay überzeugen wir uns selbst davon, dass die Projekte, die wir mit den Spendengeldern des Vereins finanzieren, den Menschen und Regionen vor Ort zu einem besseren, selbstbestimmteren Leben verhelfen. Wir entdecken sukzessive neue Orte und begeistern mehr und mehr Menschen für unser Projekt. Schritt für Schritt, mit den richtigen Partnern. Einen wesentlichen Anteil an dem gesamten Erfolg des Projektes hat unser Team – die „Lemonaider“. Wir verstehen unseren Saftladen als große Familie, in der jeder seine ganz individuellen Stärken und Interessen einbringt. Für uns ist das hier mehr als ein Job – es ist ein gemeinsames Projekt, eine gemeinsame Aufgabe.

Besuch Vor Ort Idulgashena Teeberge Die Idulgashena Teeberge. Foto: Lemonaid Beverages GmbH.

Man kann Ihre Produkte auch bei IKEA kaufen – wie kam es zu dieser Partnerschaft und wieso gerade IKEA?

Jakob Berndt: Die Partnerschaft mit IKEA besteht nun bereits seit Mitte 2013. Es ist einer der ganz wenigen „großen“ Partner, mit denen wir heute arbeiten – sonst findet man uns ja vor allem in der Gastronomie und im Bio- und Feinkosthandel. Wir haben IKEA von Beginn an als einen sehr aufgeschlossenen und engagierten Partner kennengelernt – mit einem ernsthaften Interesse an unserem besonderen Projekt. Sie geben uns die Möglichkeit, unsere Produkte einem noch breiteren Publikum vorzustellen – und das freut uns sehr!

Seit 2010 gibt es den gemeinnützigen Verein Lemonaid & Charitea e.V. und Sie und Ihre Kollegen besuchen regelmäßig die Herkunftsländer der Rohstoffe Ihrer Produkte. Was ist Ihnen dabei am stärksten in Erinnerung geblieben?

Jakob Berndt: Oh, da gäbe es viel zu erzählen. Ich kann an dieser Stelle natürlich nur für mich sprechen – meine Kollegen haben unzählige weitere Anekdoten auf Lager (denn ALLE aus unserem Team fahren ja regelmäßig in die Anbauregionen, nicht bloß wir Gründer). 
Auf unserer jüngsten Reise nach Paraguay haben wir, neben den Bauern, von denen wir seit Jahren unseren Bio- Rohrzucker kaufen, viele spannende Menschen kennenlernen dürfen: den alternativen Nobelpreisträger Martin Almeida, den ehemaligen Präsidenten Lugo und den „Armenpriester“ Oliva. In Südafrika haben wir bei 50 Grad im Schatten (!) Rooibos geerntet, auf Sri Lanka viele Kilo Tee gepflückt, in Paraguay Rohrzucker geschlagen – alles wichtige Erfahrungen, um die Bedeutung des fairen Handels wirklich zu begreifen. 
 Aber am tollsten ist letztlich der direkte Kontakt mit den Menschen vor Ort, die Möglichkeit, mit ihnen essen, trinken und tanzen zu können und – so prosaisch das klingen mag – von ihnen zu lernen. Es geht ja nicht allein darum, Hilfestellung zu geben, sondern auch, einen Perspektivwechsel zu vollziehen. Weg von dem „wir“ und „die“, hin zu einem wirklich gemeinsamen Arbeiten. 



5 Cent pro Flasche und 10 Cent pro verkaufter Teepackung gehen an Ihre Stiftung. Was machen Sie mit diesen Geldern? 


Jakob Berndt: Der eigens gegründete, gemeinnützige Lemonaid & ChariTea e.V. finanziert diverse Sozialprojekte in den Anbauregionen. Die Projekte werden von uns Gründern und einem unabhängigen Beirat ausgewählt – und jedes Jahr persönlich besucht. In den letzten Jahren wurden so mehr als 1,2 Mio. Euro für entwicklungspolitische Projekte erwirtschaftet. Um ein Beispiel zu nennen: in Sri Lanka ist Tee das Nationalgetränk und eines der wichtigsten Exportgüter Sri Lankas. Die Pflanze wächst ausschließlich in den Hochlandregionen des Landes, die durch den Anbau von Tee geprägt sind. Tausende von Menschen arbeiten auf den Plantagen, oft zu sehr geringen Löhnen (abgesehen von den Fairtrade-Plantagen). Echte berufliche Alternativen gibt es kaum. In Sri Lanka finanziert der Lemonaid & ChariTea e.V. deshalb das Diyanilla Technical Institute (DTI). Das Projekt hat sich der Aufgabe verschrieben, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Zukunft fernab der Tee-Branche zu ermöglichen. Sie können am DTI-Kurse in Schneidern, Schreinern, Maurern, Elektro- und KFZ-Technik besuchen und so den Grundstein für neue berufliche Perspektiven legen. Computerkurse sind besonders populär. 

01 Chari Tea Functional Mood Foto: Lemonaid Beverages GmbH.

Zuletzt haben Sie Ihren Tee auch als Teebeutel auf den Markt gebracht. Werden weitere Produkte folgen?

Jakob Berndt: Die Kollektion der neuen ChariTeas zum Aufgießen bietet insgesamt 18 ausgewählte Teemischungen für jeden Geschmack. Die Sortimentserweiterung des heißen Tees hat einige Zeit in Anspruch genommen – und das war auch gut so. Wir waren was Qualität und Herkunft der Rohwaren betrifft, aber auch hinsichtlich der Komposition einzelner Sorten und des modernen und cleanen Designs sehr anspruchsvoll. Aber wir haben so viele weitere Ideen – man darf gespannt bleiben! Bei allen neuen Ideen steht ganz oben dennoch fraglos immer der Wunsch, unsere soziale Mission, trinkend die Welt zu verändern, möglichst nachhaltig fortzusetzen. Sprich: langfristig ausreichend Gelder zu generieren, um die Projektarbeit in den Anbauregionen fortzusetzen und auszubauen. 


Und welches Ihrer Produkte trinken Sie selbst am liebsten?

Jakob Berndt: Bei den Eistees greife ich sehr gern zu einer ChariTea mate – ein Energielieferant mit dem natürlichen Koffein der Yerba Mate aus Argentinien. Eigentlich ein absolutes Nationalgetränk der Südamerikaner, ist es bei uns in den letzten Jahren immer beliebter geworden – auch in der Clubszene mit einem Schuss Vodka. Seit letztem Herbst trinke ich aber auch liebend gern die koffeinfreie Variante des grünen Rooibos aus Südafrika – ganz pur. Der grüne Rooibos ist im Gegensatz zu der roten Variante des südafrikanischen Nationalgetränks nicht fermentiert und bewahrt so seine grüne Farbe und auch wertvolle Pflanzenelemente.


Vielen Dank für das tolle Interview!

http://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2017/wir-wollen-trinkend-die-welt-veraendern