Die besten Gespräche ergeben sich am Küchentisch

©2016 Kitchen on the Run

Es sollte eine der größten Shopping-Touren werden, die die Organisatoren des Projektes „Kitchen on the Run“ je erlebt haben: Acht Einkaufswagen voll mit IKEA Produkten suchten sie in einem Spandauer Markt zusammen. „Wie eine lange Karawane haben wir alle Küchenutensilien zu den Kassen geschoben“, erzählt Jule Schröder. Sie ist einer von drei Köpfen hinter „Kitchen on the Run“. Die Projektidee: ein ausgebauter Küchen-Container soll für fünf Monate durch Italien, Frankreich, Deutschland, die Niederlande und Schweden touren. Vor Ort bietet er den Raum, damit Einheimische gemeinsam mit Geflüchteten deren Lieblingsrezepte kochen können

00 Ikea Nach Der Kasse 1 Benjamin Glitschka ©2016 Kitchen on the Run 00 Ikea Nach Der Kasse 5 Johann Angermann ©2016 Kitchen on the Run

Der Grundgedanke von Jule Schröder, Rabea Haß und Andi Reinhard ist so simpel wie wahr: „Die besten Gespräche ergeben sich am Küchentisch,“ sagt Jule, 33, studierte Kulturmanagerin, „also wollen wir mit dem reisenden Küchencontainer einen Ort schaffen, an dem Menschen unterschiedlicher Herkunft sich austauschen und beim Kochen andere Kulturen kennenlernen können.“ Nachdem der blaue, rund sechs Tonnen schwere Container von Architekturstudierenden der TU Berlin ausgebaut worden war, konnte die Kücheneinkaufstour beginnen.

Drei Dosenöffner, fünf Kochlöffel, drei Käsereiben, ein Dutzend Wasserkaraffen. Töpfe, Müllbeutel, Stifte, Teelichter – dies ist nur ein Bruchteil eine sehr lange Einkaufsliste. Der Kassierer meinte am Ende des Bezahlvorgangs, dass dies der umfangreichste Einkauf seiner Karriere war, erzählt Jule mit einem Lachen im Gesicht. Besonders eindrucksvoll: der Kassenzettel ist am Ende genauso lang, wie Team-Mitglied Rabea groß ist. Dass sie den Einkauf dann nicht mal bezahlen mussten, sondern IKEA die Produkte im Rahmen der Aktion  „Dein Einsatz“ spendete, freute die Großeinkäufer besonders.

Praktisch fanden die drei den Einkauf, weil sie neben der Küchenausstattung viele nützliche Kleinigkeiten fanden, die ihnen die Europareise erleichtern werden, vom Tritthocker bis zur Aufbewahrungsbox. „Bei IKEA war es einfach einzukaufen, weil wir da alles auf einmal bekommen haben. Vom Design her wollten wir etwas Zeitloses, Klassisches und Preiswertes.“ Und falls mal etwas kaputt gehen sollte, gibt es in jedem der bereisten Länder einen IKEA Markt, wo man für Ersatz sorgen kann.

Der Clou beim Innenausbau: Die IKEA Produkte passen perfekt in den Container. Die Möbel sind eigens dafür maßgeschreinert worden. „Die verriegelbaren Regale sind zum Beispiel genau auf die Höhe der Tassen angepasst, sodass die gestapelten Sachen nicht durcheinander fliegen, wenn der Container über die Autobahn transportiert wird“, erzählt Jule. Die Architekturstudierenden unter der Leitung von Prof. Donatella Fioretti, die gerade den deutschen Architekturpreis gewonnen hat, haben sich viele kluge Lösungen für die Kochzeile überlegt. Die Schubladen sind zum Beispiel von außen einsehbar, sodass eine Kommunikation unter den Köchen auch über Sprachgrenzen hinweg möglich ist.

13 Team Kitchen On The Run Constanze Flamme ©2016 Kitchen on the Run

An fünf Tagen in der Woche soll nun fünf Monate lang gekocht werden. Insgesamt wollen die Organisatoren so rund 100 Mahlzeiten kochen. Wer mitkochen möchte, kann sich beim Containerteam mit seinem Lieblingsrezept anmelden. Dann geht die Gruppe gemeinsam auf lokalen Märkten frische Produkte einkaufen. Geflüchtete und Einheimische sollen durch gemeinsame Kochveranstaltungen ins Gespräch kommen, sich persönlich kennenlernen und Vorurteile abbauen. Die Gäste erleben so ganz nebenbei, dass andere Kulturen (nicht nur) kulinarisch eine Bereicherung sein können. Für das Projekt „Kitchen on the Run“ konnte das Initiatoren-Team bereits vor der Abfahrt viele Unterstützer begeistern, Stiftungsgelder sammeln und ein erfolgreiches Crowdfunding im Internet organisieren. 

Zum Schluss der Reise wird der Container nach rund 5.000 Kilometern nach Göteborg kommen, ins Heimatland von IKEA. Bis dahin wollen die drei nicht nur der Idee nachgespürt haben „wie schmeckt Heimat in Europa“, sondern auch Rezepte gesammelt haben aus einem neuen Europa. Die ersten Gerichte, die im Container gemeinsam gekocht und gegessen wurden, waren eine syrische Linsensuppe ein jemenitisches Silvestergericht. Ein guter Einstieg, findet Jule.