„Unsere Kunden sind eine große Inspiration“

Sarah Fager während der Eröffnung der Democratic Design Days 2016 (Bildnachweis: Adel&Link)

Während der Democratic Design Days in Älmhult habe ich die schwedische In-House-Designerin Sarah Fager getroffen und ein Interview mit ihr geführt. Sarah hat Möbel-Design in Stockholm studiert und arbeitet seit fast 10 Jahren bei IKEA. Wir haben über Wohntrends, Deutsche in Älmhult, Design-No-Gos und einen Stuhl gesprochen, durch den man hindurchsehen kann.

Ikea Sarah Fager IKEA Designerin Sarah Fager Ikea Prototypen Prototyp des "See-Trough"-Stuhls (Bildnachweis: Adel&Link) Ikea Stuhl Naehart Herstellungstechnik des Stuhls: 3D-Stricken (Bildnachweis: Adel&Link) Ikea Stuhl Hell (Bildnachweis: Adel&Link)

Was ist für dich das Besondere daran, bei IKEA zu arbeiten?

Sarah: Die Aufgabenvielfalt ist ein Highlight meiner Arbeit. Ich lerne viele verschiedene Menschen aus der ganzen Welt kennen, die so unterschiedliche Aufgaben haben. Und ich reise natürlich sehr viel. Das ist klasse! Für ein Unternehmen zu arbeiten, dessen Wertevorstellungen mit meinen eigenen übereinstimmen, ist sehr wichtig für mich. Außerdem bin ich ein kreativer Mensch und genieße die künstlerische, gestalterische Arbeit. Ich liebe es, mich in neue Skizzen zu vertiefen, um Ideen und Produkte zu überarbeiten. Die Herausforderung, Produkte besser, anders oder intelligenter zu machen, spornt mich immer wieder an. Bei der Produktentwicklung für IKEA geht es nicht einfach darum, etwas Neues zu erschaffen, sondern etwas wirklich Schönes und Sinnvolles zu designen. Dafür benötigt man jede Abteilung und jeden Mitarbeiter – Teamwork wird bei IKEA großgeschrieben. 

Eines deiner Projekte ist die PS 2017 Kollektion. Ich habe den „See-Through“ Stuhl schon gesehen und getestet. Was kannst du uns dazu erzählen?

Sarah: (lachend): Das war eigentlich nur der Arbeitstitel, aber ich mag den Namen immer noch. Ich bin verantwortlich für den „See-Through“ Stuhl, also den Stuhl, durch den man hindurchsehen kann. Das Designkonzept spiegelt auch die Zielgruppe wider: Das sind Menschen, die in der Stadt leben, urban, die eher weniger Wohnraum zur Verfügung haben und mobiler sind. Aufgrund der geringen Wohnfläche finden viele unterschiedliche Dinge in einem Raum statt und Menschen wollen in der Lage sein, Möbel schnell und einfach zu bewegen. Deshalb ist dieser Stuhl auch so leicht.

Siehst du diese Entwicklung zu kleinem, mobilerem Wohnraum als einen Trend für das Leben in der Zukunft?

Sarah: Das ist sicherlich ein Trend. Aber wir müssen an alle Kunden denken. Neben der PS Kollektion bringen wir zum Beispiel die Stockholm Kollektion heraus. Diese ist für Menschen gemacht, die ein beständigeres Leben führen und länger an einem Ort bleiben wollen. Für jede Lebenssituation soll es also passende Lösungen geben.

Gibt es einen bestimmten Design-Trend, den du besonders gern magst?

Sarah: Ich persönlich liebe natürliche Materialien wie Holz, Leinen, Wolle – in Kombination mit einer intelligenten Herstellungsweise. Hier passt der „See-Through“-Stuhl als Beispiel, denn er wurde durch 3D-Stricken hergestellt: Eine alte Technik, die schon unsere Großmütter hätten anwenden können. Gleichzeitig kann man ganz unterschiedliche Materialien verwenden. Diese Verbindung von traditionellen Techniken mit intelligenten Materialien ist spannend und eine schöne Arbeitsweise. 

Auf den Democratic Design Days wurde ja auch gerade der dritte LIFE AT HOME REPORT vorstellt, der sich mit dem Leben der Menschen und dieses Jahr mit der Frage „What makes a home?“ auseinandersetzt. Nutzt du den LIFE AT HOME REPORT für deine Arbeit als Designerin?

Sarah: Absolut, sogar sehr intensiv. Es ist ein Privileg, so viele Informationen über das Leben der Menschen weltweit zur Verfügung zu haben und mit diesen arbeiten zu können. Der Report gibt uns spannende und hilfreiche Einblicke, die wir in unseren Designideen berücksichtigen. 

Und was ist ein No-Go für dich in deiner Arbeit?

Sarah: Ich sehe keinen Grund dafür, ein Produkt auf den Markt zu bringen, das keine Identität hat. Ich sage das als IKEA-Designerin, denn auch wenn wir jährlich Millionen von Produkten verkaufen ist es uns wichtig, dass die einzelnen Modelle eine Persönlichkeit haben. Es soll eine Beziehung zwischen dem Kunden und dem jeweiligen Produkt entstehen. Und das kann auf unterschiedliche Art und Weise passieren – durch Kommunikation zum Beispiel und das Erzählen der Geschichte der Entstehung, wieso und wie das Produkt entwickelt wurde. 

Woher nimmst du deine Inspiration?

Sarah: Unsere Kunden sind eine große Inspiration für meine Kollegen und mich. Wir wollen das Leben unserer Kunden besser machen. Mit Dingen, die die Menschen in ihrem alltäglichen Leben zu Hause unterstützen. Sei es, um ein schöneres oder intelligenteres Zuhause zu schaffen oder auch um Prozesse, wie die morgendliche Hektik, die Kinder rechtzeitig zur Schule zu schicken, zu erleichtern. All das inspiriert mich in meiner Arbeit. 

Ich schreibe für den deutschen IKEA-Unternehmensblog – gibt es etwas, was du mit Deutschland verbindest?

Sarah: Ich habe eine deutsche Kollegin, Wiebke, sie ist auch eine gute Freundin. Sie repräsentiert für mich Deutschland: Wiebke ist nett, höflich, loyal und liebenswürdig. Überhaupt gibt es viele Deutsche in Älmhult – und ich kann es verstehen, gerade im Sommer ist es wunderschön und idyllisch hier!

Weißt du noch, was eine deiner ersten Aufgaben bei IKEA war?

Sarah: Oh ja, ich durfte eine eher unattraktive Mikrowellenabdeckung umgestalten. Eine interessante Aufgabe, denn das Produkt sollte kostengünstig und gleichzeitig von guter Qualität sein. In dieser Zeit habe ich sehr viel über Plastik gelernt (lacht)! Überhaupt, jedes neue Projekt stellt uns vor Herausforderungen und ich lerne viel Neues – es macht einfach Spaß, als Designerin bei IKEA zu arbeiten. 


Die neue PS Kollektion, inklusive der bequemen und formschönen Stühle, gibt es ab Februar 2017 bei IKEA!