„Das willst du nicht wirklich mitnehmen?!“

Ich dachte immer, wenn ich mit meinem Freund zusammenziehe, werden wir uns vielleicht über die Farbe der Wände oder die Fronten der Küche streiten (sehr klischeehaft, ich weiß). Das aber letztlich mein Schreibtisch für die größte Auseinandersetzung sorgen würde, hätte ich nicht gedacht.

Aber so ist das, wenn man zusammenwohnt: Man muss Kompromisse finden und sie auch eingehen. Und deshalb gehört mein Freund jetzt wohl laut des diesjährigen Life at Home Reports zu den 40 Prozent der Menschen, die umgeben von Dingen leben, die sie nicht mögen, aber nicht wegwerfen können, weil sie nicht ihnen gehören.

Ikea Life At Home 2017 I Need My Space Tiff Verstecken ist nicht! Gerade wenn man sich jeden Raum teilt, müssen alle Mitbewohner offen miteinander reden und auch Kompromisse eingehen.

3, 2, 1… uns!

Generell ist das mit dem Eigentum so eine Sache: Wenn man zusammenzieht, wird aus „deins“ und „meins“ plötzlich „unser“. So ist meine Kleiderstange plötzlich zu unserer Kleiderstange geworden, weil er keinen Platz mehr für seine Hemden hatte – und so mussten meine Blusen und Blazer etwas näher zusammenrutschen, schließlich wohnt man jetzt zusammen. 
Aber so ein Umzug hat auch viel Befreiendes: 44 Prozent der Menschen weltweit empfinden es als erleichternd, Dinge auszusortieren und 22 Prozent freuen sich sogar richtig darüber. Auch wir hatten endlich einen Grund unsere Zimmer auszusortieren, denn wir wollten uns für die neue Wohnung auch vieles gemeinsam kaufen.

Zwischen Privatsphäre und Eigentum

Auch meinen Schreibtisch wollte mein Freund aussortieren, er hat ihn sogar direkt unseren Nachmietern angeboten. Wir waren uns einig, dass sein Schreibtisch auf jeden Fall mit in die neue Wohnung kommt, weil er größer ist. Aber wenn der Platz doch da ist, warum dann meinen schönen, erst ein Jahr alten Schreibtisch aufgeben? Vielleicht hat das auch ein bisschen mit Eigentum und Privatsphäre zu tun. Für viele ist Eigentum etwas, was sie selbst bezahlt haben oder häufiger als andere nutzen. Es ist auch Ausdruck von Identität, da viele Möbel die eigene Persönlichkeit widerspiegeln.

In einer gemeinsamen Wohnung sollten sich aber alle Mitbewohner wohlfühlen und einen Teil ihrer Identität auch in den kleinen Dingen wiederfinden, die ein gemeinsames Zuhause so heimisch machen. Dass das vielen schwerfällt, zeigt sich auch im Life at Home Report 2017: 44 Prozent der Menschen glauben, dass es „falsch“ sei, beim Einzug in die Wohnung eines anderen seine eigene Privatsphäre zu definieren. Dabei sind wir glücklicher mit unseren Mitbewohnern, wenn wir es schaffen, unseren eigenen Raum innerhalb der Wohnung zu finden und für uns zu beanspruchen.

Ikea Life At Home 2017 Living With Stuff We Hate But They Love 2 Aussortieren befreit, vor allem wenn es Gegenstände sind, die wir schon viel zu lang in irgendwelchen Kisten horten.

Weil es uns glücklich macht

Letzten Endes gibt es verschiedene Gründe, warum wir Dinge behalten, die andere vielleicht schon längst entsorgt hätten. Vielleicht weil sie uns einfach glücklich machen, so sehen es zumindest 44 Prozent der Befragten. Oder weil sie unser Zuhause verschönern und wir einfach stolz auf sie sind.
Und Kompromisse sind ja prinzipiell auch immer etwas Schönes. Man lernt viel über sich selbst und vor allem über sein Gegenüber, weil man sieht, was der Person wichtig ist. Da ist es dann egal, dass das Sofa jetzt in der anderen Ecke steht und eine andere Farbe hat, als man eigentlich gehofft hatte. Es passt trotzdem und vielleicht sogar noch besser, weil der Partner oder Mitbewohner sich darüber freut und sich etwas dabei gedacht hat. 
Mein Schreibtisch ist jedenfalls mit in die neue Wohnung gekommen – zum Glück: Die ersten Tage mussten wir ihn nämlich als Esstisch benutzen, weil der neu gekaufte erst eine Woche später kam.

ZUM VIDEO: 


Über Kompromisse beim Zusammenziehen und Zusammenwohnen geht es auch in unserer kleinen Umfrage: Wir waren in einem IKEA Einrichtungshaus unterwegs und haben Paare gefragt, wie ihre Wohnung aussehen würde, wenn sie allein entscheiden könnten und welche Kompromisse sie für ihren Partner eingegangen sind. Viel Spaß beim Anschauen!