Ein Wunderhaken, der einen ganzen Werkzeugkasten ersetzt

Es gibt kaum ein Produkt, das IKEA besser symbolisiert als der Inbus-Schlüssel. Jeder, der schon einmal ein IKEA Möbelstück zusammengebaut hat, hat ihn schon in der Hand gehalten: den kleinen, zweimal rechtwinklig gebogenen Haken, der einen ganzen Werkzeugkasten ersetzt. Rund 50 Millionen Stück davon bringt IKEA jährlich in die Welt. Doch anders als viele Menschen denken ist er keine Erfindung von IKEA. 

Entwickelt hat den Wunderhaken Bauer und Schaurte, die ihn 1936 erstmals patentieren ließen. Und auf dieses Unternehmen geht auch sein Name zurück: Das Akronym INBUS steht für „Innensechskantschraube Bauer und Schaurte“. Häufig wird der Name jedoch entgegen der markenrechtlich korrekten Schreibung „Imbus“ ausgesprochen. Heute gehört die Marke INBUS der INBUS IP GmbH mit Sitz in Breckerfeld.

Pe027961 Innensechskant ist ein Mitnahmeprofil für Schrauben mit einem Sechskant-Profil im Schraubenkopf. Der zugehörige Schraubenschlüssel mit Außen-Sechskantprofil heißt Innensechskantschlüssel oder auch Inbus.

Die Spanplatte ebnete den Weg für den Inbus-Schlüssel 

Bei IKEA wurde der Inbus-Schlüssel in den 1960er-Jahren eingeführt. Zu dieser Zeit begannen IKEA Produktentwickler und Designer, ein neues Material für die Herstellung von Möbeln zu verwenden: die Spanplatte. Die Spanplatte, auch Holzfaserplatte genannt, wird aus Holzabfällen aus Sägemühlen und der Holzverarbeitungsindustrie hergestellt. Sie war deutlich günstiger als Massivholz, das die Möbelindustrie bis dahin verwendet hatte. Durch das neue Material wurden die Möbel auch für die Kunden deutlich erschwinglicher. Für dieses neue Material wurden neue Beschläge entwickelt. So wurde erstmals eine Schraube mit einer sechseckigen Einprägung im Schraubenkopf (anstelle einer Öffnung für den Schraubendreher) verwendet. Für den sechseckigen Schraubenkopf brauchte man einen Innensechskantschlüssel – oder kurz Inbus-Schlüssel – zum Festziehen (auf Schwedisch heißt der Schlüssel übrigens „Insex“). Ganz neu war diese Lösung allerdings nicht: In Schweden wurde der Inbus-Schlüssel von anderen Möbeldesignern und Möbelherstellern bereits seit den 1950er-Jahren verwendet. 

Pe166155 In vielen englischsprachigen Ländern wird der Innensechskantschlüssel nach dem Unternehmen Allen Manufacturing Company (Hartford, Connecticut) Allen key genannt.

Die feinen Veränderungen 

1968 tauchte der Inbus-Schlüssel zum ersten Mal im IKEA Katalog auf, als die Sitzgruppe ROBIN und der Tisch POP 68 eingeführt wurden. Der Inbus-Schlüssel kam auch bei der PAX Küchenserie zum Einsatz.
Der erste Inbus-Schlüssel war durchgängig sechskantig, die neueren Varianten sind rund mit Kanten nur an den Enden. Diese Änderung erfolgte vor rund 20 Jahren aus verschiedenen Gründen, u.a. weil die runde Form angenehmer in der Handhabung ist. Anfangs wurden Inbus-Schlüssel in L-Form produziert, doch Mitte der 1970er-Jahre entwickelte ein Mitarbeiter die Z-Form, da sie eine noch schnellere Montage ermöglicht.

Heutzutage kommen in IKEA Möbeln in der Regel Exzenternocken und Dübel zum Einsatz, um die einzelnen Elemente miteinander zu verbinden, und die Verwendung des Inbus-Schlüssels wurde sehr reduziert, dennoch ist der Schlüssel immer noch ein wichtiges Symbol. Insgesamt kommen bei IKEA mehr als zehn verschiedene Versionen des Inbus-Schlüssels zum Einsatz. Und auch wenn andere Verbindungsarten an Bedeutung gewonnen haben verteilt IKEA immer noch rund 50 Millionen Stück der kleinen Schrauber pro Jahr. Diese werden von vier bis fünf Lieferanten weltweit produziert.

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