Ein Däne in Deutschland

Was es heißt, Landeschef bei IKEA Deutschland zu sein und was die Deutschen von den Dänen beim Thema Wohnen lernen können, das habe ich Dennis Balslev gefragt, der im Januar 2018 diese Aufgabe übernommen hat und derzeit gerade auf Rundreise durch Deutschland ist, um alle Einrichtungshäuser kennen zu lernen.

Ikea Cb Interview Dennis 02

Dennis, du bist seit Januar 2018 Landeschef von IKEA Deutschland. Wie waren die ersten 6 Monate?

Die ersten sechs Monate habe ich natürlich zunächst versucht, Deutschland ein bisschen besser zu verstehen. Im Gegensatz zu Dänemark ist Deutschland ein Land mit großen Gegensätzen. Schaut man sich zum Beispiel München und Berlin an, dann können Städte kaum unterschiedlicher sein: In Berlin leben viele Singles auf relativ kleiner Fläche. Junge Menschen schätzen die Infrastruktur einer Großstadt und haben teilweise gar keinen Führerschein mehr. Das bedeutet, dass in Berlin der Lieferservice besonders wichtig ist. In München hingegen haben Menschen in der Regel mehr Platz und Geld zur Verfügung und wünschen sich vor allem Unterstützung beim Aufbau der Möbel. Darauf versuchen wir uns einzustellen. Es gibt einfach nicht DEN Durchnitts-Deutschen. Und dann ist natürlich auch die reine Größe des Landes beeindruckend. Ich versuche im Moment, alle Einrichtungshäuser zu besuchen. In Dänemark hätte ich das in wenigen Tagen geschafft. In Deutschland brauche ich dazu bis zum Herbst.

Was können die Deutschen beim Thema Wohnen von den Dänen lernen?

Ich glaube, für die Dänen ist das Zuhause wichtiger als für die Deutschen. Das hat vielleicht etwas damit zu tun, dass es in Dänemark lange Zeit im Jahr kalt und dunkel ist. Den Dänen ist auch Design sehr wichtig. Wir sind mit vielen großen Designern aufgewachsen, dänisches Design ist in der ganzen Welt bekannt.

Ikea Cb Interview Dennis 01

Otto hat gerade seinen gedruckten Katalog eingestellt. Wie geht es mit dem IKEA Katalog weiter, wird es ihn nach wie vor in gedruckter Form geben?

Ja, wir haben derzeit keine Pläne, den gedruckten IKEA Katalog einzustellen. Allerdings bieten wir inzwischen auch eine digitale Variante auf IKEA.de an, sodass die Kunden die Wahl haben, in welcher Form sie den IKEA Katalog nutzen wollen. Unsere Kunden lieben den IKEA Katalog! Es gab vor einiger Zeit einen Versuch in Schweden, den Katalog nur noch online anzubieten. Die Kunden haben sehr klar gesagt, dass sie die gedruckte Variante zurück haben möchten. Der Katalog ist für sie auch eine Inspirationsquelle und nicht nur ein Produktkatalog. Wir wissen, dass viele Menschen die Kataloge sogar sammeln und aufheben.

Was siehst du als die größte Herausforderung für die Zukunft?

Die Kunden wünschen sich, dass sie bei IKEA unkompliziert und bequem einkaufen können, wann und von wo sie möchten. Das heißt, wir müssen unseren Multichannel-Ansatz weiter ausbauen. Nachdem man inzwischen das gesamte Sortiment auch online bestellen kann, haben wir in den letzten Monaten auch daran gearbeitet, unsere Homepage für die mobile Nutzung zum Beispiel vom Handy aus zu optimieren. Unser Online-Geschäft wächst derzeit zweistellig und wir haben unsere Liefergeschwindigkeit deutlich verbessert. In allen Häusern bieten wir unseren Kunden inzwischen eine Lieferung am selben oder spätestens am Folgetag an. In den Häusern Hamburg, Berlin, München und Duisburg ist dieser Service auch online buchbar.

Lieber Dennis, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Spaß bei deiner Tour durch Deutschland.