Ein PAX voller schöner Dinge – Interview mit Jana von bekleidet

Der Kleiderschrank ist ein Spiegel des persönlichen Geschmacks. Wer würde da nicht gerne mal bei Fremden hineinschauen? Bloggerin Jana von bekleidet hat es andersherum getan, für IKEA hat sie sich in eine andere Person eingefunden und deren Kleiderschrank eingerichtet. Wir haben uns mit ihr unterhalten und herausgefunden, was an der Aufgabe besonders schwierig war, aber auch, was für sie im Leben wichtig ist. 

Jana, du hast vor kurzem für IKEA einen Kleiderschrank gefüllt. Wie hast du dich auf die Aufgabe vorbereitet? Welche Herausforderungen gab es bei dem Projekt?

Ich habe zuerst ein Pinterest Board angelegt. Das ist fast immer mein erster Schritt, wenn es um ein neues, kreatives Projekt geht. Pinterest ist für mich eine unendliche Quelle an Inspirationen und so habe ich alle Ideen auf einem Blick. Gerade weil die Protagonistin einen ganz anderen Stil und eine ganz andere Persönlichkeit hat als ich, habe ich versucht, mich irgendwie in die Rolle hineinzudenken, irgendwie ist es doch etwas anderes, wenn man plötzlich einen ganz anderen Stil bedienen muss. Mein Ziel war, dass der Schrank farbenfroh und abwechslungsreich aussieht, eben so, wie ein Schrank tatsächlich bei jemandem Zuhause aussehen könnte, aber trotzdem harmonisch und nicht zu überladen.

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Was ist für dich besonders wichtig an oder in einem Kleiderschrank? Auf welche Dinge könntest du nicht verzichten? 

Ausreichend Stauraum ist das Wichtigste, um Ordnung zu halten und gerade weil ich gar nicht gerne bügele, habe ich gerne möglichst viel Platz zum Aufhängen. Zu meinen liebsten Sachen gehören schwarze Stiefeletten, die zu ziemlich jedem Outfit passen und bequem sind. Eine schlichte Oversize Bluse, die sich zu einfachen Jeans kombinieren lässt und Grobstrickpullover, weil ein Strukturmix ein Outfit oft erst besonders interessant macht.


Hast du Tipps hinsichtlich der Organisation eines Kleiderschrankes, sortierst du nach Farben, Styles oder Lieblingsstücken... oder vielleicht auch ganz anders?

Ich habe meinen Kleiderschrank nach Farben sortiert, was vor allem einen ästhetischen Grund hat. So wirkt der Schrank aufgeräumter und harmonischer. Allerdings ist es nicht unbedingt praktischer, weil man schnell mal die Hose vergisst, die zwischen all den Tops hängt. Wenn ich meinen Kleiderschrank neu sortieren würde, würde ich das nächste Mal vielleicht eher nach Kleidungsart sortieren, damit ich alles gleich auf einem Blick habe.

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Du selbst kleidest dich am liebsten nach deiner Stimmung, kannst du uns mehr darüber erzählen, heißt das, du wechselt die Kleidung häufiger am Tag, täglich ein neuer Stil oder ganz anders? 

Ich finde es sehr schwer, mich komplett auf einen Stil festzulegen, ich bin ja morgen nicht die gleiche Person wie die, die ich heute bin. Manchmal möchte ich mich gerne schick kleiden, mit einem schönen Rock und einer Bluse und oft trage ich gerne sehr reduzierte Outfits und verzichte komplett auf Muster. Wenn man einen bestimmten Stil verfolgt, ist das sicher ein gutes Markenzeichen, aber ich denke, man verpasst auch so viele andere Möglichkeiten. Einen neuen Stil auszuprobieren, ist manchmal auch eine gute Möglichkeit, in eine neue Rolle zu schlüpfen und einen Cut zu machen. Es kann auch ein symbolischer Neustart sein, wenn man mit der jetzigen Situation nicht zufrieden ist und gerade mal neu anfangen oder irgendetwas ändern muss.  


Du hast gerade eine neue Wohnung eingerichtet, welches Zimmer hat dir am meisten Spaß gemacht und warum?

In der alten Wohnung war der Balkon mein liebster Platz. Unser jetziger ist leider sehr klein und zur Hauptstraße gelegen. Dafür sind unsere Räume viel größer und ich hatte mehr Möglichkeiten, den Platz zu nutzen. Mein Lieblingsplatz ist das Wohnzimmer. Deshalb habe ich meinen Schreibtisch auch vom Arbeitszimmer in das Wohnzimmer versetzt. Hier ist es durch die zwei großen Fenster schön hell und die großen Pflanzen machen das Zimmer ein wenig lebendiger.

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Stichwort Interior Design, welche Stilrichtungen findet man in deiner Wohnung, welche Styles liebst du und warum, was inspiriert dich?

Ich habe eine sehr monochrome Basis: Fast all unsere Möbel sind weiß, schwarz oder grau und nur wenige aus dunklem Holz. Durch Pflanzen und Dekoration habe ich ein paar leichte Akzente gesetzt. Vor allem Naturfasern haben es mir angetan: Bast, Jute, Sisal – diese Materialien bringen unglaublich viel Wärme in einen Raum und ergänzen sich super mit den monochromen Möbeln. Ich habe gerade einen tollen Dekospiegel aus Weide gekauft und geflochtene Körbe aus Marrakech mitgebracht.

 

Was bedeutet nachhaltiges Leben für dich?

Nachhaltig Leben hat viel damit zutun, sich bewusst zu werden, wo man steht und was man tun kann. Ich denke, es ist am wichtigsten, sich und andere nicht gleich zu verurteilen, sondern einfach anzufangen, einen Schritt in die richtige Richtung zu machen. Ich glaube, viele von uns verschließen die Augen aus Selbstschutz, in dem Wissen, dass sie gar nicht alles richtig machen können oder auch wollen. Aber ein kleiner Schritt ist besser als gar keiner. Mein Professor für Landschaft und Naturhaushalt meinte einmal, niemand ist perfekt und wir haben alle Leichen im Keller. Niemand hier ist ein Selbstversorger, der im Wald lebt und sich autark ernährt. Aber schlimm sind die, die sich darauf ausruhen und deshalb gar nichts richtig machen wollen. So sehe ich das auch. Vielleicht möchte nicht jeder auf Fleisch verzichten, aber man entscheidet sich, bewusster zu konsumieren. Das fände ich super.

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Achtest du beim Einkaufen, auch beim Kauf von Möbeln, auf nachhaltige Produktion?

Während ich gerade in meiner Studienzeit vor allem auf das Geld geachtet habe und einfach gekauft habe, was günstig ist, plane ich mittlerweile viel langfristiger. Ich achte vor allem darauf, dass ich das Möbel langfristig nutzen kann und werde. Zum einen greife ich deshalb gerne zu schlichten und zeitlosen Möbeln, zum anderen achte ich auf die Qualität und Langlebigkeit. Wir bekommen jetzt zum Beispiel einen extra für uns angefertigten Esstisch, mit Holz, das wir uns selbst ausgesucht haben. Auf den freue ich mich sehr und der wird uns hoffentlich viele Jahre begleiten. Aber ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich nicht auch über Schnäppchen freuen würde.


Wenn du eine Sache auf der Welt abschaffen könntest, was wäre das? 

Eine Welt ohne Nazis und Rassismus wäre schonmal um einiges schöner. :)

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Was hältst du von Trends, gerade Influencer gehören zu den wichtigsten Trendsettern, welchen Trend würdest du gerne setzen?

Ich glaube Trends gibt es, seitdem es die Menschheit gibt und ich finde sie sehr interessant. Sie sagen viel über unsere Gesellschaft aus und das, was die Leute derzeit bewegt. Ich finde es auch immer wieder interessant, zu sehen, wie kurzlebig Modetrends im Vergleich zu Interior Trends sind. Ich glaube mittlerweile nicht einmal, dass gerade Influencer unbedingt große Trends setzen. Lidewij Edelkoort meinte letztes Jahr: "Jeder schaut heute nur noch auf Instagram und hält das für die absolute Wahrheit, deshalb sieht auch alles gleich aus. Die wahre Avantgarde hat sich längst wieder von dieser Plattform abgewendet. Wir alle dachten am Anfang, Social Media bringt mehr Vielfalt, aber im Grunde bringt es eher Gleichförmigkeit.“ Ich sehe das sehr ähnlich. Gerade auf dieser Plattform wird mittlerweile eher das gezeigt, was funktioniert und die wenigsten probieren sich noch aus oder experimentieren mit neuen Trends.

Am liebsten würde ich den Trend setzen, eine Meinung zu haben und sie auch zu äußern. Ich finde es wichtig, seine Reichweite irgendwo auch sinnvoll zu nutzen und über Themen abseits von Fashion und Beauty zu diskutieren und während ich vor allem bei immer mehr Brands sehe, dass sie Stellung beziehen, fehlt mir das vor allem bei Social Media Persönlichkeiten. Es sollte wieder Trend sein, sich für Politik und gesellschaftliche Themen zu interessieren. Mich würde zum Beispiel wahnsinnig interessieren, welche Meinung die Influencer zum Thema große Koalition haben und wofür sie Stimmen würden. Oder selbst wenn sie keine Meinung haben, einfach mal ihre Follower fragen, was sie zu dem Thema denken und so eine Diskussion anregen. Ich mache das sehr häufig und habe auch von Menschen mit anderen Meinungen noch nie negatives Feedback dazu bekommen. Im Gegenteil, die Leute finden es gut, dass auch über solche Themen gesprochen wird.

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Reichtum oder Bewusstsein – wofür würdest du dich entscheiden und warum? 

Ein gewisses finanzielles Polster bringt eine Sicherheit mit sich, aber wenn ich kein Bewusstsein habe, bringt mir jede noch so große Summe letztendlich rein gar nichts. Also hätte ich definitiv lieber ein Bewusstsein.


Was bedeutet Bewusstsein für dich? 

Ich würde sagen das Bewusstsein ist die eigene aktive Wahrnehmung meiner Selbst und äußerer Einflüsse. Durch unser Bewusstsein können wir denken, lernen, erinnern, verarbeiten…

 

Stichwort „Bewusst genießen“ – wann und mit was hast du das das letzte Mal getan?

Ich genieße täglich, vor allem gutes Essen. Kochen ist eine Leidenschaft für mich und meinen Freund, wobei er meistens kocht und ich viel lieber esse ;) Ich genieße aber auch gerne die Zeit, ein gutes Buch zu lesen und vor kurzem habe ich Meditation für mich entdeckt. Ich hätte nie gedacht, wie viel diese stillen Minuten einem geben können.

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Welche Charaktereigenschaft hättest du gerne? 

Ich wäre wahnsinnig gerne enthusiastischer. Mir fällt es manchmal ziemlich schwer, offen meine Begeisterung für eine Sache zu zeigen und beschreibe selbst Herzensangelegenheiten lieber mit einem „ist ganz gut“, als mit voller Leidenschaft. Bei Komplimenten möchte ich, statt mich zu freuen, meist lieber im Erdboden versinken und ich glaube, es wäre so viel einfacher und schöner, sich einfach nur darüber zu freuen.

 

Und welche würdest du gerne abgeben?

Ich bin oft komplett versunken in meiner eigenen Welt und bekomme rein gar nichts von meiner Umwelt mit. Einmal hat sich eine Freundin im Bus auf den Platz neben mir gesetzt und ich habe es erst drei Haltestellen später gemerkt, weil sie so kicherte. Dadurch entgeht mir sicher so einiges und wenn ich daran denke, wie viele Leute ich deshalb gar nicht erst gesehen und gegrüßt habe, macht mich das bestimmt nicht gerade beliebter.

 

Das letzte Wort?

Schön, mal komplett andere Fragen beantworten zu dürfen, deren Antworten ich nicht mittlerweile automatisch runterrattern kann. :)