#IWD: Wie Frauen IKEA in Saudi Arabien gestalten

Zu den wichtigsten Grundwerten bei IKEA gehört die Gleichberechtigung der Geschlechter. Was bei uns in Deutschland so selbstverständlich ist, dass es fast schon banal klingt, ist in einem Land wie Saudi Arabien keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Hier, wo Frauen erst seit kurzem Auto fahren dürfen und die Frauenerwerbsquote bei gerade mal rund 20 Prozent liegt, setzt IKEA Zeichen: Es gilt auch hier das Ziel, gleich viele Frauen und Männer auf allen Positionen – auch unter den Führungskräften – zu haben. Bei IKEA Dschidda Saudi Arabien haben unsere Kollegen Sofia Zetterman (Text) und Magnus Glans (Fotos) eine Frau getroffen, die eine echte Pionierin ist: Areej Abouf (32) leitet die Abteilung Kommunikation & Interior Design und führt damit ein gemischtes Team – in einer von Männern dominierten Gesellschaft noch immer eine große Ausnahme. „Die IKEA Werte sind im Unternehmen stark verwurzelt. Wir arbeiten hier als echtes Team zusammen”, sagt sie.

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Frauen bei IKEA Dschidda

Die Geschichte der Frauen bei IKEA Dschidda begann 2013. Damals erhielt Sara Al Sowayegh (35) als erste Frau einen Managerposten im IKEA Einrichtungshaus – und das bei 400 männlichen Mitbewerbern! Heute ist Sara die Landesverantwortliche für die Sortimentspräsentation in den IKEA Einrichtungshäusern in Saudi Arabien. Und es war Sara, die im Februar letzten Jahres ihre frühere Kollegin Areej Abouf überzeugte, ihr auf den Posten des Abteilungsleiters Kommunikation & Interior Design (abgekürzt Com&In) zu folgen. Denn Areej hatte zunächst Zweifel: „Ich fand IKEA schon immer toll – ich bin gewissermaßen im IKEA Bällebad aufgewachsen. Aber ich hatte eine gute Stelle in der Designbranche und dachte, dass die Arbeit bei IKEA sich nicht von meinem Job unterscheiden würde.” Doch ein Besuch in der Com&In-Abteilung überzeugte sie: „Da passierte so viel: Frauen schoben Transportkarren, standen auf Leitern und bohrten, strichen Wände. Alle anderen Inneneinrichter-Jobs, die ich kannte, fanden am Schreibtisch statt. Hier arbeitete man überall, und zwar Frauen und Männer zusammen.”

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Durch Persönlichkeit überzeugt

Als sie den Einrichtungshauschef zum Vorstellungsgespräch traf, glaubte sie zuerst nicht, dass da eine Führungskraft vor ihr saß: „Ich dachte, das sei ein normaler Mitarbeiter des Einrichtungshauses. Er saß hinter einem normalen Schreibtisch, stellte sich mit seinem Vornamen vor und hatte keinen Titel auf seinem Namensschild stehen. Und er war so offen, persönlich und dabei so bescheiden! Da habe ich mich entschieden, dass ich hier arbeiten möchte!” 

Areejs Ansicht nach sind es die IKEA Werte, die das Unternehmen von anderen im Land unterscheiden: „Sie machen uns zukunftsfähig, da sie jeden ermutigen, sich weiterzuentwickeln.“ Areejs Lieblingswert ist „Wir kümmern uns um die Menschen und unseren Planeten“. Weil die Menschen – Mitarbeiter wie Kunden – der Schlüssel zum Erfolg sind. Deshalb ist es auch so wichtig, eine gute Arbeitsumgebung zu schaffen: „Andere Unternehmen konzentrieren sich allein aufs Geschäft – bei uns stehen die Mitarbeiter immer im Mittelpunkt. Sie sind an allem beteiligt, ich habe noch nie ein Unternehmen mit solch einer Transparenz erlebt. Und unsere Werte bringen auch neue Mitarbeiter dazu, sich zu verändern und zu wachsen.” 

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IKEA fördert die Akzeptanz von Frauen 

Einer, der innerhalb eines Jahres bei IKEA die Dinge anders zu sehen gelernt hat, ist Aurangzeb „Auzi” Alam (32), Graphic Coordinator in der Com&In-Abteilung: „Ich bin mit der Selbstverständlichkeit aufgewachsen, dass Männer besser als Frauen sind. Das sehe ich heute anders, IKEA hat mir da die Augen geöffnet. Bei meinem vorherigen Job gab es überhaupt keine Frauen. Und heute ziehe ich weibliche Manager sogar vor! Es ist ganz normal bei IKEA, mit Frauen zusammenzuarbeiten – sie sind wie Schwestern für mich, wir sind eine große Familie.”

Von den 500 Mitarbeitern bei IKEA Dschidda sind 85 Frauen – heute. Denn der Frauenanteil wächst stetig. Ziel ist es, dass Frauen die Hälfte der Belegschaft ausmachen. Com&In, Personalabteilung, Kundenservice und Möbelausstellung – überall gibt es weibliche Führungskräfte. In ihrem ersten Jahr als Com&In-Managerin achtete Areej auf geschlechtliche Gleichstellung: „Vor meiner Zeit waren unter den 28 Mitarbeitern nur drei Frauen. Heute sind es genauso viele wie Männer”, sagt sie stolz. Und fügt hinzu, dass es viele Vorteile gäbe, Frauen anzustellen: „Frauen und Mütter sind zu Hause meistens die Entscheidungsträger und wissen daher am besten, was unsere Kunden wollen. Saudische Frauen sprechen mit anderen saudischen Frauen, insofern ist hier im Einrichtungshaus sicherlich ein femininer Touch zu spüren.”

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Öffnungszeiten bis spät nachts 

IKEA Dschidda ist am Wochenende bis ein Uhr nachts geöffnet, während des muslimischen Fastenmonats Ramadan sogar bis drei Uhr. Für viele Familien ist es unvorstellbar, dass Frauen nachts arbeiten, obwohl die meisten Chauffeure haben, die sie nach Hause fahren könnten. „Doch die IKEA Werte sind von vielen Mitarbeitern in ihre Familien hineingetragen worden. IKEA ist unser zweites Zuhause und unsere Familien sorgen sich nicht mehr, wenn wir bis spät arbeiten”, sagt Areej. 

Das Fehlen von Kinderbetreuungseinrichtungen ist der Hauptgrund dafür, dass gebildete, qualifizierte Frauen in Saudi Arabien doch Hausfrauen werden. IKEA versucht das zu ändern und plant, als erstes Unternehmen im Land, eine Vorschule für die Mitarbeiterkinder zu eröffnen. Die Situation von Frauen in Saudi Arabien ändert sich aber auch außerhalb von IKEA. Auch die Regierung schafft Arbeitsstellen für Frauen. Areej: "Das Land wandelt sich, die Regierung und die Menschen denken anders als früher. In den letzten zehn Jahren hat sich viel verändert.”

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Gleichberechtigung durch Kompetenz 

Für Areej, Wijdan, Omnia, Sara und andere saudische Frauen gilt aber nach wie vor, dass sie ihre Kompetenz erst beweisen müssen. Immer noch gibt es kulturelle Barrieren, die es Frauen erschweren, unter denselben Bedingungen wie Männer Karrieren zu machen. „Wir müssen erst zeigen, dass wir fähig sind, Entscheidungen zu treffen, Ergebnisse zu liefern und gleichzeitig Manager und Mütter zu sein. Wir sind die ersten Frauen, die hier arbeiten, und wir haben bereits für viele Veränderungen gesorgt“, erzählt Sara und umarmt das Einrichtungshaus-Team. Areej fügt lächelnd hinzu: „Ich bin stolz, wenn Leute schockiert sind, wenn sie mich mit einem Schraubenzieher in der Hand eine Leiter hinaufklettern sehen. Wir sind die neue Frauengeneration in Saudi Arabien. Bislang galt Lehrerin als der angesehenste Beruf für Frauen. Übrigens: Ich werde nicht aus diesem Einrichtungshaus weggehen, bevor nicht alle Frauen in meinem Team eine Führungsposition innehaben. Ihr werdet sehen, wir Frauen werden dieses Einrichtungshaus übernehmen und führen!”