„Lebst du Lagom?“

Wenn mein Freund in der Küche steht und mich fragt, wie viel Butter ich auf meinem Brot haben möchte oder wie viel Kakaopulver in die Milch soll, weiß ich oft nicht genau, was ich darauf antworten soll. Meistens antworte ich etwas wie: „Na, eben genau richtig viel“. In Schweden gibt es extra dafür ein Wort: „Lagom“. Ein Begriff der wie „hygge“ zur Zeit in vieler Munde ist. Es bedeutet genau das: „Nicht zu viel und nicht zu wenig, also genau richtig“. So sagte es auch die Mutter von Michel aus Lönneberga, aus den bekannten Geschichten von Astrid Lindgren, als der Vater danach fragt, wie sie die „Köttbullar“ mache: „Lagom stora, lagom runda och lagom bruna“ (so groß, rund und braun, wie sie sein müssen). 

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Genau richtig

Was hat es mit „Lagom“ eigentlich auf sich und woher stammt der Begriff? Der Legende zufolge stammt das Wort aus dem 11. Jahrhundert, als in einer Wikingerrunde ein mit Wein gefülltes Horn herumgereicht wurde aus welchem jeder maßvoll trank, damit es für die gesamte Gruppe reichte. Aber Lagom ist nicht nur ein Wort, welches beschreibt, dass etwas gerade richtig ist, es beschreibt eine in Schweden weit verbreitete Einstellung. Mit Lagom lässt man das Überflüssige einfach weg, man genießt auch die gewöhnlichen Dinge des Alltags und räumt den Dingen, die man am meisten genießt, den größten Wert ein. Etwas das uns manchmal genau fehlt im Alltag. Während wir im Café sitzen und eigentlich den leckeren Kaffee oder den frischen O-Saft genießen sollten, mit den Gedanken aber mal wieder bei der Arbeit sind, fehlt das genau richtige Maß. Manchmal ist es das Maß an Arbeit, manchmal ist es die Freizeit die zu kurz kommt. Genau das beschreibt Lagom, das perfekte Mittelmaß. 

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Die glücklichen Schweden

Nehmen wir Lagom noch etwas genauer unter die Lupe. Schweden landet im Ranking der glücklichsten Länder regelmäßig unter den Top Ten. (Deutschland lag 2017 übrigens auf Platz 16.) Viele haben es sich zur Aufgabe gemacht, den Grund dafür zu finden - warum sind die Schweden so glücklich? Lagom ist eine neue Antwort darauf, es wird wie eine Art Formel behandelt. Sie wird von einigen sogar als die Glücksformel bezeichnet. Denn Lagom beinhaltet: „Entrümpelung, Vereinfachung, den Abbau von Vorurteilen und das Beschreiten eines ehrlichen Weges“, schreibt Linnea Dunne in ihrem Buch „Lagom – Glücklich leben in Balance“. Sie geht noch weiter und sagt: „Es umfasst Begriffe wie Zugehörigkeit und gemeinsame Verantwortung“. 

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Zurück zur Intuition

Nach Hygge also schon wieder ein neuer Trend, der fordert, sofort alles stehen und liegen zu lassen und mit allem aufhören zu müssen? Nein, nicht mit Lagom, denn wenn wir mal ehrlich sind und uns einen Tag lang überlegen, ob es lagom ist dieses oder jenes zu tun, werden wir schnell feststellen, dass wir intuitiv die richtige Antwort kennen. Denn wir haben bereits dieses intuitive Wissen über das richtige Maß in vielen Bereichen. Es liegt uns im Blut, wir müssen uns nur trauen, wieder auf unsere innere Stimme zu hören. Also lasst uns zurücklehnen, die kleinen Dinge des Alltags genießen, denn wir sind mehr lagom als wir denken. Lagom erinnert uns daran, dass wir manchmal einfach nur den Blickwinkel etwas ändern sollten. 

Möchtest du ein bisschen mehr lagom leben? Dann probiere doch schon mal, auf dem Weg zur Arbeit die Kopfhörer in der Tasche zu lassen und aktiv den Vögeln oder den Straßengeräuschen zuzuhören. Vielleicht lacht irgendwo ein Kind? Solche Momente können einem schon die perfekte Auszeit von technischen Medien bieten die man braucht. Oder schaue die nächste Serie nicht direkt in einem Stück durch, rationiere dir lieber die einzelnen Folgen und freue dich am nächsten Tag auf eine neue Episode. Finde das richtige Maß und schon ist dein Alltag ein bisschen mehr lagom! 

https://www.ikea-unternehmensblog.de/article/2018/lagom