„Leben auf kleinem Raum ist kein Problem – mit dem richtigen Einrichtungskonzept“

Ein Haus mit 50m² Wohnfläche, keine klassischen Türen im Innenraum und ein Bad, das gerade einmal eine Größe von 2m² misst: Wer über Wohneigentum nachdenkt, hat oft andere Vorstellungen. Doch gerade das kompakte und flexible Wohnkonzept eines „Tiny Houses“ ist für viele Menschen in Zeiten von immer begrenzterem Wohnraum in Großstädten und der Entwicklung hin zu einem mobilen und gleichzeitig nachhaltigen Lebensstil eine perfekte Alternative. 

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Mit dem richtigen Einrichtungskonzept lässt es sich auch auf kleinstem Raum individuell und richtig gut leben. Ich habe hierüber mit Michael Haas, Interior Design Leader Marketing bei IKEA Deutschland, gesprochen. Er ist Experte, wenn es um die Einrichtung kleiner Räume geht. Für den „Green Living Space“ – ein 50m² großes Musterhaus, das in Kooperation mit SchwörerHaus, Gira und Vaillant entstanden ist – hat er das gesamte Wohnkonzept entworfen. Seit Mitte November kann dieses in der FertighausWelt in Hannover-Langenhagen besucht werden. 

Interview Michael Haas Portrait 02

Michael, bei IKEA sind flexible Einrichtungslösungen für kleine Räume nichts Außergewöhnliches. Was hat die Gestaltung des Wohnkonzepts für den Green Living Space so besonders gemacht?

Michael: Wenn wir ein Interieur planen, machen wir uns zu Beginn immer Gedanken über die Lebenssituation der Menschen, die dort leben könnten. Das Konzept des Green Living Space ist ein Haus, das vor allem für Paare mit einem flexiblen Lebens- und Arbeitsrhythmus interessant ist. Oft verschmelzen heute Wohnen und Arbeiten miteinander – und dies auch auf kleinem Raum zu berücksichtigen, war hier die größte Herausforderung. 

Ich habe mit einem fiktiven Paar – beide Ende zwanzig – gearbeitet: Sie ist Studentin und er arbeitet als Koch und Blogger. Auf ihren 50m² benötigen sie neben Platz zum Schlafen, Essen und Leben also auch die Möglichkeit lernen und arbeiten zu können. Dazu finden in den eigenen vier Wänden regelmäßig Kochworkshops mit Gästen statt – bevorzugt mit selbst angebautem Gemüse. 

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Das klingt wirklich nach einer Herausforderung. Wie hast du es geschafft, diese Lebensbereiche alle in deinem Konzept zu berücksichtigen?

Michael: Im Innenraum gibt es, bis auf die Toilette, keine abgetrennten Räume. Im Zentrum des länglichen Grundrisses steht eine Mittelkonsole, in der das 2m² große Bad untergebracht ist - die Toilette liegt separat. Durch den klugen Einsatz eines schmalen Waschbeckens und einer Dusche, ist hier trotz geringer Fläche ausreichend Platz. Die Mittelkonsole trennt außerdem den Schlaf- und Wohnbereich optisch voneinander.
Besonders wichtig war der Einsatz von Vorhängen und Stoffen, welche Wohnen und Schlafen zusätzliche trennen und Intimität schaffen. Bei Bedarf können diese jedoch einfach zur Seite geschoben werden und die Strukturen können im Handumdrehen aufgelöst werden. Auf der Seite der Mittelkonsole, die zum Wohnraum zeigt, befindet sich eine kleine Küche, deren Arbeitsfläche durch Wandklapptische beliebig erweitert werden kann. Solche flexiblen Lösungen sind bei kleinen Räumen immer ein echter Pluspunkt. Ein ähnliches Prinzip haben wir für den Arbeits- und Essbereich gewählt. Tische, die auf Rollen stehen, können zum Arbeiten an die Wand oder zum Essen in die Mitte des Raumes geschoben werden – bis zu 12 Personen könnten hier an einer langen Tafel Platz finden. Auch für Übernachtungsbesuch ist gesorgt: Die Sofalandschaft lässt sich schnell zu einem Schlafsofa umfunktionieren. 

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Und wie sieht es mit Stauraum aus?

Ausreichend Platz für Kleidung, Handtücher, Arbeitsbedarf und alles was man so besitzt, haben wir durch eine durchgehende Aufbewahrungswand geschaffen. Die drei weiteren Wände des Tiny Houses bleiben so frei. Über die gesamte Wandlänge vom Wohn- bis zum Schlafbereich erstrecken sich verschiedene Aufbewahrungslösungen. Hier war uns besonders wichtig, dass sich die einzelnen Möbelstücke optisch unterbrechen, damit ein lockerer, frischer Gesamteindruck entsteht. Wir haben uns hier an verschiedenen Systemen von IKEA PAX bis IKEA METOD bedient. Ich finde ja, dass die Aufbewahrungswand ein kleines Kunstwerk in sich ist. 

Sogar eine Waschmaschine und ein Mülltrennsystem haben hier Platz gefunden. Optisch ist dieser Bereich durch die Mittelkonsole und weitere Vorhänge getrennt. Verschiedene Haken in Wandfarbe sind außerdem eine tolle Lösung, um Aufbewahrungsfläche zu schaffen, die sich unauffällig in das Gesamtbild einfügt. 

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Apropos Farbe! Gibt es ein bestimmtes Farbkonzept, das du für den Green Living Space gewählt hast?

Wir haben uns vor allem auf die Farbe Weiß fokussiert. Weiße Wände und weiße Möbel schaffen Weite und lassen Räume einfach größer wirken. Ein heller Holzboden und schöne Textilien sorgen für skandinavische Gemütlichkeit.

Auf dem Dach des Green Living Spaces gibt es noch eine Dachterrasse. Kannst du uns hierüber noch etwas erzählen?

Mit der Außenfläche haben wir den Wohnraum erweitert. Das Dach des Hauses ist vollständig begehbar und über eine Außentreppe erreichbar. Eine offene Metallkonstruktion kann zum Einspannen von Stoffen genutzt werden, um vor Sonne oder Regen zu schützen oder dient als Rankhilfe für Gemüse und Pflanzen. Denn die Dachterasse soll vor allem als grüne Oase nutzbar sein, die ausreichend Platz zum Anbau von Gemüse bietet. Das Thema „Urban Gardening“ ist für viele Menschen heute sehr wichtig geworden und da liefert der Green Living Space deutlich mehr Möglichkeiten als jeder gute Stadtbalkon.

Vielen Dank, Michael, für das wirklich spannende Gespräch!

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Das sind die 6 Tipps von Michael für die Gestaltung von kleinem Wohnraum:

  • Weiße Wände und weiße Möbel schaffen Weite und lassen den Raum größer wirken -  dekoriert werden darf dann gerne mit schönen Textilien, um Gemütlichkeit zu schaffen.
  • Aufbewahrungsmöglichkeiten für kleine Räume können sehr gut durch verschiedene Hakenlösungen in Wandfarbe und Regalbretter, die direkt unter der Decke angebracht werden, geschaffen werden.
  • Platz für Gäste ist immer: Ein Bettsofa sollte in keiner kleinen Wohnung fehlen.
  • Wandklapptische und fahrbare Tische eignen sich super, um den bestehenden Raum so flexibel wie möglich nutzen zu können.
  • Vorhänge eignen sich sehr gut, um Bereiche voneinander zu trennen. Sie lassen sich aber ebenso gut abnehmen, sobald mehr Fläche benötigt wird.
  • Der kreative Einsatz von Produkten und Möbeln lohnt sich: Eine Bilderleiste kann zum Beispiel eine tolle Aufbewahrung in der Küche sein.

Das Konzept eines Tiny Houses klingt spannend? Dann schaut doch auch mal hier vorbei: Große Ideen für kleine Häuser – das Tiny Town House