Wie ein kleiner Beistelltisch das IKEA Konzept begründete

Als LÖVET Mitte der 50er Jahre von Ingvar Kamprad ins Sortiment seines Möbelhauses in Älmhult aufgenommen wurde, mochten ihn die Kunden sofort: „Ein reizender, kleiner Tisch, ultramodern im Design mit gedrechselten Beinen. Die Tischplatte ist aus wunderschönem Palisanderholz und schwarzen Beinen mit Endstücken aus Kupfer. Dieser Tisch kam sofort bei den Kennern im Einrichtungshaus in Älmhult an. Montierbar.“  Das schrieb Ingvar Kamprad selbst über LÖVET im IKEA Katalog von 1956. 

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Dass LÖVET für IKEA mehr wurde als nur ein erfolgreicher Beistelltisch, dafür ist auch Ingvars loyaler Freund Gillis Lundgren verantwortlich. Der damalige Marketingleiter und spätere Designer einiger der berühmten IKEA Klassiker wie dem BILLY Bücherregal, dem ÖGLAN Stuhl und dem TORE Schubladenelement, war zwar nicht der Designer des LÖVET Tischs. Denn dieser wurde von der Möbelfabrik Big in Rörvik, ein paar Kilometer außerhalb von Älmhult, hergestellt. Dennoch ist Gillis‘ Begegnung mit dem Tisch nicht folgenlos für IKEA geblieben: Als Gillis versuchte, den Tisch in sein Auto zu bekommen, musste er feststellen, dass dieser zu sperrig war. Also entfernte er einfach die Beine, um den Transport zu erleichtern. Dies war die Geburtsstunde der flachen Pakete, die zu einem Grundpfeiler des IKEA Konzepts werden sollten. 

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Gut verpackt!

Flach verpackt nahmen die Möbel weniger Platz beim Transport ein und die Kunden montierten sie dann selbst bei sich zu Hause. Der Transport war schon damals teuer und die geniale Idee von Gillis half IKEA, Geld zu sparen. Diese Einsparungen konnte IKEA an seine Kunden weitergeben, indem die Preise für die Möbel günstiger wurden. Heute haben die flachen Pakete vor allem den Sinn, den Transport so nachhaltig wie möglich zu gestalten. Denn je kleiner das Paket, umso mehr Stücke können pro LKW bewegt werden. Das reduziert den CO2-Ausstoß, der durch den Transport verursacht wird, erheblich.

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Nicht zuletzt deshalb, weil LÖVET für die Geschichte von IKEA mehr ist als nur ein Tisch, der in den 1950er Jahren in das moderne Zuhause passte, gibt es ihn heute – in zeitgemäß abgewandelter Version – wieder: LÖVBACKEN, so sein Name, repräsentiert klassisches Design, ist dem Original optisch sehr ähnlich und weißt doch einen entscheidenden Unterschied auf. Denn die Tischplatte wird nicht mehr aus Palisanderholz hergestellt, da es sich um eine gefährdete Holzart handelt, die nicht mehr länger in IKEA Möbeln erlaubt ist. Doch durch Einfallsreichtum und technische Innovationen ist es dennoch möglich, eine fast identische Version herzustellen. Dazu verwendet IKEA etwas, das sich technisches Furnier nennt und so lasiert wird, dass es wie Palisanderholz aussieht. 

LÖVBACKEN ist also eine bezaubernde neue Version eines alten Tisches, der selbstverständlich wie das Original flach verpackt ist und zu Hause montiert wird. Die Idee dazu wurde 1955 mit dem LÖVET Tisch entwickelt und führte dazu, dass IKEA seinen gesamten Ansatz, wie man in Zukunft Möbel entwerfen würde, revolutionierte.