Was ist „typisch schwedisch“?

© connyM / Adobe Stock

Wir bei IKEA sind sehr stolz auf unsere schwedischen Wurzeln. Schwedisches Design genießt in der ganzen Welt einen besonderen Ruf und unsere Unternehmenskultur ist schwedisch geprägt. Doch was genau heißt das eigentlich und was sind die Gründe dafür, dass die Schweden sind wie sie sind? Darüber habe ich mit der schwedischen Kulturwissenschaftlerin Cilla Robach gesprochen.

Ikea Cb Swedishness 01 © Phimak / Adobe Stock

Die Schweden haben ein besonderes Interesse an Design und Einrichtung. Während in Deutschland nur rund 34 Prozent der Menschen angeben, sich dafür zu interessieren, wie sie ihr Zuhause besser und schöner machen können, ist das Thema für die meisten Menschen in Schweden von großer Bedeutung. Cilla Robach führt das auf drei Faktoren zurück:

Das Wetter

In Schweden herrscht über weite Strecken des Jahres schlechtes Wetter. Über mehrere Monate ist es kalt, windig, regnerisch und im Winter auch dunkel. Bei solch unfreundlichen äußeren Bedingungen gewinnt das Zuhause an Bedeutung: Es ist behaglicher Rückzugsort, bietet Sicherheit und Geborgenheit. Und je wichtiger die eigene Wohnung oder das Haus ist, eine umso größere Rolle spielt dann auch die Gestaltung und Einrichtung.

Ikea Cb Swedishness 02

Der Stellenwert von Familie und Freunden

Die Schweden sind Familienmenschen und pflegen ihre Freundeskreise. Und das tun sie selbstverständlich im eigenen Zuhause und nicht in Kneipen oder Restaurants. Aus diesem Grund steht in fast jedem schwedischen Zuhause ein großer Esstisch, an dem viele Menschen zusammenkommen können – um zu essen, zu kommunizieren, zu spielen. Weil also regelmäßig Gäste im Zuhause empfangen werden, ist es auch ein Ort, mit dem man Persönlichkeit ausdrückt und zeigt, wer man ist – ohne dabei zu protzen. Und Kinder gehören in Schweden wie selbstverständlich dazu, daher sind die Wohnungen und Häuser auch kinderfreundlich eigenrichtet, und das nicht nur im Kinderzimmer.

Ikea Cb Swedishness 03

Steuerndes Eingreifen der Regierung

In Schweden hat die Regierung bereits Mitte des 19. Jahrhundert damit begonnen, die Menschen zum verantwortungsvollen Umgang mit Geld zu erziehen. Mit der industriellen Revolution veränderten sich auch in Schweden die gesellschaftlichen Strukturen. Zum ersten Mal hatte eine ganze Bevölkerungsgruppe, die zuvor praktisch ohne Einkommen und nur gegen Kost und Logis in der Landwirtschaft gearbeitet hatte, eigenes Geld zur Verfügung. Schnell wurde klar, dass der Reiz, das in den Fabriken verdiente Geld für Alkohol und Vergnügungsgüter auszugeben, groß war. Dem steuerte die Regierung aktiv gegen: Durch Steuern verteuerte sie alles, was sie als unnütz oder gefährlich ansah – dazu gehörten z.B. Alkohol und Restaurantbesuche. Stattdessen wurde das Interesse durch staatliche Aufklärungskampagnen und Erziehungsmaßnahmen auf vermeintlich Sinnvolles gelenkt, nämlich funktionale und qualitativ hochwertige Dinge für den täglichen Gebrauch.

Ikea Cb Swedishness 07
Ikea Cb Swedishness 05

Einfach, praktisch, ehrlich – und ohne überflüssige Elemente

Dass die Schweden schon früh an gutem Design für ihr Zuhause interessiert waren, liegt also nahe. Aber wie sah ein „gut designtes“ schwedisches Zuhause aus? Es war geprägt von den Themen Natur und Licht und bot Raum für die ganze Familie: Die Fenster wurden nicht mit Vorhängen zugehängt, sondern ließen das Licht herein. Die Möbel und häufig auch der Boden waren aus Holz, mit Pflanzen wurde zusätzlich Natur ins Innere geholt. Das schwedische Zuhause war einfach, praktisch, ehrlich, klar – ohne Dekoration und überflüssige Elemente. Dieser Purismus, die Besinnung aufs Wesentliche resultierte auch aus der Kargheit der Landschaft und der relativen Armut ihrer Bewohner: Über Jahrhunderte hatten die Menschen gelernt, ihr Überleben mit einfachen Mitteln sicherzustellen. Funktionalität wurde so zum obersten Design-Prinzip, Unnötiges im Sinne von Luxus, Glamour oder Genuss galt als unmoralisch und war verpönt.

Ikea Cb Swedishness 06

Durch Massenproduktion für viele Menschen erschwinglich

Funktionale Dinge so anzubieten, dass jeder schwedische Haushalt sie sich leisten konnte, war eine Herausforderung, die im Zuge der Industrialisierung gelöst werden konnte: Durch Massenproduktion wurden gut designte Alltagsgegenstände erschwinglich - und die Massenproduktion selbst zu einem der vier Charakteristiken der als „Swedish Modernism“ in den 30er Jahren bekannt gewordenen Stilrichtung. Daneben sind Funktionalität (ein Produkt ohne Funktion war nicht denkbar), Einfachheit (kein überflüssiges Dekor) und Ehrlichkeit des Materials („What you see is what you get“) die entscheidenden Faktoren.

Ikea Cb Swedishness 04 © agr / Adobe Stock

Demokratisches Design bei IKEA

Damit geht Democratic Design, das Design-Prinzip von IKEA, direkt auf den Schwedischen Modernismus zurück. Democratic Design umfasst heute fünf Dimensionen. Jedes IKEA Produkt muss in diesen Aspekten überzeugen: Form (gutes Design), Funktion (Funktionalität und Nutzbarkeit), Qualität (Langlebigkeit), Nachhaltigkeit (verantwortungsbewusster Einsatz von Ressourcen) und Preis (Erschwinglichkeit für möglichst viele Menschen). Und auch die IKEA Unternehmenswerte wie Gemeinschaft, Einfachheit, Kostenbewusstsein oder Verantwortung für die Menschen und den Planeten haben ihre Wurzeln in der Geschichte dieses fantastischen Landes im Norden Europas.