#IWD – Väter in Elternzeit: Ob Kanada oder Wuppertal, immer ein Erlebnis

Wenn am Donnerstag dieser Woche der Weltfrauentag begangen wird, stehen Themen wie Gleichberechtigung oder Vereinbarkeit von Beruf und Familie ganz oben. Für uns bei IKEA gilt das für beide Geschlechter. Wir hatten in den vergangenen zwölf Monaten fast 200 Väter, die Elternzeit genommen haben. Thilo Mayer (36), Projektmanager im Expansionsteam von IKEA Deutschland, und Markus Kraus (39), HR Generalist im Einrichtungshaus IKEA Wuppertal, sind zwei von ihnen.

Für Thilo, der seit über vier Jahren für neue IKEA Standorte, Strategien und Kooperationen viel in ganz Deutschland unterwegs ist, war das Thema Elternzeit lange kein Thema. Das änderte sich schlagartig, als vor rund eineinhalb Jahren Sohn Emil zur Welt kam. „Meine Kollegen haben mich oft angesprochen, ob ich denn die kostbare Zeit nicht nutzen und Elternzeit nehmen wolle“, erinnert sich Thilo. Das war bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, einer Banken-Immobilientochter, nie ein Thema – „anderer Altersdurchschnitt und eine andere Kultur“.  Hier bei IKEA sei es sehr akzeptiert, dass man sich um Kinder (und auch pflegebedürftige Angehörige) kümmert.

Thilo kam ins Grübeln und sagte sich eines Tages: Warum eigentlich nicht? Drei Monate nach der Geburt sprach er mit seinem Chef über die neuen Pläne. Kaum gesagt, kam schon nach wenigen Minuten die Entscheidung: „Ja klar, mach doch“. Kurze Zeit später schrieb der Projektmanager einen Drei-Zeiler an die Personalabteilung. „Das ganze interne Verfahren war unbürokratisch“, erinnert sich der gebürtige Rheinhesse, „die Flexibilität ist groß, sowohl bei IKEA als auch bei den Behörden.“ 

IKEA_CB_Elternzeit Thilo mit Frau und Kind

Anders als für Thilo war für Markus und Alena von Anfang an klar, dass sie sich die Elternzeit teilen würden und dass Markus sich ein halbes Jahr Zeit für ihre gemeinsame Tochter nimmt. Von der Reaktion bei IKEA berichtet Markus: „Meine Entscheidung und die geplante Länge der Elternzeit war nie Anlass für Kommentare in der Richtung von „Das kannst du doch nicht machen“. Es wurde mir vielmehr vermittelt, dass es im besten Sinne des Wortes normal ist, wenn ich als Vater zuhause ebenfalls Verantwortung übernehme. Wir haben uns hingesetzt, geschaut wie meine Aufgaben im Team verteilt werden können und so eine pragmatische Lösung für die praktischen Erfordernisse gefunden“.

Thilo nutzte die zweimonatige Elternzeit mit seiner Frau Nina und Baby für eine längere Auszeit u.a. in Kanada. „Zusammen unterwegs sein, das war das Motto unserer gemeinsamen Zeit“, so Thilo. Das Reisen mit einem Einjährigen sei unkompliziert gewesen. Noch heute profitieren Vater und Sohn von der stärkeren Bindung. „Wenn man den ganzen Tag miteinander verbringt, wird die Beziehung intensiver, als wenn man nur die letzte halbe Stunde vorm Zu-Bett-Bringen mitbekommt.“

Img 20180302 Wa0010 Markus geht mit seiner Tochter spazieren.

Markus hatte sich zunächst für die Elternzeit einiges an Renovierungsprojekten vorgenommen, hat aber schnell einsehen müssen, dass an umfangreiche Arbeiten nicht zu denken ist, wenn man sich um einen Säugling kümmert. „Lexa war zu dem Zeitpunkt ein halbes Jahr alt. Man muss sich in dem Alter ganz nach den Bedürfnissen des Kindes richten und den Haushalt nach einem strengen Tagesplan organisieren, damit man nicht im Chaos versinkt, erzählt Markus. „Den Schlafentzug habe ich unterschätzt“, berichtet er lachend. „Bis ich mich daran gewöhnt hatte kippte ich alle Freizeitveranstaltungen, den Sport und die Renovierungsarbeiten. In der Zeit will man nur Schlaf nachholen, während sich die Oma für einige Stunden ums Kind kümmert“. Bei aller Anstrengung erleben Markus und Alena die Zeit aber als wunderschön und bereichernd. Sie halten sich gegenseitig den Rücken frei und gönnen sich die Zeit, die sie mit dem Kind verbringen, ebenso wie die Zeit für ihre individuellen Hobbies und Treffen mit Freunden.

Thilo ist auch heute gut eingebunden in den Tagesablauf mit Kind. Der Grund: Nina geht seit wenigen Wochen wieder Vollzeit arbeiten. „Ich mache Emil morgens fertig und bringe ihn später zu den Großeltern“, berichtet Thilo. Ab Oktober, pünktlich zum zweiten Geburtstag, ist ein Kita-Platz in Aussicht.

Img 0932 Thilo mit Camper und Kind

Markus sechsmonatige Elternzeit geht noch bis April, dann kehrt er zurück an seinen Arbeitsplatz in Wuppertal. Er vermisst zwar manchmal seinen Job und die Kollegen aus seinem Team, sieht das aber als Teil seiner bewusst getroffenen Entscheidung, sich ein halbes Jahr Zeit für seine Familie zu nehmen. Ganz nüchtern stellt er fest: „Im Bekanntenkreis sieht man, dass es nicht selbstverständlich ist, dass beide Partner sechs Monate Elternzeit nehmen. Das ist oft eine finanzielle Entscheidung, denn wenn der Hauptteil des Einkommens nur von einem Partner kommt, wird es schwierig. Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir es so realisieren konnten“.   

Was war Thilos Highlight der Elternzeit? „Kanada! Vier Wochen in einem Camper unterwegs und jeden Tag woanders zu sein, war sehr spannend. Wir sind mit Kind noch viel mehr in Kontakt mit den Menschen vor Ort gekommen als sonst.“ Rückblickend ist Projektmanager Thilo auch sehr dankbar für alle Kollegen, die Aufgaben während seiner Abwesenheit mit übernommen haben. „Elternzeit kann ich nur allen Vätern empfehlen“, so sein Resümee. Man solle sich nicht vom Gedanken leiten lassen, dass so viel liegen bleibt.  „Ich habe viel Unterstützung erfahren und das Gefühl, dass mir die Auszeit mit Kind jeder gegönnt hat.“   

Danach gefragt, was er aus der Elternzeit als Erfahrungen mitnimmt, sagt Markus, dass es eine riesige Bereicherung für sein Leben bedeutet hat. Er schildert stressige Phasen, die Verunsicherung schaffen; Phasen, in denen man sich ununterbrochen kümmern muss. Aber er ergänzt: „Es kommt darauf an, wie man es annimmt. Du kannst nicht erwarten, dass dein Leben so weitergeht wie vorher, wenn du eine Familie gründest“. Natürlich haben sie sich vorher Gedanken gemacht und bestimmte Vorstellungen gehabt. Aber: „Dann trifft dich die Realität und du siehst ein, dass man sich manche Sachen abschminken kann, bis das Kind im Kindergarten ist. Da hilft etwas Gelassenheit: Man kann sich wegen allem verrückt machen, oder man geht mit gesundem Menschenverstand ran, vertraut seinem Bauchgefühl und hat einfach Spaß an der Zeit mit seinem Kind“.