IKEA, nö, lass mal … oder doch?

Lauras WG-Zimmer nach der Umwandlung

Nur weil es alle anderen machen, heißt das noch lange nicht, dass ich es auch machen muss – oder eher: Gerade weil es alle anderen machen, mache ich es nicht. Ich würde nicht sagen, dass das unbedingt eine generelle Grundhaltungen ist, aber in gewissen Dingen ist diese Einstellung bei mir doch sehr ausgeprägt. Und, wie ich ehrlich zugeben muss, auch im Hinblick auf meine Besuche bei IKEA. 

In 26 Jahren war ich genau 2-mal bei IKEA, in diesem Monat 25-mal. Ok, gut, das liegt wohl auch daran, dass ich momentan eine Hospitanz bei IKEA Deutschland in Wallau in der Kommunikationsabteilung mache und daher jeden Morgen zum Arbeiten hierher komme. Aber geändert hat sich trotzdem was.

Ikea Cb Patchwork Lauras Patchwork-Familie

Von Kunstblumen und Köttbullar

Als ich das erste Mal mein Zimmer, zumindest teilweise, selbst einrichten durfte, war ich zwölf Jahre alt, das war 2003. Es stand ein großer Umzug bevor, denn meine Patchwork-Familie wurde nämlich auch räumlich endlich eins. Fünf Kinder, zwei Erwachsene, drei Familien: ich (Laura, 12), meine Tante (Margitta, 34), meine beiden Cousins (Manuel, 12 und Daniel, 10), der neue Mann (Bernd, 39) meiner Tante und seine beiden Kinder (Lucas, 14 und Marlene, 8) wohnten plötzlich alle unter einem Dach. Das dreistöckige Haus meines Uropas haben wir alle zusammen nach und nach renoviert und als dann auch endlich das letzte Zimmer fertig tapeziert und gestrichen war, kam die große Stunde: der erste IKEA Besuch! Und der war, milde ausgedrückt, eine Herausforderung …

Nein, es lag nicht an dem Einrichtungshaus, den Verkäuferinnen und Verkäufern, oder daran, dass es vielleicht zu wenig Auswahl gegeben hätte. Nein, es lag schlicht und ergreifend daran, dass man an einem Samstag im Hochsommer nicht mit fünf Kindern zu einem vollgestopften IKEA fährt. Vor allem nicht mit uns – fünf quirlige Halbstarke, die am liebsten übermütig alles angegrabscht, ausprobiert und eingepackt hätten. Aber die Affenbande wurde gezügelt und wir wackelten brav und ordentlich im Gänsemarsch durch die Gänge (zumindest immer dann, wenn uns die kontrollierenden Blicke unserer Eltern trafen). Das Ganze dauerte fast vierStunden, gefühlt eine Ewigkeit. Und alles nur, weil wir uns unbedingt eigene Dekoration für unsere neuen Zimmer aussuchen wollten.

Nach unzähligen „Wann sind wir endlich fertig?“, „Ich muss jetzt aber Pippi“ und „Ich hab Hunger“ hatten wir es endlich an die Kasse geschafft. Es wurde bezahlt, jeder von uns mit dem obligatorischen Hotdog gefüttert, damit wenigstens für ein paar Minuten Ruhe war, und anschließend wurden wir dann mitsamt unseren Schätzen à la Steckkastensystem ins Auto einsortiert. Noch nie habe ich SOMRIG Vasen und SMYCKA Kunstblumen so verflucht – genau das waren nämlich meine Deko-Objekte, die ich an dem Tag mit nach Hause genommen habe. Und damit war dann IKEA für mich auch erstmal abgehakt.

Nun ist es ja so, dass wir fünf Patchwork-Geschwister aus drei unterschiedlichen Familien kommen und es so geregelt war, dass wir alle 14 Tage das Wochenende bei den jeweils anderen Elternteilen verbrachten. Für mich hieß das, 30 km Fahrt in den Schwarzwald zu meinem Papa und meinen Großeltern. Für Manuel und Daniel ging es nur ein paar Ortschaften weiter zu ihrem Papa. Und Lucas und Marlene fuhren zu ihrer Mama Richtung Bruchsal – und ja, was ist ganz in der Nähe von Bruchsal? Richtig, IKEA Walldorf.

Und wie es dann so kam, ist Marlene mit ihrer Mama eines schönen Samstags zu IKEA gefahren. Für meine kleine Schwester war das Genuss pur und sie hat daraus ein richtiges Happening gemacht – alle zwei Wochen Bummel durch das Einrichtungshaus und anschließend den Bauch abwechselnd mit Hotdogs und Köttbullar vollstopfen. Obwohl ich da ja selbst nie dabei war, sondern immer erst Sonntagsabends als wir alle wieder zurück zuhause waren, davon erfahren habe, musste ich instinktiv an unser erstes IKEA Erlebnis denken. Ich konnte so gar nicht verstehen, warum die da jetzt unbedingt alle zwei Wochen hin muss und was daran so toll sein soll. In meinem Unterbewusstsein hat sich ab da wohl eine gewisse Grundabneigung eingestellt. Natürlich war das auch der Geschwisterkonkurrenz geschuldet. Alles,was die Kleine toll findet, muss ich erstmal doof finden – also auch IKEA. Unterstützt wurde meine Einstellung über die Jahre dann auch noch durch die ständigen IKEA Besuche von Freundinnen. Die sich immer mal wieder zum gemeinsamen Shoppen verabredeten, um am Ende, ganz klischeehaft, eben dann doch nur mit Teelichtern und Servietten an der Kasse zu stehen. Nö, lass mal …

Ikea Cb Lauras Zimmer 01

Auf ein Neues

Das zweite Mal, dass ich mein Zimmer einrichten und dekorieren durfte, war 14 Jahre später, im September 2017. Grund dafür war der Umzug aus meiner kleinen Wohnung am Bodensee in meine jetzige WG in Frankfurt Sachsenhausen. Umgezogen bin ich natürlich auch in den Jahren zuvor oft genug, aber meine Zimmer während der Studienzeit konnte ich immer entweder komplett möbliert übernehmen, oder waren eh nur zur Zwischenmiete verfügbar. Da hat sich also nie die Frage gestellt, ob ich nicht mal wieder zu IKEA fahren und Neues für meine Zimmer kaufen wollte. Und darüber war ich, wie ihr euch vorstellen könnt, ganz froh.

Als ich dann aber vor knapp einem dreiviertel Jahr beruflich bedingt nach Frankfurt gekommen bin und wusste, dass ich im Idealfall erstmal ein paar Jahre in dieser WG wohnen werde, habe ich mich ehrlich gesagt auch ein bisschen gefreut, mal wieder selbst einrichten zu dürfen. Dem Zimmer also meine ganz persönliche Note verpassen zu können. Und diese Note hatte das Zimmer tatsächlich auch bitter nötig …

Ikea Cb Lauras Zimmer 03

Da der Ortswechsel – Bodensee, Frankfurt – eine sehr spontane Sache war, hatte ich das Zimmer zuvor nur auf Bildern gesehen und kurz über Skype, als ich meine zukünftigen Mitbewohner kennenlernte. Auf Bildern sieht ja oftmals alles ein bisschen schöner aus, als es in Wirklichkeit ist und so war es hier auch. Die Wände waren abwechselnd auberginefarben und hellgrau gestrichen. Vor der großen auberginefarbenen Wand stand ein matschbraunes Schlafsofa mit geblümten Kissen. Auf der anderen Seite, an der mit grauen Längsstreifen gestrichenen Wand, ganz einsam eine einzelne Kommode. Rechts daneben, unter der Dachschräge, ein karges Bettgestell und dem gegenüber eine riesige dunkle Schrankwand. Halleluja! Meine Mitbewohner nannten das 26 m² große Zimmer immer nur „die Höhle“, weil es so dunkel war. Mittlerweile, so viel kann ich euch schon verraten, habe ich Mühe, sie überhaupt dazu zu bringen, mein Zimmer wieder zu verlassen. Aber das liegt nicht an IKEA … oder doch?

Ikea Cb Lauras Zimmer 02

365 Grad IKEA – einmal rundum

Sofa, Kommode, Schrank und Bett habe ich tatsächlich auch alles behalten, die Möbel waren ja schließlich noch gut in Schuss (außerdem liegt mein Zimmer im fünften Stock einer Altbauwohnung ohne Aufzug und alles hoch- und runterschleppen, das macht nun wirklich keinen Spaß). Aber so bewohnen würde ich das Zimmer nicht, das war klar. Tapeziert wurde diesmal nicht, dafür gestrichen, und zwar alles weiß – danach ging’s zu IKEA. Warum? Weil ich kurz zuvor den neuen IKEA Katalog in der Hand hatte, unbedingt den STRANDMON Ohrensessel haben wollte und meine beste Freundin, Romina, sowieso für ihren Standardeinkauf (ja, genau … Teelichter und Servietten) hin musste – also: ab nach Wallau.

Der Einkauf war zu meiner eigenen Überraschung angenehm und vor allem auch erfolgreich. Wir haben auf die Einkaufswagen geladen, was gepasst hat, uns danach sogar gleich zwei Hotdogs gegönnt und anschließend mit dem Gekauften im Auto Tetris gespielt. Und ja, auch Rominas Teelichter und Servietten fanden noch Platz.

Ikea Cb Lauras Sessel

Zurück in Sachenhausen durften zwei meiner drei Mitbewohner zum Schleppen antreten – und die Mühe hat sich gelohnt, für mich und mein Zimmer zumindest ;)

Heute umranden zwei schöne beigefarbene LENDA Vorhänge mein großes Erkerfenster, die Fensterbank zieren dunkle ERSÄTTA Kerzenständer. Als kleinen Farbtupfer zum hellen Weiß der Wände mit Bildern in RIBBA Rahmen habe ich zwei bunte PANDRUP Teppiche gewählt. In der WG konnte ich noch eine zweite MALM Kommode ausfindig machen, damit die andere nicht mehr ganz so vereinsamt neben dem gleichfarbigen MALM Bett steht. Den dunklen PAX Kleiderschrank habe ich teils mit Fotos von Familie und Freunden beklebt; ich bekomme richtig gute Laune, wenn ich ihn morgens aufschiebe, um mir meine Klamotten für den Tag rauszusuchen. Für genügend Licht sorgen die RANARP Steh- und bald auch die Hängeleuchte. Uuuund neben dem jetzt tatsächlich nicht mehr ganz so matschig wirkenden Schlafsofa steht das Herzstück: der STRANDMON Ohrensessel in helltürkis.

Ich finde, das Ergebnis kann sich sehen lassen. Was meint ihr?

Ikea Cb Lauras Geschwister Laura mit ihren Geschwistern

Und außerdem

Mittlerweile bin ich nicht nur von meiner IKEA Phobie geheilt, ich mag das schwedische Einrichtungshaus sogar ziemlich gerne. Zum einen liebe ich mein Zimmer und das liegt auch an den tollen Möbeln, zum anderen finde ich es klasse, was IKEA in Sachen Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung macht. Meine Einrichtung sieht also nicht nur schick aus, die kann auch was. Und das Tollste ist, nicht nur die Möbel, Textilien und Dekorationsartikel, die IKEA verkauft, sind nachhaltig und aus recycelten oder wiederverwertbaren Rohstoffen produziert. IKEA bietet auch viele Produkte und Lösungen, um auch selbst im eigenen Zuhause Energie, Wasser und somit auch Geld zu sparen, den Abfall zu reduzieren und gesünder zu leben. Veränderung fängt klein an und wenn ich gemeinsam mit meinen Mitbewohnern – deren Zimmer übrigens auch großenteils mit IKEA Produkten eingerichtet sind – dazu beitragen kann, dass sich was tut, dann lässt mein nächster IKEA Besuch sicherlich nicht wieder 14 Jahre auf sich warten ;)