75 Jahre IKEA – herausfinden, was mir gefällt!

Habt ihr schon mal den Begriff „Wohnpsychologie“ gehört? Das gibt es tatsächlich! Hier geht es darum, wie sich Räume auf uns auswirken – wie sie unsere Stimmung beeinflussen und sogar unsere Persönlichkeit prägen. Wir haben Dr. Barbara Perfahl gefragt, wie der Alltag einer Wohnpsychologin aussieht, wie wir unseren Wohngeschmack entwickeln und wie wir herausfinden, was in unser Zuhause passt. Ergänzend zu diesem Interview haben wir ein inspirierendes E-Book erstellt, in dem ihr jede Menge Expertentipps und Ideen findet, die euren Alltag besser machen und so zu einer guten Stimmung beitragen. Bevor ihr darin stöbert, verrät uns Barbara, welche Bedürfnisse Menschen überhaupt zu Hause haben.

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Wie kann ich mir deinen Berufsalltag vorstellen?

Der ist sehr abwechslungsreich und das liebe ich auch daran. Ich beschäftige mich hauptsächlich mit drei Bereichen: Erstens berate ich Kunden vor Ort, ob für ihre privaten Räume oder ihr Geschäft. Zweitens gehe ich meiner Leidenschaft nach und schreibe Bücher und Blogbeiträge. Drittens arbeite ich im Bereich Homestaging, das heißt, ich gestalte Räume für deren Vermarktung. All das zusammen macht meine Arbeit als Wohnpsychologin zu meinem absoluten Traumberuf.

Räume lösen Emotionen aus – woran liegt das?

Neben der Ästhetik der Raumgestaltung beeinflussen uns auch die zugrundeliegenden Raumeigenschaften. Wir nehmen die Größe, Raumhöhe, das Licht und die Farben wahr. Bei zu vielen Farben kann es zu einer Reizüberflutung kommen – das menschliche Gehirn ist nicht für eine zu große Reizanzahl ausgelegt. Auch niedrige Decken können unangenehm drückend wirken. Außerdem können symbolische Bedeutungen hinzukommen, die durch die Nutzung der Räume entstehen. Ein Kirchenbesuch beispielsweise kann uns in eine andächtige Stimmung versetzen.

Hinzu kommen immer auch Erlebnisse in ähnlichen Räumen, die unsere Vorlieben prägen. Das Elternhaus beeinflusst uns stark, denn hier lernen wir erstmals Raumerfahrungen wie Entfernungen kennen. Kinder wollen spätestens ab der Pubertät mitbestimmen, wie es in ihrem Zimmer aussieht.

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Inwiefern prägt unsere Wohngeschichte unsere späteren Vorlieben?

Wenn wir im Elternhaus aufwachsen, wollen wir uns in der Regel von der Familieneinrichtung abgrenzen – insbesondere in der Pubertät, wenn wir uns stark mit unserer Identität beschäftigen. Später kehren wir aber oft zu dem zurück, was wir von zu Hause her kennen. Ich bin davon überzeugt, dass es nicht ohne Grund ein Revival der Möbel der 60er- und 70er-Jahre gab – zu diesen Designs hat meine Generation einen besonderen Bezug, der wieder zurückkehrte.

Wann kommt es gerade zu Hause häufiger zu Streit unter Familien oder Mitbewohnern?

Jeder hat eigene Wohnbedürfnisse zwischen Sicherheit, Rückzug, Geselligkeit, Selbstdarstellung, dem Ausleben von Kreativität und ästhetischen Vorlieben. Mit verschiedenen Menschen treffen auch verschiedene Wohnwünsche aufeinander. Ein typischer Fall: Sie beschwert sich über herumliegende Kabel und technische Anschaffungen, er beschwert sich über die Vielzahl an Dekorationsgegenständen. Ausschlaggebend ist eher die Botschaft hinter den platzierten Dingen: Sie besetzen den gemeinsamen Platz als einen eigenen, markieren ein Territorium. Unser Zuhause ist wie eine zweite Haut, die wir uns aneignen, um uns wohlzufühlen – und dafür benötigen wir Raum. Die Lösung kann darin liegen, sich darauf zu einigen, welche Räume welche Funktion erfüllen sollen und wer welche Zonen gestalten darf.

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Welche Vorteile haben wir von einem zu uns passenden Wohnumfeld?

Wohnraum, der nicht zu unseren Bedürfnissen passt, kann Stress auslösen und Energie rauben. Dabei wollen wir gerade hier unsere Akkus aufladen und Kraft sammeln. Räume zum Wohlfühlen sind übrigens weniger eine Frage von Geld – es geht darum, dass ich mir den Raum aneigne und mir meine Bedürfnisse erfülle. Wenn die Grundbedingungen stimmen, kann ich es mir auch auf kleinem Wohnraum gemütlich machen.

Was ist die Gefahr bei zu vielen Farben – was macht das mit uns? Und wie wirken relativ leere Räume – welches Bild vermitteln sie?

Ich sehe mir in meinem Berufsalltag viele Räume an. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Deutschen eher zu viele Dinge in ihrem Zuhause haben und dadurch auch viele Farben aufeinandertreffen. Oft steckt kein Farbkonzept hinter der Einrichtung, sondern es handelt sich um eine mit der Zeit gewachsene Struktur. Auf Fremde wirken die Einrichtungsgegenstände zusammengewürfelt und chaotisch, für den Bewohner haben sie einen emotionalen Zusammenhang. Wenn nun ein Außenstehender hinzukommt und etwas wegnimmt, reagieren viele überrascht: „Der Raum wirkt jetzt viel größer. Es ist, als könnte er atmen!“ Wir werden mit der Zeit eben betriebsblind. Da hilft es, die Perspektive eines Besuchers einzunehmen und zu überlegen, was einem noch gefällt. Daneben gibt es auch Räume, die zu leer sind und dadurch kühl und unpersönlich wirken. Doch manche Menschen mögen gerade das Reduzierte. Auch zu einer Industrielampe aus Metall kann man einen emotionalen Bezug haben, etwa weil man sie von einem besonderen Menschen geschenkt bekommen hat oder weil man mit der spezifischen Form ein Erlebnis verbindet. Ich finde es übrigens wunderbar, dass die Geschmäcker so unterschiedlich sind – das macht meinen Beruf so spannend!

Ikea Cb Wohnpsychologin 02 Dr. Barbara Perfahl, Wohnpsychologin

Und wie finde ich nun heraus, was meine Wohnbedürfnisse sind und was mir gefällt?

Zunächst einmal hilft es zu wissen, welche Wohnbedürfnisse es überhaupt gibt. Schließlich kann man im Selbstgespräch oder mit einem Freund zusammen überlegen, was mir am wichtigsten ist, was ich benötige und worauf ich verzichten kann. Ist mein Bedürfnis nach Sicherheit und Privatheit vielleicht so groß, dass ich mich mit zugezogenen Vorhängen freier fühle? Es kann helfen, das einfach mal für ein paar Tage auszuprobieren und zu beobachten, wie man sich damit fühlt. Auch Familien und Freunde können mir sagen, was sie für meine typischen Charaktereigenschaften halten. Noch besser, als sich Einrichtungsbeispiele auf Bildern anzuschauen und auf sich wirken zu lassen, ist der Realitätscheck. Dafür eignet sich ein Möbelhaus wie IKEA perfekt – hier kann man es sich in den Interieuren auch mal länger gemütlich machen. Ich denke, genau deswegen lieben so viele Menschen den Besuch im Einrichtungshaus – sie können eine Wohnsituation in der Realität erleben und sie sich viel konkreter vorstellen. So können sie erfahren, ob die Wohnideale, die sie aus Bildeindrücken von Einrichtungsgeschäften, Onlinemedien und aus Wohnzeitschriften entwickelt haben, überhaupt zu ihnen passen und ihren Bedürfnissen entsprechen.

Über Barbara:

Seit 9 Jahren beschäftigt sich Dr. Barbara Perfahl als Wohnpsychologin mit dem Einfluss von Räumen auf unser Wohlbefinden und optimaler Raumgestaltung. Sie ist Autorin der Bücher „Glücklich zusammenwohnen: Die besten Tipps für Paare“ (2017) und „Ein Zuhause für die Seele – in fünf Schritten zum Wohlfühlzuhause“ (2015).

Nicht verpassen – Gewinnspiel!

75 Jahre IKEA müssen natürlich gefeiert werden, daher verlosen wir am Wochenende etwas ganz Besonderes – eine Reise nach Hamburg in unseren City Store für zwei Personen! Verfolgt einfach unsere Themenwoche und schaut unbedingt am Samstag wieder hier auf dem Blog vorbei. Mit etwas Glück und Köpfchen könnt ihr schon bald in unserem IKEA Altona hinter die Kulissen schauen und euch über einen 75 € Einkaufsgutschein freuen!